Sperrholz verdeckte Kunstwerk

Vor dem Abriss einer alten Kindertagesstätte wurde ein gut verstecktes Gemälde aus Meißener Porzellan entdeckt.

Wilkau-Haßlau.

Die seit Jahren leerstehende Kindertagesstätte am Albert-Schweitzer-Ring in Wilkau-Haßlau ist eigentlich ein Fall für den Abrissbagger. Der wäre wohl auch angerückt, wenn das mehr als 50 Jahre alte Bauwerk nicht plötzlich ein Geheimnis verraten hätte.

Mitarbeiter des städtischen Bauhofes entdeckten hinter einer Sperrholzverkleidung ein auf Fliesen aus Meißner Porzellan gemaltes Bild. Das Kunstwerk zeigt eine Frau mit Kind, Blumen und einem Baum. Signiert ist es von dem 2017 verstorbenen Werdauer Maler Heinz Lanzendorf. "Das Bild ist vermutlich in Meißen nach seinen Entwürfen hergestellt worden", hat Bürgermeister Stefan Feustel (CDU) schon herausgefunden. In der Porzellanmanufaktur kann man mit dem Fund allerdings nichts anfangen. Unterlagen zur Entstehungsgeschichte des Bildes konnten keine gefunden werden. "Auch in unserem Archiv lassen sich keinerlei Hinweise zu dem Porzellanbild finden", sagte PR-Managerin Bianca Herbst. Auch Norbert Lanzendorf, der Sohn des Malers, hatte keine Kenntnis von dem Bild.


Das stellt die Stadtverwaltung vor ein Problem. "Das Bild muss auf jeden Fall gesichert und eingelagert werden", sagte Feustel. Es sei in einem sehr guten Zustand. Nur zwei kleine fachmännisch ausgeführte Bohrungen waren zu finden.

Doch was soll mit dem Bild geschehen? Wem gehört es überhaupt? Fragen, die laut Feustel jetzt geklärt werden müssen. Norbert Lanzendorf zeigte sich begeistert, dass das ein Kunstwerk seines Vaters wieder aufgetaucht ist. "Das ist natürlich auch für mich sehr emotional", sagte er. Er zeigte sich erleichtert, dass es nicht im Bauschutt verschwunden ist.

Wann das Kunstwerk entstand, kann niemand sagen, weder Norbert Lanzendorf noch die Porzellanmanufaktur. Die Kindertagesstätte war im Jahr 1966 gebaut worden. Es ist anzunehmen, dass es sich schon bei der Eröffnung dort befand. Ob es allerdings schon zu DDR-Zeiten hinter der Sperrholzwand verschwand oder ob der pleitegegangene Zwickauer Hilfeverein, der die Immobilie nach der Wende nutzte, handangelegt hatte, ist nicht mehr feststellbar. Norbert Lanzendorf bot der Stadt seine Hilfe, wenn es um die Sicherung des Kunstwerkes geht. "Ich stehe mit Rat und Tat zur Seite", sagte er. Er würde sich freuen, wenn das Werk an einem anderen Ort in der Stadt wieder zu Ehren kommen würde. Darüber wird im Rathaus nachgedacht. Nur hat man noch keinen geeigneten Ort gefunden.

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