Unterwegs auf dem Lebensweg

Streetworker Elfried Börner hat viele Jugendliche inschwierigen Situationen begleitet. Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben. Ein optimistisches.

Zwickau.

Manchmal sind junge Leute schwierig. Kaum einer weiß das besser als Elfried Börner und seine Kollegen. Und doch blickt der Zwickauer Streetworker mit so viel Zuneigung auf Westsachsens Jugend, dass er sich kaum vorstellen kann, diesen anstrengenden Beruf jemals gegen einen Ruhestand einzutauschen. "Ich habe so viele junge Menschen erlebt, in einem Alter, in dem sie schwierig waren", sagt der Sozialarbeiter, der Tausende Kilometer zu Fuß zurückgelegt haben muss. "Wenn man sie fünf oder zehn Jahre später wiedertrifft, hat sich bei ihnen vieles gefügt."

Börner, gelernter Zimmermann und Draußen-Mensch, hat mit 38Jahren noch einmal neu angefangen - in der Sozialarbeit. Er wollte jungen Menschen aus Schwierigkeiten helfen. Das war 1997, Elfried Börner wagte vom Zwickauer Lutherkeller aus den ersten Schritt in ein neues Leben. Auf die Straße. Seitdem hat er nie aufgehört zu laufen, die Straßen zu durchstreifen, auf Menschen zuzugehen. Zum Dienstjubiläum nach 20 Jahren hat er begonnen, ein Buch zu schreiben. Nicht, weil es Zeit war zurückzublicken, sondern weil er es so dahingesagt hatte. Damals, als er sich in Köln mit einem BMX-Fahrer unterhielt und der nach dem Grund für Börners Neugier fragte. "Ich habe damals einfach gesagt: Vielleicht schreibe ich mal ein Buch."


Nun hält er das Buch gedruckt in Händen - eine Art Rechenschafts-bericht darüber, was Börner in Zwickau, Werdau und Umgebung gesehen, gehört und gefühlt hat. Nicht nur er, im Gegenteil: Es gibt viele Sozialarbeiter - wenn auch nicht genug. Einige seiner Mitstreiter haben ihm die Freude bereitet, Börners Text um eigene Erlebnisse zu ergänzen. "Das ist kein Ein-Mann-Projekt. Ich hatte immer Kolleginnen und Kollegen, auch Ehrenamtler haben das Ihre getan", sagt Börner. "Aber man kennt eben mein Gesicht." Eines mit blauen Augen, die freundlich auf dem Gesprächspartner ruhen, die ihn aber auch festhalten können. Auch wenn das Buch mit dem Titel "Teenager - unterwegs in der Stadt" über die Arbeit der Streetworker berichtet, ist es kein vordergründiges Sachbuch. "Ursprünglich wollte ich eine Chronik schreiben. Aber das liest ja kein Mensch", sagt er. "Ich wollte Lesegeschichten schreiben, von Menschen erzählen: lustige, traurige, nachdenkliche Geschichten." Und so liest man von Mädchen, die auf Teufel-komm-raus die Leute provoziert haben, von Russlanddeutschen, die in der Heimat ihrer Ahnen gar nicht oder nur schwer ankommen. Von Ausflügen, die Teenager an die Grenzen ihrer Laufbereitschaft gebracht haben, und die dennoch aus einer Ansammlung von Menschen eine Gruppe gemacht haben.

All das hat er aufgeschrieben in einer Sprache, die man von ihm kennt. Die auch die Jugendlichen verstehen. Denn dass er die Sprache seiner Schützlinge spricht, dass er auch ihre Gedanken versteht - das gehört zum Erfolgsrezept eines Sozialarbeiters. Und noch mehr: "Du brauchst Offenheit und den Willen zum wertfreien Erfahren", sagt Elfried Börner. Denn er weiß, dass er nur dann mit seinen jungen Leuten ein Stück gemeinsam gehen kann, wenn er zwar die Richtung vorgibt, ihnen aber das Laufen selbst überlässt. Unterwegs, sagt er, lernt man die Menschen anders kennen. "Man blickt durch das Dunkel auf das Licht."

Die Lese- und Lebensgeschichten von Elfried Börner sind bei aller Traurigkeit, bei all den Momenten, die einen behütet aufgewachsenen Menschen den Atem stocken lassen, doch optimistische Geschichten. Denn die Jahre, die Lebenserfahrung und liebende Menschen können aus schwierigen jungen Leuten Menschen machen, die nach vorn blicken. Doch es steckt viel Arbeit in jeder einzelnen Erfolgsgeschichte. Immer dann, wenn es um Drogenabhängigkeit geht, bleibt kaum Kraft und Zeit für anderes. "Da bleiben viele andere auf der Strecke", sagt Börner und befindet, dass die Anzahl der Sozialarbeiter nicht reicht, um wenigstens dieses eine kleine Stückchen Welt zu retten. Doch es sind nicht nur sie: "Wir brauchen mehr Menschen, die verbindend wirken anstatt spalten zu wollen."

Das Buch "Teenager - unterwegs in der Stadt" von Elfried Börner und anderen gibt es in der Geschäftsstelle der Stadtmission Zwickau, Lothar-Streit-Straße 14, bei Lesungen, auf dem Stadtfest und bei "Zwikkifaxx". Es kostet eine Spende - die Höhe bestimmt jeder selbst.

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