Streicher setzen das Freudenthema perfekt um

Nicht am Silvesterabend, sondern schon am Sonntag wurde Beethovens "Neunte" in Zwickau aufgeführt. Es wurde ein voller Erfolg.

Zwickau.

Zwölf Jahre brauchte es, ehe Ludwig van Beethoven sein sinfonisches Schaffen fortführte. Wie ein Paukenschlag kam seine "Neunte" im Mai 1824 zur Uraufführung. Sie durchbrach alles bis dahin Bekannte aus dem Bereich der Sinfonie. Dieses groß angelegte Werk überschritt am Ende die Grenzen der Instrumentalmusik und nutzte den Einsatz der menschlichen Stimme. Und auch hier ging Beethoven ins Extreme, indem er Solisten und Chor bis an die Grenzen des gesanglich Machbaren treibt. Mit dem literarischen Stoff aus Friedrich Schillers "Ode an die Freude" hatte er sich bereits intensiv als Student in Bonn auseinandergesetzt. Es bedurfte eines langen Reifeprozesses, um diese Worte so eindringlich musikalisch umzusetzen. Was für ein Werk!

Am Sonntag wurde die 9. Sinfonie traditionsgemäß in der fast voll besetzten Zwickauer "Neuen Welt" aufgeführt. Hochachtung vor der Leistung von Opernchor und Extrachor des Theaters Plauen-Zwickau, der Singakademie Plauen, den Clara-Schumann-Philharmonikern Plauen-Zwickau, den Gesangssolisten Katrin Kapplusch, Stephanie Atanasov, Wonjong Lee und Seho Chang unter der Leitung von Leo Siberski.

Gut gelungen der Anfang des ersten Satzes mit dem Aufbau der Klangflächen, die letztendlich zum ersten Thema führen. Das Hin- und Hergerissensein in diesem Satz suchte Leo Siberski immer wieder zu verdeutlichen. Die dem ersten Thema gegensätzlich stehenden melodischen Folgethemen gelangen sehr eindringlich. Insgesamt hätte noch mehr dynamische Arbeit nicht den Eindruck einer gewissen Statik hinterlassen, sie hätte diesen ersten Satz rund gemacht.

Der zweite Satz war hervorragend klar und bestimmend gespielt. Wie eine wilde Wanderung, in einem forcierten Ritt meisterte das Orchester dieses Molto vivace - Presto. Das Orchester war immer in der Lage, auf die klare und gute Führung ihres Dirigenten zu reagieren. Es war ständig eine Steigerung möglich. Somit wurde dieser Satz ein gestalterischer Höhepunkt. Großartig die Leistungen, allem voran von Holz- und Blechbläsern und Pauke.

Den fulminanten, schroffen ersten beiden Sätzen stand der dritte Satz als Ruhepol, als Oase entgegen. Feierlich, warm und hymnisch verstanden die Musikerinnen und Musiker hier ein stimmungsvolles Bild sehr berührend aufzubauen. Fühlte man sich im vorangegangenen Satz noch gehetzt, wurde hier einem das Atmen erleichtert, ja es musste auch Luft geholt werden vor dem letzten Satz. Toll angelegt!

Der vierte und letzte Satz mit dem Einsatz der menschlichen Stimme suchte noch am Anfang an Spannung. Sehr intensiv und eindringlich ließ Leo Siberski das Freudenthema in den Streichern vorstellen, beginnend mit einem wunderbar warmen Spiel der tiefen Streicher. Die eigenen Worte Beethovens, "O Freunde, nicht diese Töne", wurden von Seho Chang sehr klar, deutlich und raumfüllend interpretiert, fast schon etwas zu breit. Welch große Herausforderung Beethoven an die Sängerinnen und Sänger stellt, zeigte unter anderem auch die Sopranistin Katrin Kapplusch. Einen hohen Ton intonatorisch sauber zu halten und dann dynamisch sich zurückzunehmen, ist sehr schwierig. Dem Chor gebührt großer Respekt und Anerkennung für das Geleistete. Insgesamt wurde dieser letzte Satz sehr vielschichtig von Leo Siberski angelegt. Nicht immer war eine spannungsreiche Umsetzung gegeben. Auf den Punkt gebracht war das Finale. Mit "Deine Zauber" gelang ein meisterhafter, sich steigender Abschluss.

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