Schule rückt Radon zu Leibe

Um das gesundheitsschädliche Edelgas aus den Klassenzimmern zu bekommen, wird jetzt am Käthe-Kollwitz-Gymnasium umgebaut. Anderswo steht die Lösung noch aus.

Zwickau.

Beim Versuch, das gesundheitsschädliche Edelgas Radon aus Unterrichts- und Aufenthaltsräumen weitgehend zu verbannen, ist die Stadt Zwickau einen weiteren Schritt voran gekommen. Nachdem bei fast allen Schulhäusern, in denen hohe Konzentrationen gemessen wurden, schon verstärktes Lüften zum Erfolg geführt hatte, sind lediglich die beiden städtischen Gymnasien als diejenigen Gebäude übrig geblieben, bei denen weitere Maßnahmen nötig sind. Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG) wird nun nach umfangreichen Untersuchungen eine neue Belüftungsanlage eingebaut. Dem hat der Finanzausschuss am Dienstag zugestimmt. 266.000 Euro stehen dafür zur Verfügung. Die betroffenen Kellerräume sollen danach keine erhöhte Konzentration mehr aufweisen.

Dabei geht es um Lüfter, die einen Überdruck erzeugen sollen, sodass belastete Luft von selbst aus den Räumen entweicht. "Wir haben auch mit Unterdruck und dem Abpumpen der Luft experimentiert, aber das hatte nicht den gewünschten Effekt", sagt Gerd Meyer von der Stabsstelle Wismutangelegenheiten in der Zwickauer Stadtverwaltung. Bei Unterdruck wurde offenbar zusätzliches Radon aus dem Erdreich in die Räume gesogen. Außerdem haben Messgeräte in den Kellerräumen teils schon nach 20 Minuten eine zu hohe CO2-Belastung angezeigt. "Wenn man jetzt mit der Belüftungsanlage beides löst, also sowohl den Radongehalt als auch den CO2-Gehalt verringert, ohne im Winter ständig die Fenster öffnen zu müssen, dann ist allen nachhaltig geholfen", sagt Meyer. Die Testergebnisse würden ganz klar dafür sprechen. Insgesamt sollen 15 Kellerräume im KKG mit Lüftern ausgestattet werden. Die Abluft kann teils über Gitter der Außenfassade abtransportiert werden. Wo das nicht möglich ist, muss im Innenhof ein Belüftungsturm gebaut werden. Die Arbeiten sollen im Juli beginnen und im Oktober abgeschlossen sein.


Radon steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Ergebnisse der Messungen haben gezeigt, dass in mehreren Zwickauer Schulen die Werte relativ hoch liegen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Grenz-, sondern nur um Richtwerte, die zudem erst durch die neueste Änderung am Strahlenschutzgesetz deutlich abgesenkt wurden. Am KKG lag der höchste gemessene Wert bei 710 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft. Laut alter Richtlinie wäre das unbedenklich gewesen, nach dem neuen Gesetz aber wird der Wert von 1000 auf 300 Becquerel pro Kubikmeter abgesenkt. Als bestes Mittel gegen zu hohe Werte gilt häufiger Luftaustausch, also gutes Durchlüften. Experten gehen davon aus, dass Radon durch undichte Stellen im Boden eintritt. "Und undichte Stellen zu finden und zu schließen, ist fast unmöglich", sagt Meyer.

Probleme machten allerdings die Testlüfter. Sie gaben ein so lautes Geräusch ab, dass sie abgeschaltet werden mussten. Nach Angaben der Schule wurden sie mit einer Zeitschaltuhr versehen, liefen überwiegend nachts und blieben oft während den Unterrichtszeiten aus. Die neue Anlage soll dagegen fast geräuschlos arbeiten. "Aber auch die Testergebnisse mit tagsüber ausgeschalteten Lüftern haben Werte weit unter dem Referenzwert erbracht, teils lagen wir bei unter 100 Becquerel", sagt Meyer.

Noch keine Lösung gibt es dagegen im Clara-Wieck-Gymnasium. Die dort gemessenen Werte liegen teils höher als im KKG, der Spitzenwert von 2200 Becquerel pro Kubikmeter war sogar der höchste in Sachsen gemessene Wert 2018. Eine Belüftungsanlage könnte auch dort die Werte verringern, allerdings wäre sie schwieriger zu installieren. Dort sind nicht nur Kellerräume, sondern auch Zimmer im ersten Obergeschoss betroffen.

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