Städtisches Gaswerk nutzt Kokereigas

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Steinkohlenbergbau in Zwickau - einst Basis für wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Heute: Die Kokereien (44/2).

Zwickau.

Beschrieben wurde bereits, dass in der Von Arnimschen Kokerei am Neuen Alexanderschacht am Biel modernere Verfahren zur Koksherstellung angewendet wurden. Auch die Kokerei am Brückenbergschacht wurde modernisiert und stellte 1880 die erste mit Dampf betriebene Ausdrückmaschine auf. Sie schob den glühenden Koks auf die Koksrampe. Der Koks musste dann von Hand umgeworfen, mit Wasser abgelöscht und in Transportkarren geladen werden. Von der Koksrampe kam der abgelöschte Koks zur Klassierung in die Sieberei. Diese Arbeiten waren für die Beschäftigten schwer und gesundheitsschädlich. Ab 1881 wurden dann als Neuerung Dampfkessel mit Abgasen der Kokerei beheizt. Fast jedes namhafte Steinkohlenwerk nutzte diese Möglichkeit, Koks herzustellen.

1913 beschloss der Aufsichtsrat des Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktienvereins (Estav) den Bau einer neuen, modernen Kokerei durch die Firma Gebrüder Hinselmann aus Essen. Dieser Typ von Öfen sollte die veralteten Francois-Haldy-Öfen ablösen. Bis 1917 nahmen der Estav und der Brückenberg-Steinkohlenbauverein deshalb etwa 150 neue Unterbrenn-Regenerativ-Öfen in Betrieb. Zuvor waren die alten Öfen abgebrochen worden. Während des Ersten Weltkrieges hatte die Stahlproduktion eine herausragende Bedeutung. Koks wurde dringend für die Rüstungsindustrie benötigt. Ein weiterer technischer und wirtschaftlicher Fortschritt war die Gewinnung der Nebenprodukte Ammoniak, Benzol und Teer sowie die Lieferung von Stadtgas, weshalb Anlagen zur Teergewinnung, eine Benzol- und eine Ammoniakfabrik gleich mit errichtet wurden und im Mai 1916 in Betrieb gingen. Drei Jahre später konnten schon 4904 Tonnen dieser Nebenprodukte hergestellt werden. Eine Kokssiebanlage zur Trennung des Kokses nach Stückgrößen und ein Kohleturm in Beton zur Kohlebevorratung (1000 Tonnen) wurden gebaut. Aus dem Ruhrgebiet wurden ab 1925 gut verkokbare Fettkohle angeliefert, um im Vertrauenschacht einen für Gießereizwecke besser geeigneten Koks herstellen zu können. Über eine Kohlemischanlage wurde diese Kohle der Zwickauer Gasflammkohle zugemischt.

Am 24. November 1921 begann der Estav mit der Lieferung von Kokereigas an das städtische Gaswerk Zwickau. Drei Kompressoren beförderten das Gas aus der Kokerei in Schedewitz über eine vier Kilometer lange Stahlrohrleitung (Durchmesser: 200 Millimeter) durch die Stadt bis zum Gaswerk Zwickau in der Nordvorstadt. Zur Leistungssteigerung erhöhte sich die Zahl der Koksöfen im Jahr 1924 von 80 auf 100.1932 wurde die Lieferung von Gas an das Gaswerk Zwickau, das seit 1930 zur Landesgasversorgung Sachsen AG Leipzig gehörte, aus der Kokerei am Brückenbergschacht I ergänzt. 17,5 Millionen Kubikmeter Kokereigas wurden im Gaswerk Zwickau von Schwefel befreit, in den drei verschiedenen Gasbehältern (5000, 20.000 und 30.000 Kubikmeter) bevorratet und danach in die Netze eingespeist.

Die Kokerei des Estav war im Jahr 1934 mit 100 Koksöfen die größte Steinkohleverkokungsanlage Sachsens. Daneben besaß die Kokerei des Brückenbergschachtes I insgesamt 70 Koksöfen und die des Wilhelmschachtes I 35 Koksöfen. Die Kokerei in Schedewitz produzierte 138.600 Tonnen Koks, während die Kokerei am Brückenbergschacht I mit 86.200 Tonnen und die Kokerei am Wilhelmschacht I mit 14.200 Tonnen wesentlich weniger herstellten (zusammen 240.000 Tonnen Koks).

Allerdings war Mitte/Ende der 1930er-Jahre die Koksproduktion beim Estav wegen Kohlemangels und Betriebsstörungen rückläufig. Die Koksproduktion ging von 156.951 Tonnen (1937) auf 78.430 Tonnen (1941) zurück, obwohl Koks kriegswichtig war. Eine der Ursachen war der Grubenbrand im Vertrauenschacht am Hauptfüllort der 256-Meter-Sohle, der zu großen Ausfällen der Kohleförderung führte. Die Zahl der Belegschaftsmitglieder sank im gleichen Zeitraum von 4712 auf 2612 Beschäftigte. Die meisten der entlassenen Arbeiter werden wohl zur Wehrmacht eingezogen worden sein. Als im Jahr 1944 die Lieferung der Fettkohle aus dem Ruhrgebiet kriegsbedingt ausfiel, mussten weitere 20 Koksöfen stillgelegt werden.

Nachdem 1915 am Brückenbergschacht I 33, später 70 Koksöfen als Horizontalkammerofen (nach C. Still) aufgestellt worden waren, erfolgte 1936 an der Äußeren Dresdner Straße auf dem Brückenberg der Neubau von vier Koksofenbatterien (System Still). Der Kohleturm war weithin sichtbar und eines der Wahrzeichen Zwickaus für den Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier. Dafür wurde im Jahr 1936 die unrentable Kokerei des Wilhelmschachtes I stillgelegt.


Produkte aus Steinkohle

Aus einer Tonne Steinkohle konnten folgende Produkte gewonnen werden:

Koks710 Kilogramm

Gas300 Kubik- meter

Teer40 Kilogramm

Benzol15 Kilogramm

Ammoniumsulfat12 Kilogramm

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