Tettauerin macht Füßchen für Ewigkeit

Daniela Burger will mit ihrer Kreativität Geld verdienen. Sie hat dafür zunächst den Weg in die Selbstständigkeit "Light" gewählt - so wie 4600 andere Menschen im Landkreis Zwickau auch.

Tettau.

Daniela Burger fühlt sich angekommen. Sie mag das Landleben, hat vor gut einem Jahr mit ihrem Lebensgefährten und den zwei Kindern - zwei und drei Jahre alt - ein Fachwerkhaus im Schönberger Ortsteil Tettau bezogen. 180 Quadratmeter zum Austoben - Schafe, Kühe, Hühner und Katzen inklusive. Denn die können ihre beiden Kinder nicht nur bei den ortsansässigen Bauern hautnah beobachten. "Ich finde es traurig, wenn die Jüngsten sagen, die Milch kommt aus dem Tetrapack", sagt die 29-Jährige, die vor Kreativität nur so strotzt: Malen, Töpfern, Basteln. Kein Wunder, dass die selbstbewusste junge Frau ihr Hobby zum Beruf gemacht hat. Aber nur zum Teil. Sie fertig unter anderem Babyhändchen und -füßchen für die Ewigkeit und in der 3D-Variante. Dafür hat die Tettauerin eine Firma im Nebenerwerb angemeldet, tourt seitdem von einer Kreativmesse zur anderen.

Damit gehört die in Baden-Württemberg aufgewachsene und der Liebe wegen nach Westsachsen übersiedelte Frau zu den mehr als 4600 Personen im Landkreis Zwickau, die sich etwas innerhalb der Selbstständigkeit "Light" hinzuverdienen. Kathrin Stiller von der Industrie- und Handelskammer in Zwickau kennt die Gründe nur zu gut: "Ob zur Ideenentwicklung, als Testlauf und Grundlage für einen späteren Haupterwerb oder einfach zur Aufbesserung der Haushaltskasse - die Selbstständigkeit ,Light' ist für all jene interessant, die kein großes Risiko eingehen und sich in der Selbstständigkeit erst einmal ausprobieren wollen." Außerdem könne der Gründer mit einem festen Einkommen im Rücken in aller Ruhe herausfinden, ob sich die Geschäftsidee trägt und er allen Aufgaben tatsächlich gewachsen sei.

Das sieht die zweifache Mutter ähnlich, die zudem im Homeoffice noch für andere Unternehmen tätig ist. "Ich habe schon einige An- und Nachfragen, entweder kommen die Leute zu mir oder ich fahre vormittags, abends und an den Wochenenden zu den Kunden", sagt sie. Dabei hat die Geburt ihres ersten Kindes 2015 alles ins Rollen gebracht. So bekam sie wie die anderen Mütter im Krankenhaus "einen ganz normalen Fußabdruck" ihres ersten Kindes als Erinnerung. "Die Freude darüber war zwar groß. Keine Frage. Aber ich wollte die Füßchen meiner Kleinen gern komplett, also in der 3D-Variante", erinnert sich Burger. Wenn es Kieferorthopäden schaffen, Abdrücke von Gebissen herzustellen, warum sollte das nicht auch anderen gelingen, dachte sich die junge Mutter. Gesagt, getan. Sie machte sich kundig, vor allem im Internet. Heute weiß sie sehr genau, wo welche Abformmasse günstig zu bekommen ist, wie lange ein Händchen oder mehrere Hände in dieser Masse bleiben müssen, bis sie herausgezogen werden dürfen. Im nächsten Schritt rührt Burger die sogenannte Kunststeingießmasse zusammen und füllt damit den zuvor erzeugten Hohlraum. Aushärten, fertig. Nicht ganz. Jetzt muss nur noch die Abformmasse, die sich wie Pudding oder Silikon anfühlt, vorsichtig und fein säuberlich entfernt, vielleicht noch nachgearbeitet werden.

So ist jedes ihrer Werke ein Unikat. "Sehr individuell, da die kleinsten Fältchen abgebildet werden können", betont die junge Frau. Es gebe Eltern, die mit diesen Abdrücken die Entwicklung ihrer Kinder dokumentieren oder den Großeltern schicken, die wegen der Entfernung nur selten ihre Enkel zu Gesicht bekommen. Und ein Hingucker seien diese Erinnerungen ohnehin. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, das daraus mehr wird", sagt Burger und postet noch schnell ein Bilder auf Instagram und Facebook.

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