Sibirien in Westsachsen

Pflanzen, die Liebhaber normalerweise nur in den Mittelgebirgen vorfinden, standen am Samstag in Zwickau im Mittelpunkt.

Zwickau.

Steingärtner sind offenbar Frühaufsteher. Zur 37. Gebirgspflanzenbörse am vergangenen Samstag auf dem Gelände des August-Horch-Museums in Zwickau standen die Kunden schon bei der Eröffnung um 9 Uhr Schlange. Das liegt nicht nur daran, dass die Börse nur einmal im Jahr stattfindet, sondern dass neben verschiedenen Enziansorten, Zwerggehölzen und Freilandorchideen wieder zahlreiche Raritäten angeboten wurden, für die sich die Liebhaber sonst in die europäischen Mittelgebirge bemühen müssten.

Insgesamt, so schätzte der Vorsitzende des Steingartenvereins Zwickau, Ralf Rockstroh, waren weit mehr als 8000 Pflanzen im Angebot. Die Zwickauer Pflanzenbörse ist eine von drei Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. "Wir sind die einzige Börse, die eigenständig, sprich von unserem Verein und seinen 32 Mitgliedern, organisiert wird", sagte Rockstroh. "Bei uns ist das ein reines Hobby". Dennoch hat die Pflanzenbörse einen internationalen Charakter. Nicht nur, weil auch Hobby-Steingärtner aus Tschechien ihre Pflanzen anbieten, sondern weil ein Teil der Pflanzen normalerweise in China, Colorado oder in Sibirien beheimatet ist. Alle Pflanzen stammen aus eigener Aufzucht. Entweder werden sie aus Samen selbst gezogen oder als Stecklinge vermehrt. "Es geht mir dabei nicht hauptsächlich um das Verkaufen", sagte Rockstroh. Er fragt die Besucher unter anderem zunächst nach dem geplanten Standort der Pflanze, um ihnen dann genau zu erklären, welche Voraussetzungen für ein langes und gesundes Pflanzenleben erforderlich sind. "Hier werden jedes Jahr wieder Erfahrungen ausgetauscht", sagte Rockstroh. Daher erfährt er in der Regel auch, wie es seinen Pflanzen im vergangenen Jahr ergangen ist. Für ihn besonders erfreulich: "Inzwischen kommen nicht nur die reinen Steingärtner", sagte er. Immer häufiger entdecken Hausbesitzer auch kleinere Flächen in ihren Vorgärten als Heimat für Pflanzen, die sonst in höheren Lagen des Gebirges wachsen. Daher ist der Kundenkreis im Laufe der Jahre immer größer geworden. "Sie kommen aus Bayern, Thüringen, aber auch aus Tschechien und sogar aus Österreich", sagte Rockstroh.

Zu den treuesten Besuchern der Pflanzenbörse gehören Elfriede und Hans Stubert, die jedes Jahr aus Coburg nach Zwickau kommen. "Kurz nach der Wende waren wir das erste Mal hier", sagte Elfriede Stubert. "Und jedes Jahr entdecken wir etwas Neues für unseren Steingarten", fügte ihr 86-jähriger Ehemann hinzu. Vor allem haben sie die Qualität der Pflanzen und die fachkundige Beratung überzeugt. Inzwischen jedoch treffen die Stuberts einmal im Jahr gute Freunde. Früher sind sie abends wieder nach Hause zurückgefahren. "Heute machen wir immer noch eine Woche Urlaub und erkunden die Region", sagte Hans Stubert. Verabschiedet wird sich daher auch 2018 wie in jedem Jahr: "Bis nächstes Jahr am gleichen Platz".

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