Sorge ums Kind - schon vor der Geburt

Das Jugendamt des Landkreises und das Heinrich-Braun-Klinikum nehmen sich eines Themas an, über das kaum gesprochen wird: Beide wollen sich mehr um Schwangere kümmern, die von ihrer Sucht nicht loskommen.

Zwickau.

Manchen werdenden Müttern sieht man es nicht an - und doch stellen sie für ihr ungeborenes Kind eine Gefahr dar: Frauen, die während der Schwangerschaft Alkohol trinken oder andere Drogen zu sich nehmen. Das Kind im Mutterleib hat keine Chance, sich dagegen zu wehren. Und sind die Kinder auf der Welt, nehmen sie in der Regel keine normale Entwicklung.

Jens Voigtländer, im Jugendamt des Landkreises in der Koordinierungsstelle "Netzwerk Kindeswohl" tätig, und Uwe Schröter, Oberarzt und Leiter der Geburtshilfe am Heinrich-Braun-Klinikum (HBK) Zwickau, krempeln die Ärmel hoch: Sie haben viel vor. Sie kennen die Gefahren für Kinder von drogenabhängigen Müttern und möchten ihnen deshalb schon vor der Geburt die beste Hilfe angedeihen lassen, um ihr späteres Leben so gut wie möglich zu machen. Dazu, das ist den beiden klar, brauchen sie vielfältige Hilfe. Die holen sie sich durch Aufklärung. Mit einer ersten Informationsveranstaltung in der kommenden Woche möchten sie Ärzte, Hebammen, aber auch Sozialarbeiter wie Streetworker ansprechen und dazu bewegen, an einem Netzwerk mitzuknüpfen, das gefährdete Mütter und deren Babys auffangen soll.

Unter dem Motto "Schwangerschaft und Sucht - Möglichkeiten der Unterstützung und Begleitung durch das HBK" sollen sich die Teilnehmer des bereits ausgebuchten Kurses dem Thema von vielen Seiten nähern. Es wird einen Vortrag zur Drogenkriminalität im Landkreis geben, zudem Informationen über die Folgen, die eine Suchterkrankung der Mutter auf das Ungeborene haben kann. Auch wird sich die Psychiatrie mit ihren Behandlungsmöglichkeiten vorstellen.

Dass die letztgenannte Abteilung des HBK mit im Boot sitzen soll, hat einen guten Grund: "Die meisten Suchtprobleme haben wir hier mit Crystal", sagt Oberarzt Schröter. Menschen, die dem Methamphetamin verfallen sind, brauchen psychologische Begleitung auf dem Weg weg von der Droge.

Wie viele Frauen während ihrer Schwangerschaft mit einem Suchtproblem zu kämpfen haben, lässt sich kaum sagen. "Wir haben mal eine Umfrage unter Gynäkologen gestartet und würden danach die Zahl der Fälle auf rund 100 Frauen pro Jahr im Landkreis schätzen", sagt Voigtländer. Doch das überzeugt Schröter nicht. "Ich fürchte, die Dunkelziffer liegt bei weit mehr als 100." Denn nicht jede benennt ihre Sucht dem Arzt gegenüber, und man merkt es auch nicht allen Frauen an.

Zwar kann es sein, dass man bereits auf den Ultraschallaufnahmen gewisse Fehlentwicklungen sieht, doch das muss nicht sein. "Das Problem ist, dass vielen Frauen die Folgen ihres Tuns nicht bewusst sind. Selbst bei einer normalen Geburt kann es passieren, dass Kinder von Drogenabhängigen später Entwicklungsstörungen aufweisen", so der Oberarzt. Dann sei es wichtig zu wissen, dass diese ihre Ursache im Drogen- oder Alkoholmissbrauch der Mutter haben, ergänzt Voigtländer.

Die Männer möchten ein Netzwerk aufbauen, damit betroffene Mütter vor und nach der Niederkunft Hilfe bekommen - von der ärztlichen Versorgung etwa durch zusätzliche Ultraschalluntersuchungen bis hin zur Betreuung der Familie auch über das Medizinische hinaus. "Ein einzelnes Angebot hilft den Kindern nicht", sagt der Fachmann aus dem Landratsamt. Der betont, dass es auf keinen Fall darum geht, die Kinder von den Müttern zu trennen. "Wir wollen, dass die Kinder gesund aufwachsen - und das bei ihren Eltern", stellt er klar. "Wir möchten, dass die Eltern ihren Erziehungsauftrag wahrnehmen und dass sie dazu aber auch in der Lage sind."

In Westsachsen ist es, wie vorn erwähnt, hauptsächlich die Droge Crystal, die den Medizinern Sorgen bereitet. Alkohol, der ebenfalls schädlich für das ungeborene Kind ist, spielt zumindest bei den jungen Menschen mit einem Suchtproblem nur eine untergeordnete Rolle. Gefährlich ist beides: Kinder, die diesen Drogen im Mutterleib ausgesetzt sind, können einer Mangelernährung ausgesetzt sein und deswegen nicht richtig wachsen, auch Herzfehler werden oft diagnostiziert. Im späteren Leben treten Entwicklungsstörungen auf.

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