Verfahren gelaufen

Schwansinn: Was die Region in dieser Woche bewegte

Es gibt Situationen im Leben, da flunkert man ein bisschen. Einfach nur, um etwas Lästiges nicht tun zu müssen, obwohl man genau weiß, dass der Schwindel auffliegt und man danach trotzdem Ärger bekommt. Zum Beispiel, wenn meine Frau fragt, ob ich Schwiegermutter schon zum Geburtstag gratuliert habe. Ja, ja, sicher doch. Obwohl ich genau weiß, dass die Wahrheit eher früher als später doch sowieso rauskommt.

Ich habe sozusagen Verständnis dafür, wenn Leute in der Öffentlichkeit das Gegenteil dessen behaupten, was sie eigentlich vorhaben. Wenn Angela Merkel zum Beispiel öffentlich im Fernsehen verkündet, mit ihr werde es keine Pkw-Maut geben, nur um die Abgabe dann doch in den Koalitionsvertrag zu schreiben. Oder wenn Martin Schulz beteuert, nie in eine Regierung Merkel eintreten zu wollen, nur um sich ein paar Wochen später als Außenminister aufzudrängeln. Man könnte jetzt die beiden verteidigen und damit argumentieren, dass sie eben ihre Meinung geändert haben, dass man das respektieren müsse, dass sie ursprünglich wahrscheinlich gar nicht schwindeln wollten, sich die Umstände aber geändert hätten. Solche Rechtfertigungen brauche ich aber gar nicht, um das zu verstehen. Und Schwiegermutter auch nicht.

Deshalb Schwamm drüber, dass die Zwickauer Arbeitsagentur noch vor einem halben Jahr Stein und Bein geschworen hat, es stehe noch nicht fest, wo man hinziehen werde. Zwar hatte da das Rathaus schon den Bauantrag auf der Gardeko-Brache genehmigt und das auch öffentlich gemacht. Aber die Agentur hat getan, was man in solchen Fällen eben so tut, nämlich auf ein laufendes Verfahren verwiesen. Seit dieser Woche wissen wir, dass es nun doch auf die Gardeko-Brache geht, und zwar schon bald. Im November 2019 sollen die Büros bezogen sein. Wie praktisch, dass zufällig sogar schon eine Baugenehmigung vorliegt.

Meine Frau hat mir übrigens inzwischen die Leviten gelesen. Ich hätte ja in Wahrheit gar nicht angerufen. Ich habe versucht, das zu erklären. Der Anruf war sozusagen ein laufendes Verfahren, verzwickt und zugenäht.

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