Theater kämpft gegen Bühnennot

Ab Januar 2019 gibt es nur noch eine reguläre Spielstätte in Zwickau. Zu wenig, warnt das Ensemble. Doch die schwierigste Entscheidung für die Zukunft steht noch bevor.

Zwickau.

Dass 2019 für das Theater Plauen-Zwickau in der Muldestadt ein schwieriges Jahr wird, ist schon länger bekannt. Durch die Bauverzögerung am Gewandhaus und den Wegfall des Theaters in der Mühle (TiM) gehen dem Ensemble die Spielstätten aus. Erstaunlich ist dagegen, wie viele offene Fragen es so kurz vor dem Jahreswechsel noch gibt. Diese betreffen vor allem die Zukunft der letzten verbliebenen regulären Bühne, den Malsaal. Denn dessen Schicksal ist über 2019 hinaus alles andere als sicher.

Bei mehreren Treffen mit Lokalpolitikern haben die Mitarbeiter des Theaters inzwischen ihre Bedenken hinsichtlich der Spielstätten geäußert. Zum einen fehlt das Gewandhaus, dessen Sanierung sich nach dem Wechsel des Chefplaners und den damit verbundenen Querelen bis voraussichtlich 2020 hinzieht und laut Stadtverwaltung mindestens 4 Millionen Euro teurer wird als die ursprünglich veranschlagten 14 Millionen Euro. Zum anderen bricht das TiM weg, auf dessen Standort die Gebäude- und Grundstücksgesellschaft Zwickau (GGZ) ihren neuen Hauptsitz errichten will. Die GGZ ist dem Theater schon entgegengekommen und hat das Vorhaben um ein halbes Jahr auf Jahresende 2018 verschoben. Für das Theater bleibt aber das Problem: "Im TiM wurden pro Saison Vorstellungen im dreistelligen Bereich gespielt", sagt Theatersprecherin Carolin Eschenbrenner. "Nicht nur diese fallen dann ersatzlos weg, sondern zusätzlich auch noch ein Probenort in der ohnehin schon schwierigen Umbau-Situation."

Wie lässt sich das lösen? Die Zwickauer Stadtverwaltung verweist auf Ersatzspielstätten wie die Planitzer Lukaskirche, die Aula der Pestalozzischule, die "Neue Welt", die Katharinenkirche oder auch den Bürgersaal im Rathaus - alles jedoch keine idealen Spielorte. Weiter heißt es, darüber hinaus könne das Theater noch auf die Freilichtbühne und die Burg Schönfels ausweichen. Zudem prüfe man gegenwärtig noch weitere Alternativen, sagt Stadtsprecher Mathias Merz. Für das Problem der knapp bemessenen Probenräume gibt es offenbar keine Lösung. Dazu heißt es aus dem Rathaus nur: "Nach Abschluss der Sanierung des Gewandhauses wird sich diese Situation verbessern."

Die letzte verbliebene reguläre Bühne des Theaters befindet sich 2019 im Malsaal - und damit tut sich bereits das nächste Problem auf. Der Malsaal, eigentlich als Werkstatt gedacht, wird zwar als Spielort gut angenommen, aber um ihn dauerhaft zu nutzen und so nach Ende der Gewandhaus-Sanierung weiter als kleine Bühne zu betreiben, müssten bauliche Veränderungen her. Dabei ist nicht sicher, ob das Gebäude überhaupt eine Zukunft hat.

Perspektivisch gibt es die Vorstellung, den gesamten Anbau des Theaterkomplexes, der in den 1970er-Jahren zwischen dem Gewandhaus und der Katharinenstraße entstanden ist, abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Wobei es nicht damit getan ist, einfach neue Gebäude hinzubauen. Vielmehr spielen laut Rathaussprecher Merz grundsätzliche Erwägungen eine Rolle, wie die Frage, was genau künftig am Standort untergebracht werden soll, wofür man besser fremde Objekte anmieten könnte, wohin beispielsweise die Malwerkstatt und die Büros der Geschäftsführung ziehen werden, sowie die Frage, ob Funktionen des Theaters in Plauen verbleiben sollen und falls ja, welche. Die Zwickauer Stadtverwaltung habe hierzu bereits verschiedene Varianten geprüft, das Theater sei dabei einbezogen gewesen, hieß es.

Aber die Finanzierung des eigentlich schon einmal beschlossenen 15-Millionen-Euro-Projekts steht offenbar derzeit in den Sternen. Das Vorhaben sei "gegenwärtig nicht darstellbar", heißt es aus dem Rathaus. Im Finanzplan, der sich bis ins Jahr 2021 erstreckt, taucht das Vorhaben nicht auf. Dabei würde der Freistaat wohl Fördermittel für den Neubau zur Verfügung stellen, der formal als zweiter Bauabschnitt des Gewandhaus-Umbaus gilt. Wann darüber aber eine Entscheidung folgen soll, ist nicht bekannt.

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