Schülerin kehrt als Lehrkraft zurück

Katja Wolf hat bis 2009 am Robert-Schumann-Konservatorium das Gitarrenspiel erlernt. Jetzt bringt sie es dort jüngeren Lernwilligen bei.

Zwickau.

Es ist vielleicht selten, aber manchmal passiert es doch. Nämlich, dass aus dem ehemaligen Schüler eines Lehrers plötzlich dessen Kollege wird. Das Robert-Schumann-Konservatorium (RSK) ist seit Beginn des Schuljahrs um so einen Fall reicher: Katja Wolf, bis zu ihrem Abitur 2009 Gitarrenschülerin erst bei Annette Schneider und dann bei Barbara Löffler, hat jetzt Letztere als Zupfmusik-Fachbereichsleiterin des "Kon" zur Chefin: Als Lehrbeauftragte betreut die 25-Jährige Musikstudentin an zwei Tagen in der Woche auf Honorarbasis insgesamt 24 Gitarrenschüler im Alter zwischen sechs und 18 Jahren, einzeln und paarweise.

Nach dem Abitur war die schon zu Schulzeiten wiederholt preisgekrönte Katja Wolf zunächst nach Kassel zum Instumentallehrer-Diplomstudium gegangen. Auch dabei hatte das Konservatorium eine Richtung vorgegeben: "Ich wollte dort bei Michael Tröster studieren, den ich hier bereits bei Meisterkursen kennen gelernt hatte", erzählt die junge Frau, die nach vier Jahren nach Weimar wechselte, um dort an ihrer künstlerischen Weiterentwicklung zu arbeiten. Schon da, vor einem einjährigen Studienaufenthalt in Graz im Rahmen des EU-Förderprogramms "Erasmus", gab sie ein erstes Intermezzo als Lehrbeauftragte am RSK. Jedoch nicht in dem Umfang wie jetzt. Nach ihrer Rückkehr aus Graz nach Weimar vor einem Monat unterweist sie immerhin ein knappes Fünftel der Schülerschaft des Fachbereichs in der Kunst, aus sechs Saiten eine Klangwelt zu formen. Und das tut sie, während der zwei Tage am "Kon" wöchentlich bei den Eltern in Irfersgrün zu Gast, beileibe nicht allein als studentischen Nebenjob: "Ich freue mich, hier etwas von dem zurückgeben zu können, was ich selbst bekommen habe. Ich fühle mich in diesem Umfeld sehr wohl, es herrscht eine sehr kollegiale Atmosphäre, und wir lernen alle voneinander", sagt die Pädagogin, die zurzeit auch das Landesjugendzupforchester dirigiert. Nach dem bevorstehenden Master-Abschluss in Weimar erwägt sie, ihr Konzertexamen zu machen. Auch das, schaut sie voraus, lasse sich mit der Lehrtätigkeit am Konservatorium gut vereinbaren: "Da kommt es nicht so sehr auf den Wohnort an."

Barbara Löffler ist voll des Lobes über ihre ehemalige Schülerin und neue Kollegin. Mit ihr ernte der Fachbereich etwas von der vor vielen Jahren ausgebrachten Saat: "Das Schönste für einen Lehrer ist, einen Schüler zu unterrichten, ihn in die Welt zu lassen und als exzellent ausgebildeten Musiker und Instrumentallehrer wiederzubekommen" stellt sie fest. "Katja Wolf bereitet uns dieses Geschenk. Es ist eine Freude zu sehen, welche Künstlerpersönlichkeit hier gewachsen ist."

Als besonderen Vertrauensbeweis sieht Katja Wolf es an, dass sie in diesem Schuljahr auch fortgeschrittene Schüler direkt von Barbara Löffler übernehmen durfte. "Aber es macht auch sehr viel Spaß, mit Anfängern zu arbeiten", sagt sie.

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