Tod im Regenbogenhaus: Acht Jahre Haft

Der 49-Jährige wurde nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags verurteilt. Die Emotionen seien hochgekocht.

Zwickau.

Der 49 Jahre alte ehemalige Bewohner des Zwickauer Sozialhauses "Zum Regenbogen", der am späten Abend des 4. Mai seine Lebensgefährtin erwürgt hat, muss für acht Jahre ins Gefängnis. Das Schwurgericht verurteilte ihn am Mittwoch nach drei Verhandlungstagen wegen Totschlags. Die Anklage wegen Mordes wurde fallengelassen, weil das Gericht keine vorsätzliche Tötung erkennen konnte. Vielmehr seien an jenem Abend unter Alkoholeinfluss die Emotionen hochgekocht, was schließlich zu einer Eskalation geführt habe, wie der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann ausführte.

Das Paar war im Regenbogenhaus als streitsüchtig bekannt. Wie "Hund und Katz" hätten sie sich geschlagen, gestritten und anschließend geküsst und getrunken. Ob das Opfer den Täter zuvor provoziert hatte, konnte das Gericht nicht feststellen. Möglicherweise entfesselte sich die Gewalt durch verschütteten Alkohol. Ein Nachbar hatte gehört, wie der Angeklagte rief: "Jetzt hast du den Schnaps ausgeschüttet". Das Gericht wollte auch nicht ausschließen, dass er seine Lebensgefährtin schon etwas früher getötet hat und dann zur Ablenkung in deren Zimmer ein imaginäres Gespräch mit ihr führte. Einen Beweis dafür fand die Strafkammer allerdings nicht.

Zur Tatzeit hatten beide vier Promille Alkohol im Blut. Von einem Vollrausch jedoch ging das Gericht nicht aus. "Der Angeklagte war Alkohol gewöhnt", sagte Hartmann. Es habe in den letzten Jahren kaum einen Tag gegeben, an dem er nicht getrunken habe. Immerhin habe er in den frühen Morgenstunden mit etwa 2,5 Promille die Polizei angerufen und sich dort klar und deutlich verständlich machen können. Dennoch ging der psychiatrische Gutachter davon aus, dass der Mann sein Verhalten während der Tat nur bedingt steuern konnte, was ihn vor der zulässigen Höchststrafe von zehn Jahren Haft bewahrte.

Das Motiv konnte auch das Gericht nicht restlos aufklären. Dass er die Frau beim Liebesspiel im Überschwang der Gefühle erwürgt haben wollte, nahm ihm die Strafkammer nicht ab. Dazu passten auch nicht die vom Gerichtsmediziner bestätigten und am Gesicht und Oberkörper gefundenen Schlagverletzungen. Ausgeschlossen werden konnte auch, dass die Hämatome von einem Sturz stammten. Die 3000 Euro, die der Angeklagte aus dem Zimmer seiner Freundin hatte mitgehen lassen, spielten im Urteil keine große Rolle. Das Gericht ging davon aus, dass er nicht wegen des Geldes getötet hatte. "Das Geld hat er bei Gelegenheit einfach eingesteckt", sagte Richter Hartmann.

Zusätzlich zu seiner Haftstrafe wurde der Angeklagte zu einer Alkoholentziehungskur verurteilt. Die, so die Richter, müsse sich über die maximale Dauer von zwei Jahren erstrecken. Dabei wird es möglicherweise nicht bei den acht Jahren Haft bleiben. Der Mann stand zum Tatzeitpunkt unter Bewährung. Im Jahr 2017 war er wegen Körperverletzung zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das könnte nun widerrufen werden.

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