Tower Automotive: Anwohner wehren sich gegen Erweiterung

Das Presswerk will sich erweitern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch die Nachbarn planen eine Klage.

Zwickau.

Die Beschlussvorlage, über die der Zwickauer Bauausschuss am Montag entscheiden soll, klingt wenig spektakulär: Die Firma Tower Automotive verlängert den Jogiches Weg als Radweg rund um ihr Firmengelände herum. Danach geht dieser in städtisches Eigentum über. Die fünf Anwohner, die neben dem Firmengelände ihre Häuser stehen haben, sind jedoch alles andere als begeistert. "Der neue Radweg bedeutet, dass die bisherige Verbindung zur Kopernikusstraße überflüssig wird", sagt Udo Seidel. Diese Fläche benötigt die Firma, um eine 9000Quadratmeter große Halle zu errichten.

Das Grundstück auf der anderen Straßenseite gehört Tower Automotiv bereits. Einem zusammenhängenden Grundstück steht die Straße im Weg. "Die Erweiterung des Standortes ist ein notwendiger Schritt, um unsere Wettbewerbs- fähigkeit und damit die mehr als 440Arbeitsplätze zu sichern", erklärt Unternehmenssprecherin Stephanie Bayer. "Für uns als Anwohner bedeutet das jedoch, dass wir nicht nur eine riesige Halle mit hohen Wänden direkt an unseren Grundstücken haben, sondern auch Lärm", sagt Seidel. Vom Lieferverkehr erwarten sie erhebliche Belastungen. Das wollen sie so nicht hinnehmen. Von der Stadtverwaltung fühlen sie sich im Stich gelassen. "Alle Einwände werden einfach weggewischt. Mit dem Radwegbau sollen offenbar vollendete Tatsachen geschaffen werden."

Eine Einziehung der alten Trasse ist frühestens im Oktober möglich. Bis dahin laufen Einspruchsfristen. Die Chancen dafür stehen aber gut. "Bisher wurden keine Einwände dagegen erhoben", sagt Rathaussprecher Mathias Merz.

Eine Baugenehmigung gibt es noch nicht. Während Tower Automotive erklärt, alle Unterlagen eingereicht zu haben und in Kürze den Bescheid zu erwarten, fehlen nach Aussage von Mathias Merz noch Prüfberichte zum Brandschutz und zur Statik. Außerdem macht die Stadt die Genehmigung vom Abschluss des Radwegbaus abhängig. Stephanie Bayer: "Wir befinden uns aktuell in den finalen Verhandlungen mit regionalen Bauunternehmen". Die Auftragsvergabe soll jedoch erst mit der Baugenehmigung erfolgen.

Mitte August standen die Zeichen noch auf Verhandlung. Die Anwohner waren zu einem Gespräch ins Rathaus eingeladen gewesen. Nach Einschätzung von Udo Seidel und Jan Ebenhöh war dabei ein aufeinander Zugehen nicht erkennbar. Vielmehr hätten die anwesenden Mitarbeiter der Bauverwaltung versucht, ihren Standpunkt durchzusetzen. Vor allem über Alternativen sei nicht gesprochen worden. Laut Tower Automotive wurden andere Standorte geprüft und als nicht geeignet empfunden, darunter auch die Industriebrache Eisenwerk. Da dieses Areal nicht an die Firma grenzt, wäre ein logistischer Aufwand entstanden, der die Wirtschaftlichkeit des Standortes infrage gestellt hätte, sagt Bayer. Eine generelle Verlagerung des Standortes schließt das Unternehmen zwar grundsätzlich nicht aus, will jedoch auch im Interesse seiner Mitarbeiter darauf verzichten. "Auch unsere Fertigungsanlagen sind aus dem Standort heraus nicht verlagerungsfähig", sagt Bayer.

Inzwischen hat Udo Seidel auch das Landratsamt informiert. Die untere Immissionsschutzbehörde war am Genehmigungsverfahren beteiligt. "Die vorgelegte Schallimmissionsprognose konnte bestätigt werden", sagt Sprecherin Ilona Schilk. Aufgrund der Beschwerde werde sich das Amt mit der Stadt und dem Planer noch einmal zum Sachverhalt abstimmen. Für Udo Seidel und Jan Ebenhöh steht fest: "Wir werden rechtliche Schritte einleiten". Dann müsste das Verwaltungsgericht entscheiden, ob gebaut werden darf.

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