Staatsanwalt prüft Bekennerschreiben

Nach dem Feuer auf der Baustelle für die neue Zwickauer Haftanstalt ist im Netz ein mysteriöser Brief aufgetaucht.

Zwickau.

Echte Täter oder Trittbrettfahrer? Das ist die Frage bei einem jetzt im Internet veröffentlichen Text, in dem es um die Verantwortung für den Brand auf der Zwickauer Gefängnis-Baustelle geht. Dort war bei dem Feuer Sonntagnacht ein Schaden von 150.000 Euro entstanden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Der angebliche Bekennerbrief wurde in der Nacht zum Mittwoch um 1.51 Uhr auf der Webseite indymedia.org veröffentlich. Das Portal wird von der linksradikalen Szene benutzt, die Verfasser der Beiträge bleiben anonym. In dem besagten Schreiben bekennt sich eine autonome Gruppierung dazu, das Feuer gelegt zu haben. Man kämpfe gegen "jede Autorität und Unterdrückung" und sehe "diesen Angriff als einen Beitrag für die kommende internationale Solidaritätswoche für anarchistische Gefangene." Die Aktion richte sich zudem gegen einen beteiligten Bauunternehmer, der wegen seiner Nähe zu rechten Kreisen schon in überregionale Schlagzeilen geraten war. Das Schreiben wird derzeit auf seine Glaubwürdigkeit geprüft, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Ines Leonhardt.


Auf indymedia.org sind in der Vergangenheit mehrfach angebliche Bekennerschreiben veröffentlich worden, die sich nachträglich als Fälschungen entpuppt haben. Der unbekannte Verfasser des aktuellen Bekennerbriefs gibt sich den Namen "Autonomes Kommando Thomas Meyer-Falk" und spielt damit auf einen Anarchisten an, der sich seiner eigenen Webseite zufolge zurzeit nach einer Haftstrafe in Sicherungsverwahrung in Baden-Württemberg befindet. Er wurde wegen eines Bankraubs mit Geiselnahme verurteilt, bei dem er Geld für politische Projekte beschaffen habe wollen. Ein Bezug zu Zwickau ist nicht bekannt. Auch drei Personen oder Gruppen, denen im Bekennerschreiben die Tat gewidmet wird, haben keinen Bezug zu Zwickau.

Allerdings weist der Beitrag bemerkenswertes Detailwissen auf. So heißt es: "Dabei brannte ein Bagger vollständig aus, die weiteren vier Bagger und ein Radlader wurden durch unser Feuer beschädigt und teilweise unbrauchbar gemacht." Laut Staatsanwaltschaft stimmen diese Angaben. In den bisherigen Veröffentlichungen zu dem Brand waren hingegen solche Details nie genannt. Die Polizei hatte zunächst nur von weiteren beschädigten Baufahrzeugen gesprochen, ohne die Anzahl oder Art der Fahrzeuge zu nennen. Dass eine autonome Gruppe Aktionen gegen sächsische Gefängnisse durchführen würde, wäre neu. Im Justizministerium weiß man von keinem einzigen Fall, in dem entsprechende Drohungen eingegangen oder Anschläge verübt worden sind. "Da gab es noch nie etwas", sagte Sprecher Jörg Herold.

Bewertung des Artikels: Ø 2.5 Sterne bei 2 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...