Sicherheitskonzept für Stadtfest wackelt - Absage steht im Raum

Eigentlich sollte ein neues Barrierensystem zum Schutz von Zwickauer Großveranstaltungen angeschafft werden. Weil der Stadtrat aber wegen Corona nicht tagt, wird die Zeit knapp.

Zwickau.

Die Stadt Zwickau rüstet im Kampf gegen mögliche Attentate auf und will die Zufahrten zu Großveranstaltungen künftig nicht mehr mit losen Betonelementen und Blumenkübeln schützen, sondern mit einem international anerkannten Sperrsystem. "Die Beobachtungen, die wir in anderen Städten gemacht haben, zwingen uns dazu", sagte der Leiter des Ordnungsamtes Rainer Kallweit. "Bisher haben wir improvisiert."

Improvisierte Barrieren jedoch nützen nur potenziellen Tätern und gefährden die Festbesucher, so die Einschätzung der Fachleute. Die Arbeitsgruppe "Sicherheit bei Großveranstaltungen", der Vertreter der Stadtverwaltung, der Polizei und des Rettungszweckverbandes angehören, hat daher entschieden, ab sofort auf jegliche Art von Provisorien zu verzichten und professionellen Schutz einzusetzen. Den soll jetzt für mindestens 600.000 Euro eine Schweizer Firma liefern.

Abgerückt ist man im Ordnungsamt von der ursprünglich geplanten fest eingebauten Anlage. "Wir werden ein mobiles System verwenden, dass wir leicht aufstellen können und sonst im Bauhof lagern", sagte Kallweit. Aufgebaut sieht dieses aus wie eine überdimensionierte Kabelabdeckung, die Personen barrierefrei überwinden können. Fahrzeuge, die ein gewisses Gewicht übersteigen, werden durch hochschnellende Sperren am Weiterfahren gehindert. "Das ist vielfach erprobt", sagte Kallweit. Auch fest installierte Poller auf den Gehwegen wird es nicht geben. "Auch hier werden mobile Sperren eingesetzt", sagte Kallweit.

Ihre Premiere sollte die Zugangssperre zum Stadtfest im August erleben. Doch selbst wenn die Coronakrise die Citysause nicht direkt verhindert, könnte sie dennoch Probleme bereiten. Ende März sollte der Stadtrat über den Kauf entscheiden. Wegen des Virus findet die nächste planmäßige Sitzung aber erst am 28. Mai statt. "Es wird sehr knapp", sagte Rainer Kallweit.

Acht Wochen gibt die Firma als Lieferzeit an. "Erst muss der schriftliche Auftrag in der Schweiz vorliegen", sagte Rainer Kallweit. Jede Verzögerung könnte dann zum Problem für das Stadtfest werden. Kommen die neuen Sperren nicht pünktlich, könnte sich die Stadt entweder über die Entscheidung der Arbeitsgruppe hinwegsetzen und wieder Blumenkübel einsetzen oder das Fest ganz absagen. Hinter verschlossenen Türen soll letzteres bereits diskutiert worden sein.

Offenbar will die Stadt jetzt konsequenter vorgehen als zum letzten Weihnachtsmarkt. Damals konnten Autos ungehindert zum Hauptmarkt fahren. Die Arbeitsgemeinschaft hatte den Einsatz von provisorisch als Sperren eingesetzten Pflanzkübeln im November 2019 verboten, weil sie keinen Schutz, sondern vielmehr eine Gefahr für Besucher darstellen würden. Stattgefunden hat der Weihnachtsmarkt aber trotzdem. Dass der Durchgangsverkehr zu Unfällen geführt hätte, ist nicht bekannt.


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