Sonderstatus für Wackel-Brücke

Wie lange hält die Cainsdorfer Brücke noch durch? - fragt sich ein Familienvater. Laut Tiefbauamt ist sie nicht das einzige Sorgenkind.

Maximal 10 km/h und 3,5 Tonnen Fahrzeuggewicht sind auf der Cainsdorfer Brücke erlaubt.

Von Uta Pasler

Zehn Kilometer pro Stunde darf man auf der Cainsdorfer Muldebrücke maximal fahren, für Laster ist sie ganz tabu. Nur hält sich kaum jemand an diese Vorgaben, ärgert sich Bernd Dietz aus Wilkau-Haßlau, der wöchentlich zweimal über die Brücke muss, seine Tochter sogar zweimal täglich. Er fürchtet, dass Zwickau ein ähnliches Schicksal wie Genua erleben könnte. Kann es nicht, heißt es jetzt aus dem Tiefbauamt: "Die Brücken in der Stadt Zwickau sind nicht mit einem derart komplexen Tragwerk sowie den Tragwerksdimensionen und Belastungen der eingestürzten Brücke in Genua vergleichbar."

Wer über die Cainsdorfer Brücke fährt, braucht durchaus Mut. Sie schwingt deutlich mehr als die Glück-Auf-Brücke, bei der das als gewollt gilt. Unangenehm wird es, wenn man wegen der geschlossenen Eisenbahnschranke länger auf der Brücke stehen muss und ein anderes Fahrzeug heranrollt. "Da bekommt man Angst", sagt Dietz.

Die Cainsdorfer Brücke befindet sich nach Aussagen des Tiefbau- amtes in einem besonderen Überwachungsstatus. Das bedeutet, dass das Bauwerk zusätzlich zu den alle drei Jahre stattfindenden Brückenprüfungen jährlich beleuchtet wird. Verschlechtere sich der Zustand signifikant, werde die Brücke ganz gesperrt. Im Vorjahr sei die Asphaltdecke erneuert worden, um vorübergehend eine Verbesserung zu erreichen. Sobald Baurecht vorliege und die Finanzierung stehe, soll ein Neubau europaweit ausgeschrieben werden. Ziel ist, 2020 mit dem Bau zu beginnen. Was der kostet, vermag derzeit noch niemand konkret zu sagen. Solche Aussagen lassen sich laut Rathaussprecherin Heike Reinke erst treffen, wenn nach Abschluss des Planfeststellungsverfahrens Baurecht besteht. Die Stadt rechnet aber durchaus mit circa 16 Millionen Euro.

Nach dem Brückeneinsturz im italienischen Genua, bei dem am 14. August zahlreiche Fahrzeuge in die Tiefe gerissen wurden und 43Menschen ihr Leben ließen, hat die Stadt Zwickau keine Extra-Prüfung in Cainsdorf oder auch anderenorts veranlasst. Alle größeren Brücken unterliegen bereits einem strikten Prüfzyklus, heißt es. Das öffentliche Straßen- und Wegenetz der Stadt Zwickau beinhalte 145 Brücken. 127 davon sind kleinere Bauwerke, die in der Regel Bäche überspannen. Das Tiefbauamt ist zudem für zehn Muldebrücken zuständig. Deren jeweilige Gesamtstützweiten reichen von 53 Meter (Bockwaer Fußgängerbrücke) bis zu 171 Meter (Glück-Auf-Brücke).

Etwa 30 Prozent der Bauwerke befinden sich laut Rathaus in einem guten bis sehr guten Zustand. Wenigstens die Note "Ausreichend" haben die Prüfer etwa 45 Prozent der Brücken erteilt. Jede fünfte Brücke ist allerdings als kritisch zu betrachten, fünf Prozent der Bauwerke sind sogar ungenügend.

Die Cainsdorfer Brücke ist bei Weitem nicht das einzige Sorgenkind der Stadt. Die im Zuge der Schneppendorfer Straße verlaufende, etwa 97 Meter lange Brücke über den Mühlgraben befinde sich ebenfalls in einem schlechten Zustand. Verkehrseinschränkende Maßnahmen wurden auch dort angeordnet. Mittelfristig sei zudem der Ersatz der Eisenbahnbrücke über die Reichenbacher Straße erforderlich.

Autofahrer Dietz weiß, dass nicht alles auf einmal geht. Aber allein mit den Nutzungseinschränkungen sei das Problem auch vorübergehend nicht vom Tisch. Dietz: "Schilder sind das eine, Kontrollen wären besser."

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