Seltener Vogel bei Langenweißbach gesichtet

Ein Grünauer Naturfreund hatte unlängst ein besonderes Zusammentreffen. Während eines Spazierganges sichtete er einen Wiedehopf. Der hat wahrscheinlich auf dem Durchzug eine Rast eingelegt.

Grünau.

Frank Seifert aus dem Langenweißbacher Ortsteil Grünau war überrascht, in der hiesigen Region einen Wiedehopf beobachten zu können. Der 49-jährige Naturfreund nutzte das schöne Wetter über Ostern zu einem Spaziergang im Wildenfelser Zwischengebirge. Wie so oft, wenn er durch die reizvolle Landschaft direkt vor seiner Haustür streift, hatte er auch an diesem Tag seine Kamera dabei. Ungefähr in einer Entfernung von 20 Metern saß der Wiedehopf plötzlich am Wegesrand und war durch seine markante Gefiederfärbung nicht zu übersehen.

"Es war das erste Mal, dass ich ein Exemplar dieses seltenen Vogels in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen habe", sagt Seifert. Geistes- gegenwärtig drückte Frank Seifert auf den Auslöser seiner Kamera und machte einige Schnappschüsse. Versuche seinerseits, näher an den Wiedehopf heranzukommen, scheiterten. Der Vogel ging immer wieder auf sichere Distanz, zeigte aber ansonsten keine Scheu. "Ich habe den Wiedehopf an den Folgetagen noch zweimal gesehen, mittlerweile aber nicht mehr", berichtete Seifert.

Jens Hering, Mitarbeiter in der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes, sagte auf Anfrage, dass der Wiedehopf in der Roten Liste Sachsens als "stark gefährdet" eingestuft ist. "Bei dem gesichteten Exemplar handelt es sich sicherlich um einen hier bei uns im Landkreis sehr seltenen Frühjahrsdurchzügler. Der Frühjahrsdurchzug findet in unserer Region in der Regel im April statt. Derartige Beobachtungen erreichen die untere Naturschutzbehörde fast jedes Jahr, wobei stets nur Einzelvögel gemeldet werden. Brutnachweise sind bisher jedoch nicht bekannt", so der Experte. Insgesamt sei der Wiedehopf auch in Sachsen ausgesprochen selten anzutreffen. Im Freistaat liegen die Brutvorkommen fast nur im Heideland östlich der Elbe und dort insbesondere auf dem Terrain ehemaliger Truppenübungsplätze und in Bergbaufolgelandschaften. Die Zahl der Brutpaare in Sachsen wird auf 70 bis 100 geschätzt.

Als Brutvogel kommt der Wiedehopf in Mitteleuropa hauptsächlich in offenen Landschaften mit niedriger Pflanzendecke und trocken-warmem Klima vor. Das sind beispielsweise auch Kiefernheiden, Streuobstwiesen, Parks und Weinberge. Geeignete Nistmöglichkeiten findet der Vogel unter anderem in Baumhöhlen, Steinhaufen, Mauerlöchern oder Materialstapeln. Sein Überwinterungsgebiet liegt im tropischen Afrika südlich der Sahara und in Indien.

Allerdings ist der Wiedehopf weder dort, noch auf seinem alljährlichen Zug sicher. Jens Hering: "Bei den Beeinträchtigungen, die während des Zuges und im Winterquartier auftreten, handelt es sich meist um Jagdaktivitäten in Südeuropa und Afrika. Aber auch die Entwertung von Lebensräumen in den europäischen Brutgebieten führt zum Rückgang der Art."


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