Tauziehen um Sportstätten-Chef

Der neue Eigenbetrieb, der mehr als 10 Millionen Euro verwaltet, braucht einen Leiter. Aber zwei Kandidaten fielen durch.

Zwickau.

Für den neu gegründeten Sportstättenbetrieb der Stadt Zwickau wird nach einem Leiter gesucht. Doch so schnell lässt sich die Stelle wohl nicht besetzen. Der Finanzausschuss, der die Aufsicht über den Eigenbetrieb führt, lehnte hinter verschlossenen Türen gleich zwei Bewerber ab, darunter den von Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) bevorzugten Mike Franke.

Franke leitet die Sportstätten-Gesellschaft derzeit amtierend. Doch die Ausschussmitglieder sprachen sich mit großer Mehrheit gegen ihn aus. Das Problem: Der gelernte Gärtner macht zwar seine Arbeit, allerdings fehlen ihm in der Ausschreibung geforderte Nachweise und Qualifikationen.

Hinter vorgehaltener Hand wurde unter den Räten darüber diskutiert, wieso die Oberbürgermeisterin ihn dennoch zu ihrem Favoriten gemacht hatte. Franke war einst von Ehemann Uwe Findeiß, damals Sportamtsleiter, ins Rathaus geholt worden. Der SPD-Stadtrat war am Dienstag für eine Nachfrage nicht erreichbar. Franke selbst darf sich wegen seines Angestelltenverhältnisses mit der Stadtverwaltung nicht öffentlich äußern.

Mit Sven Wöhl steht ein weiterer Bewerber zur Verfügung, der alle Qualifikationen vorweisen konnte und der nach Recherchen der "Freien Presse" auch der Gewinner der Ausschreibung für die Stelle war. Nur tauchte er in der Beschlussvorlage für den Finanzausschuss gar nicht erst auf. Eilig wurde ein Änderungsantrag erstellt. Doch der Fraktionsgeschäftsführer der Linken fiel ebenfalls durch, auch wenn das Ergebnis mit vier Ja- zu fünf Nein-Stimmen denkbar knapp ausfiel. Öffentlich äußern wollte sich Wöhl dazu nicht.

Inzwischen zog Pia Findeiß die Reißleine und strich den Punkt von der Tagesordnung des Stadtrates am 24. Oktober, der die Stellenbesetzung endgültig regeln sollte. Ihre Begründung: "Die Vorlage 'Besetzung der Stelle Betriebsleiter Sportstättenbetrieb der Stadt Zwickau' wird nicht auf die Tagesordnung gesetzt, da der zuständige Betriebsausschuss kein Votum abgeben hat." Doch wie findet man einen neuen Chef? Ein Teil der Räte geht davon aus, dass die Stellenausschreibung aufgehoben wird. Danach könnte der Chefposten erneut ausgeschrieben werden. Im Rathaus schweigt man zum weiteren Prozedere. Anfragen blieben unbeantwortet. Dieses Verhalten bringt Unruhe unter die Räte, von denen einige einen Überraschungscoup der Rathauschefin befürchten. Rechtlich könnte sie die Stellenbesetzung als Eilvorlage kurzfristig wieder in die Sitzung einbringen, sagte ein Stadtrat, der nicht genannt werden will. Dann dürfte vermutlich der Name Mike Franke auf der Beschlussvorlage stehen. Freilich hätten dann die Stadträte noch immer die letzte Entscheidung.

Der Sportstättenbetrieb hatte am 1. Juli seine Tätigkeit aufgenommen. Er ist mit seinen 70 Mitarbeitern hauptsächlich für die städtischen Bäder und die Verwaltung der Sportplätze und -hallen in Zwickau zuständig.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...