Soll die Stadt dem FSV Geld überweisen?

Die AfD will noch einmal darüber diskutieren, ob nicht doch zusätzliche Mittel in den Zwickauer Profifußball gesteckt werden sollen. Es geht um 200.000 Euro pro Jahr.

Zwickau.

Im Zwickauer Stadtrat wird wieder einmal über Geld für den Drittligisten FSV Zwickau gesprochen. Die Fraktion AfD/Freie Wähler hat für die Sitzung kommende Woche einen Antrag eingereicht, wonach die Stadt jährlich 200.000 Euro direkt an den Verein bezahlen soll. Die Höhe des Zuschusses entspricht der Summe, die der FSV im November als Nachlass bei der Stadionmiete ins Gespräch gebracht hatte. Damals äußerte sich der Stadtrat zurückhaltend. Jetzt könnte es neue Gespräche geben, wenngleich Widerstand gegen den AfD-Vorstoß vorprogrammiert ist.

Die AfD hält einen Zuschuss in der genannten Höhe an den Verein für notwendig. "Wer die Bilanzen angeschaut hat, weiß, dass dem FSV die Mittel für die Stadionmiete einfach fehlen, sie wurden gestundet. Unser Vorschlag sieht vor, nicht für immer, aber für drei, vier Jahre Geld dazuzugeben, bis der Verein seine Profifußballabteilung ausgegliedert hat", sagt Fraktionschef Sven Itzek. Das solle dem FSV Planungssicherheit geben.

Christoph Ulrich

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Itzek schlägt vor, das Geld aus den Mitteln für die Stadtratsarbeit zu nehmen. Der Stadtrat habe sich selbst 539.000 Euro jährlich genehmigt, ein Großteil davon fließt an die Fraktionen, um Mitarbeiter zu bezahlen. Gegen die jüngste Anhebung dieser Summe war die AfD schon 2017 vorgegangen, aber am Widerstand der anderen Fraktionen gescheitert. "Wir würden es fair finden, wenn die anderen jetzt mitziehen", sagt Itzek. Zudem sieht sein Antrag vor, weitere 200.000 Euro für den Breitensport in Zwickau auszugeben. Dafür aber macht die AfD keinen Finanzierungsvorschlag.

Das muss sie auch nicht, denn realistische Chancen werden dem Vorstoß nicht eingeräumt. Steuerzahlerverbände kritisieren die offene Finanzierung des Profifußballs über Steuermittel als illegal. Deswegen weichen Städte, die ihren Fußballklubs unter die Arme greifen wollen, auf indirekte Finanzierungsquellen zurück. Ein solches verdecktes Modell wird offenbar - jenseits des AfD-Vorschlags - auch in Zwickau diskutiert. Laut diesem Plan, der auf den Rathaus-Fluren kursiert, soll die Kultour Z. für 200.000 Euro Werbeflächen mieten, die sie dann selbst nutzen oder weitervermieten könnte. Das nötige Kleingeld solle sich die Kultour Z. einfach von ihrem Eigentümer holen, der Stadt Zwickau. "Eine direkte Finanzierung des Vereins halten wir für ehrlicher als so eine Form der Querfinanzierung", sagt Itzek dazu.

Als hochgradig problematisch, wenn nicht sogar illegal, bezeichnet SPD-Fraktionschef Jens Heinzig beide Finanzierungsvorschläge. Heinzig ist Aufsichtsratsvorsitzender des städtischen Kulturbetriebs, seinen Informationen nach sei eine solche Mietvereinbarung mit dem FSV zurzeit kein Thema. "Aus meiner Sicht wäre das auch überhaupt nicht rechtens. Da müsste jede Kommunalaufsicht sofort einschreiten." Der Vorschlag, die Kultour Z. einzubinden, sei vom FSV selbst gekommen. Den AfD-Vorschlag bezeichnet Heinzig als populistisch. Auch andere Stadträte winken ab. "Reiner Populismus. Dafür werden sich keine Mehrheiten finden", sagt Friedrich Hähner-Springmühl (CDU).

Der FSV Zwickau hatte seinen Spieleretat von 2 auf 2,6 Millionen Euro erhöht und danach einen Fehlbetrag von 550.000 Euro bekannt gegeben - der DFB setzte ihn sogar noch höher an. Um ihn zu decken, schlug der Verein unter anderem die Verringerung der Stadionmiete von 400.000 auf 200.000Euro vor. Darüber wurde im Stadtrat nie entschieden. Der Verein hat die Lücke für dieses Jahr durch neue Sponsoren, das Spiel heute gegen Mönchengladbach sowie einen Kredit geschlossen.


Kommentar: Worum es geht

Es gibt bei diesem Thema viele Wahrheiten. Eine davon ist: Es dürfte schwer werden, eine rechtliche Grundlage zu finden, um Steuergeld in den Profifußball zu pumpen. Eine andere lautet: Natürlich fließt überall Steuergeld in den Profifußball. Immer dann, wenn Städte Stadien bauen oder städtische Firmen als Sponsoren auftreten. Man hat sich daran gewöhnt. Gut finden muss man das aber noch lange nicht. Eine weitere Wahrheit lautet: Die AfD/Freie-Wähler-Fraktion weiß genau, dass sie mit ihrem Vorschlag auf Granit beißt, aber darum geht es gar nicht. Wenn sie wirklich eine Finanzspritze für den FSV durchsetzen möchte, dann hätte sie im Vorfeld das Gespräch mit den anderen Fraktionen gesucht. Das ist aber nicht passiert, weil es der AfD offenbar wichtiger ist, sich vor der Stadtratswahl einerseits bei den Fußballfans anzubiedern und andererseits die Ausgaben anzuprangern, die sich der Stadtrat selbst genehmigt hat. Dass diese Finanzierung nicht gerade kleinlich ausfällt, auch das ist eine Wahrheit. Nur würde man der AfD ihre Kritik eher abnehmen, wenn sie es besser als die anderen Fraktionen machen würde. Tut sie aber nicht. Seit 2014 gab es noch keine einzige Fraktionssitzung, bei der die AfD nicht die Zeit für die maximale Aufwandsentschädigung abgerechnet hätte, 70 Euro pro Mann plus Zulagen für Fraktionschef und Stellvertreter. Noch eine Wahrheit.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Schwanenteichanwohner
    21.03.2019

    dieser Populismus hat sicher gar nichts mit der bevorstehenden Stadtratswahl zu tun ...
    Einst wollte die AfD gemeinsam mit CDU und BFZ den Stadionbau stoppen und nun wollen sie an den Profiverein Geld verschenken. Im FP-Archiv kann man das übrigens alles nachlesen; auch die Empörung des FSV (2014), zu bezweifeln, dass der Verein die Miete bezahlen kann ...



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