Stadt bekräftigt Radwege-Pläne

Die Kritik aus dem Fahrradklima-Test hat gesessen. Aber ganz so will die Verwaltung sie nicht stehen lassen.

Zwickau.

Nach dem miserablen Abschneiden Zwickaus beim bundesweiten Fahrradklima-Test hat sich nun die Stadtverwaltung geäußert und weitere Maßnahmen zum Ausbau des Radwegenetzes angekündigt. Es sei unstrittig, dass erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssten, sagt Sprecherin Heike Reinke. Trotzdem: So ganz verstehen kann man im Rathaus nicht, warum Zwickau mit der Note 4,6 bewertet worden ist und im Vergleich mit ähnlich großen Städten auf Platz 103 von 106 landete.

Der Landesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Konrad Krause, hatte der Muldestadt "ein chronisches Versagen der Politik und der Verwaltung" vorgeworfen. Die Stadtverwaltung verweist dagegen auf eine Vielzahl an Maßnahmen, die seit 2016 durchgeführt wurden. So seien Radwege und Fahrradquerungen gebaut sowie Beschilderungen angebracht worden. Für die nahe Zukunft sind Schutzstreifen und Radwege auf mehreren viel befahrenen Straßen vorgesehen. Ein Radweg entsteht auf der Äußeren Dresdner Straße, ein weiterer vor der Schule am Eschenweg in Marienthal, zwei neue Abschnitte sind für den Planitzer Marktsteig geplant. Hinzu kommen Großvorhaben wie Schutzstreifen auf der Olzmannstraße, die aber erst bei der Straßensanierung spruchreif werden.

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Ganz aktuell ist der Plan, eine Fahrrad-Route vom Hauptbahnhof bis zum Georgenplatz einzurichten, die auf der Bahnhofsstraße beidseitige Radwege beinhaltet und an einer Ampel die Humboldtstraße überquert. Eine zweite Verbindung soll vom Marienthaler Rad- und Fußweg über die Zentralhaltestelle und am Schwanenbrunnen entlang zur Humboldtstraße führen. Diese Projekte würden mehr als 900.000 Euro kosten und sollen in der kommenden Stadtratssitzung am 25. April besprochen werden. Auch auf der Leipziger Straße ist angedacht, Fahrradstreifen einzurichten. Laut Tiefbauamt ist im Umgestaltungskonzept für die Verkehrsader vorgesehen, zunächst Schutzstreifen stadtauswärts bis zur Pölbitzer Straße anzulegen und die Straßenbahnhaltestellen entsprechend umzubauen, sodass der Ausstieg nicht mehr auf die Fahrbahn erfolgt. Ein Fördermittelantrag sei schon gestellt.

Einen weiteren Fortschritt erhofft sich die Stadt vom Radverkehrskonzept, das laut Rathaus "ab dem zweiten Quartal 2019" - also eigentlich ab jetzt - erarbeitet werden soll. Überlegungen zu besagtem Konzept wurden erstmals vor drei Jahren vorgestellt. 2016 präsentierte die Stadt ihre Vorüberlegungen, wonach mehrere durchgängige Radwege im Stadtgebiet entstehen sollen. Die einzige durchgehende Verbindung zurzeit ist der Mulderadweg.

Damals hieß es auch, dass auf allen sanierten Straßen automatisch ein Fahrradstreifen angelegt werden, dass ausgediente Bahndämme zu Radwegen umgebaut und häufig von Radfahrern benutzte Wege entsprechend aufgewertet werden sollen. Das alles hatte der damals zuständige Mitarbeiter erarbeitet, der gleichzeitig Vorsitzender des ADFC in Zwickau ist. Doch dann ging er in Ruhestand, und die Planungen verzögerten sich erheblich.


"Sicherheitsabstand fehlt"

Martin Sterzel vom Zwickauer Coworking-Netzwerk will eine Initiative zum Radverkehr ins

Leben rufen. Heike Hampl hat mit ihm gesprochen.

Freie Presse: Wo lauern die Gefahren für Radfahrer in Zwickau?

Wenn Autos, Busse und Lastwagen extrem knapp überholen. Oder wenn man kurz vor Ampeln erst überholt und dann ausgebremst wird.

Wo liegen die Schwächen in der In frastruktur?

Viele fahren auf dem Fußweg, da es auf der Straße einfach zu gefährlich ist. Das nervt Fußgänger und führt dazu, dass Radfahren unglaublich zäh ist. Wünschenswert wäre ein Radweg, auf dem man durchgehend längere Strecken fahren kann.

Die Stadt sagt, sie bemüht sich um Verbesserungen. Merkt man das?

Es gibt durchaus Verbesserungen wie bessere Übergänge und neue Schutzstreifen. Aber manchmal haben wir das Gefühl, dass gerade bei Schutzstreifen der Sicherheitsabstand zum Überholen nicht eingehalten wird.

Sie planen jetzt eine Initiative zum Radfahren, ein sogenanntes Barcamp. Mit welchem Ziel?

Von dem Workshop, an dem sich jeder beteiligen kann, erhoffen wir uns allgemeinverträgliche, nachhaltige und umsetzbare Ideen.

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