Trabi-Gemeinde feiert ihr Kult-Auto

So viele Ostautos wie am Wochenende sieht man in Zwickau selten. Und alle hatten ein Ziel: das Treffen auf dem Flugplatz. So vielfältig und interessant wie die Autos sind auch die Geschichten, die sich um die Zweitakter ranken.

Zwickau.

682 Ostfahrzeuge und noch viel mehr Fans dieser Autos haben sich am Wochenende auf dem Zwickauer Flugplatz ein Stelldichein gegeben, als der Trabant-Club Zwickau zum 12. Trabant- und Ostfahrzeugetreffen eingeladen hat. Schon die Autonummern verrieten, dass die Teilnehmer nicht nur aus der Region, sondern aus ganz Deutschland, ja sogar aus Tschechien, Polen, Dänemark und Frankreich angereist waren, um zu fachsimpeln und Ersatzteile zu tauschen. Im Landkreis Zwickau fahren wieder mehr Leute Trabi: Aktuell sind 933 Trabant angemeldet, sagt Landkreissprecherin Ilona Schilk. Vor fünf Jahren waren es 844.

Schon als Zehnjähriger hatte sich Christopher Ehrhardt aus Schönbrunn im Vogtland seinen heutigen Trabi reserviert. "Den hat mein Pap damals von einem Arbeitskollegen bekommen. Und er stand zehn Jahre bei uns, ehe ich ihn aufgebaut habe", erzählt der 21-Jährige, der, wie er sagt, aus einer Trabi verrückten Familie kommt. Schon als Kind sei er mit bei Trabi-Treffen gewesen. In den Ferien ging es früher mit der "Pappe" bis nach Norwegen und Schweden.

Ehrhardt berichtet, dass er eigentlich schon mit 18Jahren beginnen wollte, die gletscherblaue Limousine mit dem delfingrauen Dach, die mit Baujahr 1988 zehn Jahre älter ist als er selbst, auf Vordermann zu bringen. "Doch als Lehrling hatte ich zu wenig Geld dafür. Deshalb habe ich erst nach der Ausbildung mit den Arbeiten begonnen", erläutert der Industriemechaniker, der extra einen Teil seines Wochenenddienstes getauscht hat, um auf dem Flugplatz dabei sein zu können.

Der Vogtländer berichtet, dass er inzwischen schon einige Spritztouren unternommen hat, beispielsweise auf dem Fichtelberg war. Damit Christopher Ehrhardt bei größeren Reisen oder Trabi-Treffen auch gleich eine Übernachtung hat, besorgte sich der junge Mann ein Trabidachzelt, wie es Gerhard Müller aus Limbach-Oberfrohna zu DDR-Zeiten erfunden und gebaut hat. "Ein früherer Lehrling von ihm hat jetzt in Wechselburg eine Sattlerei und produziert dort noch diese Zelte", erzählt der Trabi-Fan. "Schlafen kann man darin wunderbar. Wenn viel Wind weht, schaukelt es allerdings ganz schön durch die große Angriffsfläche."

In der letzten Minute vor der Schrottpresse gerettet hat Mathias Przibyla aus Großbrembach im Landkreis Sömmerda seinen Trabant Kombi Camping. "Das Auto stand 2001 schon auf dem Gabelstapler Richtung Presse, und dessen Fahrer wollte es nicht wieder abladen", erzählt der 47-Jährige. "Ich bin dann einfach aufgesprungen und habe den Zündschlüssel rumgedreht. Das rief den Schrottplatz-Chef auf den Plan. Als der aber hörte, dass ich für den Trabi 250Mark hinblättern will, lenkte er ein und ich dufte ihn mitnehmen."

Przibyla erzählt, dass keine 1000Stück von diesen speziellen Zweitaktern mit Schiebedach gebaut worden seien. Und sein Exemplar hat er liebevoll restauriert, sodass man ihm die 55 Jahre nicht ansieht. "Als mein Vater seinen demolierten Trabi verschrottet hat, habe ich das Wenige, was noch ganz war, abgebaut und in einem Karton verstaut. Als ich Jahre später den Schriftzug und die Blinker aus dem Karton genommen und hier rangemacht habe, da hab' ich ehrlich gesagt Rotz und Wasser vor Rührung geheult", erinnert sich der Großbrembacher. Die Stunden, die er in den Kombi Camping gesteckt hat, habe er nicht gezählt. "Aber die spielen auch keine Rolle. Ich habe es ja gern gemacht", sagt der Mann.

675 Kilometer Anreise hatte Sebastian Sonntag zum Treffen. Der 37-Jährige berichtet, dass er gebürtiger Roßweiner ist, aber als Kind am 13. November 1989 mit Vater und Geschwistern in den Westen ging, nachdem seine Mutter bereits vorher bei einem Besuch in der Bundesrepublik geblieben war. Sebastian Sonntag lebt jetzt in Flensburg und arbeitet in Dänemark. Zum Treffen nach Zwickau kommt er immer gern. Überhaupt ist der Mann, der von seinen Freunden Trabi-Bastian genannt wird, trotz der großen Entfernung oft in Sachsen, weil er in Chemnitz eine Freundin hat, mit der er seine Liebe zu Ost-Fahrzeugen teilt. Den Trabant hat Sonntag vor sechs Jahren gekauft und liebevoll wieder hergerichtet. "Wir haben herausbekommen, dass er früher von einem Glauchauer gefahren wurde, die Adresse ausfindig gemacht und ihn besucht", erzählt Sebastian Sonntag, der neben dem Trabant auch Barkas, Wartburg und Wolga in seinem Fahrzeugbestand hat.

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