Simson mit über 100 km/h: Polizei kämpft gegen Moped-Tuning

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Streifenpolizisten im Landkreis Zwickau und im Vogtland müssen immer wieder frisierte DDR-Mopeds wie die Simson S 50 aus dem Verkehr ziehen. Sogar ein getuntes Fahrrad wurde eingezogen.

Zwickau/Plauen.

Sie sind laut und schnell und sportlich. Noch immer knattern einige hunderttausend Simsons aus alter VEB-Produktion auf den deutschen Straßen herum. Keine Erzeugnisse, die in der sozialistischen Planwirtschaft hergestellt wurden, haben derart lange überlebt wie S 50 oder S 51. Der Chef des Polizeireviers Auerbach, Jens Oppel, glaubt: "Unter allen Mopeds, die sich derzeit im Verkehr befinden, machen sie in den neuen Bundesländern den größten Anteil aus."

Vielleicht ist das der letzte große Sieg der DDR - aber einer mit gewissen Risiken. Die Polizei muss im Landkreis Zwickau und im Vogtlandkreis immer mehr Simsons aus den Verkehr ziehen. Nicht, weil der Zahn der Zeit an ihnen nagt und sie deshalb zu langsam sind. Das Gegenteil ist der Fall. Die meist jugendlichen Fahrer frisieren ihr S 50 oder S 51 - und sind deshalb oft viel schneller als die Polizei erlaubt.

Erster Polizeihauptkommissar Oppel, in seiner Jugend selbst Besitzer eines gebrauchten S 50, hat im Gespräch mit der "Freien Presse" eine Statistik für das ganze Gebiet der Polizeidirektion Zwickau präsentiert: Demnach mussten die Streifenpolizisten im Jahre 2019 hier 46 Mopedfahrer stoppen, die ihr Fahrzeug frisiert hatten, daher zu schnell waren und den erforderlichen Führerschein nicht besaßen. Im vergangenen Jahr waren es sogar 76. Die Fälle verteilen sich in etwa gleichmäßig auf die beiden Landkreise. In einem Fall war ein S 51 mit 108 Stundenkilometern unterwegs. Das gilt in der Region als Rekord. "In diesem Jahr haben wir zwar erst zehn Mopeds registriert, an dem die Fahrer die Leistung unerlaubt nach oben geschraubt haben. Aber die Saison fängt ja auch erst richtig an", sagt Jens Oppel.

Im Schnitt haben die frisierten Maschinen um die 80 Stundenkilometer drauf. Dabei darf ein zugelassenes DDR-Moped regulär nur 60 Stundenkilometer fahren, immerhin zehn mehr als ein Moped, das nach 1990 hergestellt worden ist. Das ist auch ein Grund für die überaus hohe Beliebtheit der Simsons und ein Resultat des Einigungsvertrages. Doch vielen reicht das nicht. Sie präparieren Zylinder und Vergaser, erhöhen damit die Leistung und werdenschneller. "Ohne dass eine Betriebserlaubnis vorliegt. Auch einen entsprechenden Führerschein gibt es in der Regel nicht. Und versichert sind die frisierten Mopeds, die dann unter die Rubrik Leichtkraftrad fallen, auch nicht", sagt Andreas Schwarz, Leiter einer Ermittlungsgruppe bei der Autobahnpolizei Reichenbach. Weil die Autobahnpolizisten auch Straßen in unmittelbarer Nähe zur A 72 und A 4 im Visier haben, geht ihnen auch immer wieder ein zu schnelles Moped ins Netz.

Nicht nur die alte Simson wird getunt

Derzeit steht bei der Polizei in Reichenbach auch ein recht interessantes Fahrrad. Das haben die Beamten eingezogen. "Die Kollegen waren schon recht erstaunt, als sie das Fahrrad auf der Straße gesehen haben", so Schwarz. Auf der Stange war ein Tank montiert, darunter ein richtiger Verbrennungsmotor. Ein Test ergab: Das Tourenrad war so präpariert, dass es locker auf eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern kam. Die Staatsanwaltschaft will das Rad noch eine Weile als Beweismittel einbehalten.

"Spaß am Basteln an alten Mopeds, das ist okay. Das hat etwas Faszinierendes", sagt Dominic Würfel aus Zwickau. Er hat 2002 als 16-Jähriger das große Simson-Treffen mit ins Leben gerufen. "Aber wenn es in den strafbaren Bereich geht, dann ist das nicht mehr in Ordnung."

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.