Stromwarte wird Hochsicherheitstrakt

Der Energieversorger ZEV hat am Montag den Grundstein für eine neue Leitwarte gelegt. Versorgt werden aus diesem Gebäude nicht nur Verbraucher in der Nähe.

Zwickau.

Da mangele es wohl am Kleingeld, witzelt einer, als die Hülse aus Metall einfach nicht untergehen will. Eigentlich soll sie für viele Jahrzehnte auf Tauchstation gehen, eingemauert ins Fundament der neuen Leitwarte der Zwickauer Energieversorgung (ZEV). Doch die Zeitkapsel - befüllt mit Bauplänen, einer aktuellen Tageszeitung, einem USB-Stick und einer Handvoll Kleingeld - hält es erst nach einigen Mühen an ihrem Platz.

Besagte Kapsel, die sich partout nicht einbetonieren lassen möchte, gehört in den Grundstein eines Gebäudes, das zwar nicht spektakulär das Bild der Bahnhofsvorstadt aufwerten, dafür aber vier der sichersten Arbeitsplätze der Stadt beherbergen wird. Denn aus diesem Haus heraus wird die ZEV die Strom-, Fernwärme- und Gasversorgung ihrer Kunden betreuen, erklärt Mike Müller, bei der ZEV Abteilungsleiter Netzservice. Und damit nicht genug: Reguliert wird die Stromversorgung von rund 250.000 Kunden, denn die ZEV übernimmt diese Dienstleistung für weitere sieben sächsische Stadtwerke.

Weil Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, wie abhängig die Gesellschaft von der Elektrizität geworden ist, gelten für den Bau einer Leitwarte besonders strenge Richtlinien. "Der Bau muss gegen Angriffe von außen gesichert sein. Beispielsweise verwenden wir durchschusssicheres Glas", sagt Müller. Zudem werden die Türen durch Schleusen gesichert. Im Falle einer Katastrophe soll die Leitwarte so eingerichtet sein, dass mehrere Menschen dort gute Arbeitsbedingungen vorfinden und zudem einige Tage lang auch ohne Kontakt zur Außenwelt arbeiten könnten.

Für Bauleiterin Cornelia Günther-Plocica bedeutet das einerseits eine interessante Aufgabe, denn ihr Büro musste das Funktionale mit einigermaßen angenehmen Arbeitsbedingungen verbinden. Doch als noch interessanter stellte sich bereits während der Vorbereitungsarbeiten die unmittelbare Nähe zum Eichamt heraus. Die Mitarbeiter dort nehmen die vermutlich genauesten Messungen der Stadt vor - und merken es, wenn draußen gebaut wird. Inzwischen, so die Bauleiterin, habe man sich aneinander gewöhnt, und die Bauarbeiter wissen, wann sie vorsichtiger sein und wann sie das Eichamt über schwere Arbeiten informieren müssen.

Apropos schwer: Die Nähe zum Marienthaler Bach hat die Aufgabe nicht leichter gemacht. Denn der typische Untergrund eines Wasserlaufes taugt nicht gut als Baugrund. "Wir mussten bis in neun Meter Tiefe graben, damit wir garantiert stabil bauen können", so die Fachfrau. Auch das hat etwas mit den besonderen Anforderungen an eine Leitwarte zu tun.

Der Bau soll 2,7 Millionen Euro kosten. Geplant ist, den Rohbau noch in diesem Jahr fertig zu stellen. Im kommenden Jahr soll die Leitwarte dann von ihrem jetzigen Standort in unmittelbarer Nachbarschaft an der Stiftstraße umziehen. Damit auch wirklich alles sicher läuft, rechnet Mike Müller mit einer mindestens vier Wochen dauernden Phase, in der beide Leitwarten parallel arbeiten. Erst danach soll der aufwändige Neubau sämtliche Aufgaben für die Zwickauer Energieversorgung übernehmen, so der Abteilungsleiter.

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