"Schutzengel" helfen 89-Jährigem nach Havarie

Wolfgang Behrendt, ein ehemaliger Lehrer, lobt die Jugend, die ihn nicht im Regen stehen ließ. Völlig Fremde halfen ihm.

Zwickau.

Die Jugend von heute taugt nichts? Von wegen, sagt Wolfgang Behrendt. Der 89-Jährige hatte sein Leben lang mit jungen Leuten zu tun, als Russischlehrer, als Direktor der Polytechnischen Oberschule "Walter Ulbricht" (heute Schule am Scheffelberg), zuletzt war er Schulinspektor. Als Oberstudienrat ging er 1990 in Rente, ohne wirklich alt zu werden. Er hält sich unter anderem mit Reisen und Seniorenenglisch fit und erledigt seine Post per E-Mail. Mag es auch junge Leute geben, die für schlimme Taten verantwortlich sind, gibt es doch viele, die hilfsbereit sind, weiß er - und hat das gerade wieder selbst erlebt: Mitten auf der Zwickauer Oscar-Arnold-Straße, besser gesagt auf linker Spur, versagte ihm der zwölf Jahre alte Peugeot seine Dienste. Es war Mittag, Wolfgang Behrendt war bei seiner Tochter in Grünau zum Mittagstisch gewesen und wollte nach Hause fahren. Schon unterwegs bemerkte der Marienthaler, dass der Wagen nicht richtig beschleunigen wollte. Plötzlich aber ging nichts mehr. Der 89-Jährige schaltete die Warnblinkanlage ein, hinter ihm staute sich der Verkehr und floß nur langsam ab. Aus einem schwarze Lieferwagen hinter ihm stiegen zwei junge Männer aus, baten ihn, bei diesem Regen in ihrem Auto Platz zu nehmen. Sie schoben sein Auto auf einen Parkplatz an der Tankstelle. Ihre Diagnose: Die Kupplung ist hin. "Einen Geldschein als Dank lehnten sie kategorisch ab", sagt Behrendt. Damit des Glücks nicht genug für ihn an diesem Tag. "Auf der Gegenfahrbahn erkannte eine junge Frau meine Notlage." Die für Behrendt völlig Fremde signalisierte, helfen zu wollen. Sie wendete ihren Wagen, in dem auch ihr Mann und ihre kleine Tochter saßen. Die Frau, die wie der Rentner heute weiß, Weißenbornerin ist, lud ihn ein und fuhr ihn nach Hause. Auch sie lehnte jede Dankesgabe ab, sagte Behrendt gerührt. "Es war so, als ob ein Schutzengel eine Hand über mich gehalten hatte."

Der Peugeot ist mittlerweile repariert, seine Werkstatt in Wolfersgrün ließ ihn abholen. Behrendt vertraut ihm noch immer. "Das wird mein letztes Auto", sagte er. (upa)

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