Unterschlagung war auch Rache für Mobbing

Die ehemalige Leiterin eines Gästehauses hat 9300 Euro aus Kundenrechnungen unterschlagen. Sie fühlte sich ausgebeutet.

Zwickau.

Wegen Untreue wurde eine 54-jährige Zwickauerin am Donnerstag am Zwickauer Amtsgericht zu neun Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Der Richter setzte die Strafe allerdings zur Bewährung aus. Dass sie nicht ins Gefängnis muss, hat sie unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass die ehemalige Leiterin eines Zwickauer Gästehauses ein Geständnis ablegte und zugab, knapp 9300 Euro aus Gästerechnungen auf ihr eigenes Konto umgeleitet zu haben.

Laut Staatsanwaltschaft hat sie auf den Rechnungsformularen statt der Bankverbindung ihres Arbeitgebers mittels Computer ihre eigene eingetragen. Etwa 18 Monate war das fehlende Geld niemandem aufgefallen. Erst, als sie im Mai 2017 aus gesundheitlichen Gründen kündigte, wurde die Differenz entdeckt.


Aus ihrer Sicht hatte die Angeklagte, die für Reservierungen und die Rechnungslegung in dem Gästehaus allein verantwortlich war, gute Gründe, sich am Geld ihres Arbeitgebers zu bedienen. Sie sprach anfangs stockend, dass es gewisse Vorfälle gegeben habe, wurde dann jedoch konkreter. "Ich wurde regelrecht ausgenutzt", sagte die Frau, die jetzt von Hartz IV lebt. Sie habe sehr viel arbeiten müssen - quasi vom Frühstück bis zum Abend -, und das nicht nur in Zwickau, sondern auch in anderen Objekten des Unternehmens. Besonders schlimm sei es gewesen, wenn in dem Gästehaus Weihnachtsfeiern durchgeführt wurden und sie gleichzeitig den Gästebetrieb absichern musste. "Auch am Tag der Einschulung meiner Tochter wurde ich zur Arbeit gedrängt", sagte sie. Als Dank dafür sei sie zudem noch gemobbt worden. Irgendwann habe es gereicht, und sie griff in die Firmenkasse. "Ich wollte ihnen einfach nur wehtun", sagte sie dem Gericht unter Tränen. Ihren Job habe sie schließlich nach einem Nervenzusammenbruch aufgegeben.

Staatsanwalt Ansgar Orlik hatte zwar Verständnis für die Situation der Frau, stelle jedoch fest: "Sie haben den falschen Weg gewählt, sich zu wehren." Gegen die Ausbeutung hätte sie arbeitsrechtlich vorgehen müssen. Das sah auch Richter Heiko Eisenreich so und machte der Frau deutlich, dass sie froh sein könne, in diesem Verfahren mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen zu sein. Denn die Angeklagte ist bei der Justiz keine Unbekannte. Seit der Jahrtausendwende stand sie neunmal vor Gericht, in den meisten Fällen wegen Untreue und Betrug. Da die Angeklagte das Urteil akzeptierte und auch der Staatsanwalt auf Rechtsmittel verzichtete, ist das Urteil rechtskräftig. Bestandteil ist, dass sie das unterschlagenen Geld zurückzahlen muss. Richter Eisenreich riet ihr, zur Rückzahlung schnell eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft zu treffen.

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