Sparkasse hält an Agenturlösung fest

Der Sparkassenvorstand bleibt eisern: Trotz der 492 Unterschriften für den Erhalt der Wildenfelser Filiale soll sie durch eine Agentur ersetzt werden.

Wildenfels.

Die Übergabe der 492 Unterschriften gegen die Schließung der Sparkassenfiliale in Wildenfels ist inzwischen unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt, nachdem die Sparkasse Zwickau Ende Mai den Termin hatte platzen lassen, weil sich die "Freie Presse" mit angemeldet hatte.

Der Wildenfelser CDU-Stadtrat Frank Mempel und Marianne Neef aus dem Wildenfelser Ortsteil Härtensdorf, die die Unterschriftenaktion initiiert hatten, nutzten die Gelegenheit, um dem Vorsitzenden des Vorstandes der Sparkasse Zwickau, Felix Angermann, ihre Befürchtungen und Sorgen in Bezug auf eine Schließung mitzuteilen. Beide setzen sich dafür ein, dass die Filiale, die zentral an der Zwickauer Straße in Wildenfels liegt und gut zu erreichen ist, erhalten bleibt oder der Standort wenigstens mit reduzierten Öffnungszeiten beziehungsweise einem SB-Bereich mit Geldautomat, Kontoauszugsdrucker und einem Briefkasten für Überweisungen angeboten wird.


Wie Frank Mempel nach dem Gespräch informiert, besteht die Sparkasse nach wie vor auf einer Agenturlösung. "Viele Leute wissen aber gar nicht, was darunter zu verstehen ist", so Mempel. Auf Anfrage sagt Sparkassensprecher Ralf Kulik, dass in einer solchen Überweisungen abgegeben und Bargeldabhebungen bis 200 Euro pro Arbeitstag mit Sparkassencard und Pin erfolgen können. Kontoauszugsdrucker gibt es dort also nicht. Wo sich solch eine Agentur nach der Filialschließung befinden könnte, ist offen. "Die Eröffnung eines neuen Beratungs-Centers in Reinsdorf erfolgt frühestens Ende 2020. Daher sind aus unserer Sicht noch keine Aktivitäten zur Betreibung einer Agentur in Wildenfels notwendig", so Kulik.

Er sagt, dass sich der Giromarktanteil des Kreditinstitutes in Wildenfels wie im gesamten Geschäftsgebiet stabil um 61 Prozent bewege. Aufgrund der gesunkenen Einwohnerzahlen verringere sich aber die Kundenzahl. Man stelle fest, dass immer mehr Kunden die Filialen in der Nähe ihrer Arbeitsplätze nutzen, auch gebe es eine zunehmende Nachfrage nach digitalen Bankleistungen. Bereits mehr als 50 Prozent der Sparkassenkunden würden das Online-Banking nutzen.

Doch unter den anderen 50 Prozent befinden sich viele Senioren, die treue Sparkassenkunden sind. "Wo sollen die denn hingehen, wenn es die Filiale nicht mehr gibt?", fragt Marianne Neef. Wenn sie ihre Kontoauszüge holen wollen, müssen sie dann in einen anderen Ort fahren. Viele seien auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen.

Laut Sparkasse würden auch "geopolitische Aspekte" für die Filialschließung sprechen. Doch was sind das für Aspekte? Kulik verweist auf die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die von der EZB festgelegte negative Einlagenverzinsung nötige die Kreditinstitute, aus betriebswirtschaftlichen Erfordernissen quersubventionierte, unwirtschaftliche Dienstleistungen auf den Prüfstand zu stellen. Im neuen Konzept seien daher alle Standorte auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft worden.

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