Steuerbefreiung hilft bei Wiederaufbau

Zwickau.

In der 900-jährigen Geschichte der Stadt Zwickau kam es immer wieder zu Katastrophen und Unglücken. Am häufigsten waren es wohl Brände und Hochwasser mit verheerenden Folgen.

Aus dem Jahr 1328 wird vom ersten großen Stadtbrand berichtet. Ein weiterer Brand entstand am 13. April 1383 bei Heinrich Pilgrims in der Korngasse. Der sich daraus entwickelnde Stadtbrand zerstörte Korngasse, Niederen Steinweg, Ulmannsgasse, einen Teil der Frauengasse, den Pfarrhof und die Marienkirche, nicht aber die nur wenige Meter weiter stehende Ratsschule. Das Ehepaar Lechter, das für den Brand verantwortlich gemacht wurde, endete auf dem Scheiterhaufen. Die Zwickauer Bürger erhielten anschließend vom Markgrafen eine dreijährige Steuerbefreiung, um ihre Häuser neu aufbauen zu können.

Am 1. Mai 1387 wütete abermals ein Stadtbrand, der auch Schäden an der Marien- und der Katharinenkirche verursachte. Dieses Mal wurde den Zwickauer Einwohnern vom Markgrafen ein vierjähriger Steuernachlass gewährt.

Auch im Jahr 1403, am 20. Mai, entwickelte sich bei einem Kürschner in der Scheergasse ein Feuer. Es erfasste nahezu alle Häuser, die damals in der Regel aus Holz bestanden, und vernichtete sie. Zu den Verlusten zählten unter anderem die Kirchen, das Rathaus mit wertvollen Dokumenten und Urkunden des Rates sowie das hölzerne Gewandhaus. Glücklicherweise konnte der Stadtschreiber Marquard einige Urkunden und den Stadtrechtskodex im Keller seines Privathauses sicherstellen und so vor den Flammen retten. Es hieß in einer Chronik, man hätte, am ehemaligen Rathaus stehend, zu allen vier Stadttoren schauen können. Auch hier gewährte der Markgraf den Bürgern der Stadt eine siebenjährige Steuerbefreiung, um der Stadt beim Wiederaufbau behilflich zu sein.

Diese Stadtbrände hatten die Bürger durch Leichtsinn und Unaufmerksamkeit selbst zu verantworten. Allerdings gab es noch zahlreiche Brände aufgrund kriegerischer Ereignisse. Zuletzt litt die Stadt am 19. März 1945 darunter, als im Zuge des amerikanischen Luftangriffs die Innenstadt angegriffen wurde und zahlreiche Häuser ausbrannten.

Eine weitere Art von Bränden entstand zum Beispiel durch Blitzschläge. Am 17. April 1650 abends äscherte ein Blitzschlag den Marienkirchturm ein, brachte Glocken und Uhrwerk zum Schmelzen und machte die gesamte Kirche für drei Monate unbenutzbar. Am 12. Juli 1672 bezog der neue Türmer Johannes Georg Hanf seine Türmerwohnung, und am Weihnachtstag desselben Jahres erfolgte die Weihe des neuen Marienkirchturmes. Meister Joachim Marquardt aus Plauen hatte den neuen Turm mit einer Höhe von 87 Metern in barocker Form wieder aufgebaut.

Eine andere Art Katastrophen, die die Stadt trafen, waren die Überschwemmungen durch die Zwickauer Mulde aufgrund von Hochwasser oder Eisgang. Immer wieder wurde die Stadt betroffen, die nicht durch Dämme geschützt war. Das Hochwasser, das im Gedächtnis der Menschen am meisten haften blieb, ist jenes vom 10. Juli 1954. Der Damm der Zwickauer Mulde brach unterhalb der Paradiesbrücke und in Pölbitz unweit des 04-Bades. Das Wasser (Pegel bei 4,78 Meter) floss ungehindert in die gesamte Innenstadt. Am Hauptmarkt stand das Wasser 2,10 Meter hoch. Die Versorgung der Bevölkerung in den Häusern musste mit Kähnen vorgenommen werden. Bei den Sicherungs- arbeiten an der im Bau befindlichen Ethel-und-Julius-Rosenberg-Brücke (Eckersbacher Brücke) kamen der sowjetische Untersergeant Martinow und Polizei-Unterwachtmeister Paul Müller ums Leben. Nach dem Abfließen des Wassers mussten 2400 Kubikmeter Schlamm beräumt werden.

Schon am 4. Januar 1932 jedoch kam es zum größten Hochwasser der Zwickauer Mulde seit 1897. Der Pegel an der Bierbrücke stand bei 4,17 Meter. Es gab zum Beispiel Überschwemmungen am Gasthof "Zum Paradies", am Pöhlauer Bach und in Bockwa. Der Eisenbahnverkehr der Linie Schwarzenberg-Zwickau wurde durch Dammunterspülungen unterbrochen. Die Innenstadt war nicht betroffen, da in den Jahren vorher durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen Dämme errichtet worden waren.

Am 31. Juli 1897 gab es bei einem Hochwasser der Zwickauer Mulde in Bockwa und Schedewitz einen Dammdurchbruch an der Muldestraße. Alle Steinkohlenschächte in Bockwa und Oberhohndorf und teilweise sogar die unteren Strecken des Brückenbergschachtes soffen ab. Sie konnten zum Teil erst Ende des Jahres ihre Förderung wieder voll aufnehmen. Die Gleise der Bockwaer Kohlebahn wurden unterspült. Auch ein Teil der Innenstadt von Zwickau stand unter Wasser. Der Wasserstand an der Bierbrücke erreichte 2,96 Meter.

Am 31. Juli 1858 verursachte ein Hochwasser mit einem Pegelstand von 4,61 Meter an der Bierbrücke besonders großen Schaden, sowie in der nördlichen Vorstadt (37 zerstörte Häuser), an der Schlossmühle, am Gasthof "Zum Paradies" und in der Innenstadt. Betroffen waren zudem weitere Häuser Am Silberhof und Auf der Asch. Auch die Eisenbahntrasse nach Schwarzenberg - am 11. Mai fertiggestellt - wurde beschädigt. Der Verkehr konnte erst am 24. Oktober wieder auf- genommen werden. Die Steinkohlenschächte in Bockwa standen unter Wasser und waren erst im Juni des Folgejahres wieder wasserfrei.

Zwickau war außerdem in den Jahren 1486, 1500, 1529, 1543, 1560, 1573, 1604, 1607, 1607, 1608, 1622, 1627, 1655, 1661, 1672, 1694, 1721, 1723, 1733, 1736, 1750, 1767, 171, 1778, 1786, 1790, 1830 und 1917 von Hochwasser oder Eisgang der Zwickauer Mulde betroffen. Meistens gingen die hölzernen Brücken und Stege kaputt oder es wurde Flößholz weggeschwemmt. Öfters floss das Wasser in die Innenstadt, weshalb die Einwohner keine Keller in ihren Häusern hatten, sondern die Waren unter dem Dach des Haues lagerten. Aber immer wieder musste der Schlamm entfernt werden.

Im August des Jahres 2002 und Anfang Juni 2013 trat in Sachsen in zahlreichen Städten und Gemeinden nach heftigen Regenfällen das Wasser der Flüsse und Bäche über die Ufer. Dank eines guten Hochwasserschutzes mit wirksamen Deichbauten war Zwickaus Innenstadt nicht betroffen. Allerdings fehlten an manchen Stellen nur wenige Zentimeter. Diese Ereignisse mahnen in Zeiten globaler Wetterkapriolen zur ständigen Aufsicht.

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