So entstand die Königin-Marienhütte

Mit einer Ausstellung wirdan die Gründung vor 180 Jahren erinnert. Hier hatten einst bis zu 2500Beschäftigte Arbeit.

Zwickau.

Im Jahre 1837 beschäftigten sich der Kammerherr Heinrich von Arnim auf Planitz, der Zwickauer Stadtrat Friedrich Wilhelm Hering und sein Bruder, der Mühlenbesitzer und Ingenieur David Hering, mit dem Plan, in Wilkau ein industriell betriebenes Eisenhüttenwerk zu gründen. Steinkohle, das Brennmaterial für die Dampfmaschinen und der Rohstoff für die Koksherstellung, war ausreichend verfügbar. Der Bau der Eisenbahnstrecke Leipzig-Hof mit Abzweig nach Zwickau (1845) als zweite Strecke nach der von Dresden-Leipzig (1839) stellte die Lösung des Transportproblems in Aussicht. Die Industrielle Revolution mit der Dampfmaschine als Symbol brachte auf allen Gebieten immer neue Erfindungen hervor, deren Anwendung auch neue Arbeitsplätze schuf.

Die Befahrung der Neugeboren Kindlein Fundgrube und des Segen Gottes Stolln in Stenn, die am 30. Januar 1838 in Anwesenheit dieser drei Herren und des Bergmeisters Baron Constantin von Beust stattfand, ergab, dass in diesen Gruben eine für das Projekt genügend große Roteisenerzlagerstätte vorhanden sein müsste. Am 16. März 1839 beantragten Georg Heinrich Wolf von Arnim sowie die Brüder Wilhelm und David Hering die Konzession zur Gründung der Aktiengesellschaft Sächsische Eisen-Compagnie.


Bis zur Leipziger Frühjahrsmesse im März 1839 verging eine Zeit des Bangens und der Befürchtungen, ob genügend Aktien verkauft würden. Doch zur Überraschung des Kammerherrn von Arnim fand er bei seinem Besuch in Leipzig immerhin 510 gezeichnete Aktien vor. Am 2.August 1839 erhielt das Comité der künftigen Sächsischen Eisen-Compagnie per Dekret vom Finanz- und Innenministerium aus Dresden die "Conzession zur Anlegung und zum Betriebe eines, lediglich auf Anwendung von Steinkohlen und Koks einzurichtenden Eisenwerkes zu Wilkau bei Zwickau."

Doch inzwischen zweifelten die Bauherren an der Entscheidung, das Werk in Wilkau zu bauen. Am 9. August 1839 beantragten sie deshalb die Verlegung des geplanten Eisenwerkes von Wilkau nach Niederkainsdorf oberhalb der Cainsdorfer Mühle. Das begründete der Oberingenieur Jakob Sulzberger aus Zürich unter anderem mit der kürzeren Entfernung zu den Von Arnimschen Steinkohlenwerken. Außerdem sei die Wasserkraft des Mühlgrabens in Cainsdorf größer als die in Wilkau, ein Neubau von Straßen und Brücken war nicht notwendig. Nicht zuletzt: Der Kammerherr Heinrich von Arnim zu Planitz war der einzige Grundbesitzer - statt sechs. Außerdem konnte die zum Planitzer Lehnskomplex gehörende Cainsdorfer Mühle mit Gastgerechtigkeit und angeschlossener Brettmühle als Hüttengasthof genutzt werden.

Am 13. Oktober 1839 wurden in einer Versammlung in Freiberg über die Mitglieder des Direktoriums abgestimmt. Die Herren trafen sich am 17. Oktober abermals, diesmal in Leipzig, um sich zu konstituieren. Dort wurden Georg Heinrich Wolf von Arnim aus Planitz als 1. Direktionsvorsitzender, Stadtrat Friedrich Wilhelm Hering aus Zwickau als sein Stellvertreter und Alexander Anger aus Eythra bei Zwenkau zum Vorsitzenden des Actien-, Finanz- und Kassenwesens gewählt. Das Handelshaus Schömberg, Weber & Co. aus Leipzig gehörte als Mitglied ohne Aufgabe dem Vorstand an. Am 27. Dezember 1839 veröffentlichte das Direktorium der Sächsischen Eisen-Compagnie in der Zeitung, es sei "von Seiten der Hohen Staatsregierung die Concession zur Errichtung eines mit Steinkohlen und Kokes zu betreibenden Eisenhüttenwerkes in der Gegend von Zwickau in dem durch den Prospect vom 1. October 1838 bezeichneten Umfange gnädigst ertheilt worden."

Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelte sich die Königin-Marienhütte mit bis zu 2500 Beschäftigten zum größten Eisenhüttenwerk Sachsens. Der erste Dampfhammer der Welt, die Brücke "Blaues Wunder" in Dresden-Loschwitz und die Erfindung des Überflurhydranten sind bleibende Erinnerungen, die mit dem Namen Königin-Marienhütte verbunden sind. (nope)

Die ERöffnung der Ausstellung zur Königin-Marienhütte findet am Sonntag um 9.30Uhr im Landgasthof "Goldene Sonne", Bahnhofchaussee 4 im Zwickauer Ortsteil Cainsdorf, statt. Gegen 10.30 Uhr gibt es einen Vortrag von Norbert Peschke zur Geschichte der Hütte und des Ortes. Anschließend stellt er sein Buch "Geschichte der Königin-Marienhütte und anderer Eisenwerke Zwickaus" vor. Ab 13 Uhr ist in der "Goldenen Sonne" Treffpunkt für Führungen durch das ehemalige Hüttengelände.

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