Tower Automotive: Streit um Neubau liegt bei Landesbehörde

Die Stadt Zwickau hat den Widerspruch der Anwohner gegen die Baugenehmigung weitergegeben. Bei einer Ablehnung könnte der Fall vor Gericht gehen.

Zwickau.

Der Neubau eines Lager- und Logistikzentrums des Automobilzulieferers Tower Automotive sorgt auch nach dem ersten Spatenstich weiter für Ärger. Die Stadt Zwickau hat jetzt den von den Nachbarn eingereichten Widerspruch gegen die Baugenehmigung nach Chemnitz weitergeleitet. "Wir haben den Widerspruch geprüft und die Landesdirektion einbezogen", sagte Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU). Die Landesbehörde soll nun erneut prüfen, ob bei der Erteilung der Baugenehmigung alle baurechtlichen Vorgaben sowie Forderungen der Nachbarn beachtet worden. "Wenn die Anwohner mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sein sollten, können sie vor das Verwaltungsgericht Chemnitz ziehen", sagte ein Behördensprecher.

Für Tower Automotive ist der Neubau auf dem ehemaligen Gelände der Loser-Chemie ein wichtiges Vorhaben. Mehrere außerhalb des Werkes befindliche Lager sollen zusammengeführt und die Logistik insgesamt effizienter gestaltet werden. Das Unternehmen investiert dafür 7,5 Millionen Euro und will mittelfristig 50 neue Arbeitsplätze schaffen. Das ist ein wichtiger Gesichtspunkt für die Stadt Zwickau. Mit Erteilung der Baugenehmigung ist für die Kommune allerdings auch die schwierige Aufgabe verbunden, sowohl Nachbarschafts- als auch wirtschaftliche Interessen zu wahren.

Von Anfang an wehren sich die privaten Hauseigentümer gegen das Projekt. Sie befürchten vor allem durch die schätzungsweise 150 bis 180 täglich ein- und ausfahrenden Lkw hohe Lärm-und Schadstoffbelastungen. Außerdem fühlen sie sich schon jetzt durch die Stapelung von Gitterboxen Tag und Nacht in ihrer Ruhe gestört. Die Ausweitung verstößt nach ihrer Auffassung zudem gegen geltendes Recht. Das Areal an der Kopernikusstraße sei als ein Mischgebiet ausgewiesen, habe sich jedoch zu einer intensiv industrialisierten Gegend, einem Industriegebiet, entwickelt. "Wir wurden immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt", sagte ein Anwohner.

Tower Automotive und Stadt bestreiten das: Von Anfang sei mit den Nachbarn gesprochen, ihre Befürchtungen in die Planung einbezogen worden. Um den Anwohnern keine Wand vorn die Nase zu setzen, wurde beispielsweise ein an die privaten Grundstücke angrenzender Hallenbereich niedriger geplant. Alle Außenwände wurden zudem nach Lärmschutzprämissen konzipiert. Selbst die Rauchabzugsklappen bekommen eine Schallschutzausführung. Alle Stapler werden elektrisch und damit geräuscharm betrieben. "Die Lärmschutzaufwendungen haben die Baukosten um mehrere Hunderttausend Euro verteuert", sagte Werkleiter Edgar Knabe.

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