Silbersegen aus Schneeberg

Neun Jahrhunderte, erzählt in einem Jahr - Teil 3: Wie der Bergbau die Stadt bedeutend machte

Zwickau.

Es ist das Jahr 1446, als ein Schreiber auf einer Urkunde des Kurfürsten Friedrich II. (1412-1464) ein Bergwerk "uff dem Sneberge umb Zcwickau" erwähnt. Zunächst suchten die Bergleute nach Eisen, Kupfer und ähnlichem, aber sie hofften auch auf begehrte Silberfunde - zurecht, wie sich zeigen sollte.

Der Ratsherr und Unternehmer Martin Römer (um 1432-1483), der ab 1453 zusammen mit dem Zwickauer Hans Federangel nach Silber graben ließ, war der eifrigste und erfolgreichste Fundgrübner. Im Jahre 1460 erhielt Römer auf sechs Jahre und danach für weitere acht von Friedrich II., genannt der Sanftmütige, und nach dessen Tod von den gemeinsam regierenden Ernst (1441-1486) und Albert (1443-1500) für sein Schneeberger Bergwerk "Alte Fundgrube" Münzbefreiung. Das bedeutete, dass er nach der Abgabe des Zehnten an den Kurfürsten das restliche Silber frei verkaufen konnte. Ein großes Privileg!


Am 6. Februar 1471 stieß ein Bergmann in der "Rechten Fundgrube" auf einen reichen Silbererzgang. Der Ertrag an Silber steigerte sich von 118 Erfurter Gewichtsmark (mit einem charakteristischen Gewicht von 235,4 g) im Jahre 1470 über 12.740 (1471) auf 32.995 Gewichtsmark (1474). Von 1470 bis 1474 wurde Silbererz im Wert von insgesamt 79.646 Gewichtsmark gewonnen. Zu Römers Glück kam es im Herbst 1474 in seiner "Alten Fundgrube" zu einem weiteren spektakulären Silberfund, der gleich im ersten Jahr 807 Gewichtsmark einbrachte. Die höchste Ausbeute wurde im Jahre 1477 mit 60.924 Gewichtsmark erzielt.

Römer wurde am 19. Juli 1474 Amtshauptmann von Zwickau. Ihm war in einem zweiten Amt als Berghauptmann bis 1477 auch der Schneeberger Silbererzbergbau unterstellt - aus heutiger Sicht ein Interessenkonflikt, da er die Bergwerke kontrollieren musste. Er war jetzt einer der reichsten Bürger Sachsens. Herzog Albrecht wusste diese Tatsache zu nutzen, indem er Martin Römer zu seiner Pilgerfahrt nach Rom und Palästina einlud. Am 5. März 1476 begaben sich 119 Personen, darunter sechs Zwickauer, unter anderem Amtshauptmann Römer und Landrentmeister Hans von Mergenthal, auf die Reise. Am 1. August wurden in Jerusalem 70 von ihnen zu Rittern geschlagen - auch Römer und Mergenthal. Zehn Tage später begann die Rückreise, die am 1. Dezember in Dresden endete.

Martin Römer setzte sein Vermögen auch zum Nutzen der Stadt Zwickau ein. Zusammen mit dem Fundgrübner Federangel und dem Rat der Stadt ließ er 1473 den Großen Teich (Schwanenteich) anlegen. Der Lehm des Aushubs wurde für den Bau fester Häuser, der Teich zu Verteidigungszwecken und zum Halten von Fischen genutzt. Im Jahre 1475 spendete Römer 72.000 Gulden für den Bau der Marienkirche. Durch seine Vermittlung und Bezahlung kam für 1400 Rheinische Gulden im Jahre 1479 auch ein neuer Altar aus der Werkstatt des Nürnberger Meisters Michael Wolgemut (1434-1519) in die Marienkirche. Der Maria gewidmete Flügelaltar lässt sich zweimal wandeln und zeigt zur Geburtsgeschichte und zur Passion Christi je vier Tafelbilder. Ebenfalls 1479 kaufte Römer von einem Salzburger für 1000 Silbermark und Kuxanteile (einer Art Aktien) im Wert von etwa 1000 Goldgulden einen in Gold gefassten und mit Saphiren besetzten Splitter, der vom Kreuz Christi stammen sollte. Die Reliquie wurde im stabilen Wandschrein in der Marienkirche aufbewahrt, der extra dafür eingerichtet wurde. Das nützte allerdings wenig, als sich Wallenstein den Splitter im Jahre 1632 als Kriegsbeute aushändigen ließ.

Sein Wohnhaus ließ sich Römer 1479 am Marktplatz (Nr. 8) erbauen. Im gleichen Jahr erhielt die Lateinschule am Marienkirchhof ein neues Schulgebäude (heute Standort der Galerie am Domhof). Im Jahre 1480 ließ er dann die beiden Magazine (Zeug- und Kornhaus) erbauen, die der Vorratshaltung dienen sollten. Er stiftete für die Marienkirche das Reiche Almosen von 10.000 Rheinischen Gulden für das Seelgerät (fromme Tat für einen im Himmel angelegten Schatz) und die Versorgung von hausarmen Bürgern (zwei Schillinge pro Person und Woche). Hans Federangel fügte der Stiftung noch 1200, Hans von Mergenthal weitere 1000 Gulden hinzu. Letzterer war kurfürstlicher Landrentmeister, bis 1478 Besitzer des Ritterguts Marienthal und stiftete die Jakobskapelle für das Rathaus. Der Bau des heutigen Hochzeitshauses geht wohl auf Martins Bruder Nicol (um 1435-1493) zurück.

Martin Römer war einer der reichsten Männer Sachsens und besaß Handelsniederlassungen in Venedig, Augsburg, Nürnberg, Frankfurt am Main und Köln. Der Silbersegen und der Erwerb von Kuxen durch Patrizier (besonders durch die Familien Römer, Federangel, Gaulenhöfer, Tretwein und Mergenthal) führten dazu, dass Zwickau im ausgehenden 15. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Städte im sächsischen Kurfürstentum avancierte. Martin Römer starb am 5. April 1483 an der Pest. Sein Leichnam wurde in einem Erbbegräbnis in der Marienkirche beigesetzt.

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