Vom Mittelalter in die Neuzeit - an einem einzigen Tag

Am Samstag war Zeitsprungtag. Zahlreiche Zwickauer und Gäste nutzten die Chance zu einem Blick in die Vergangenheit. Mit etwas Selbstbeteiligung.

Zwickau.

Die Industriekultur ist das Pfund, mit dem die Zwickauer Region wuchern kann, nicht erst bei der Landesausstellung 2020. Auch am Samstag, vom Verein "Tourismusregion Zwickau" zum Zeitsprungtag gekürt, stellten Museen das eindrücklich unter Beweis. "Freie Presse" hat drei Veranstaltungen besucht und dabei festgestellt, dass vor allem junge Besucher die Geschichte praktisch erleben wollen.

Mittelalter: "Und damit soll man schreiben können?" Die neunjährige Sophia betrachtet die Feder in ihren Händen skeptisch. "Im Mittelalter hatten die Menschen nichts anderes als Gänsefedern oder manchmal auch Schwanenfedern", erklärt der pädagogische Mitarbeiter in den Priesterhäusern, Matteo Rebeggiani. Am Zeitsprungtag zeigt das Museum, wie zum Beispiel Martin Luther einst seine Werke verfasste. Tatsächlich eignet sich auch heute noch jede Gänsefeder zum Schreiben. Man braucht nur einen gerade geschnittenen Kiel, den man einkerbt, handelsübliche Tinte und etwas Fingerspitzengefühl. Vor allem beim Aufsetzen entstehen schnell Kleckse. Sonst kann jeder mit ruhiger Hand mit der Feder schreiben, auch wenn man länger braucht als mit einem Kugelschreiber. Auch Sophia benötigt mehrere Versuche, ehe es mit ihrem Brief an die Oma mit Federkiel und Tinte klappt.

Früheres 20. Jahrhundert: Industriekultur, das heißt in der Region vor allem Automobilbau. Bei der Fotoausstellung, die am Samstag im August-Horch-Museum eröffnet wurde, geht es allerdings nicht um die Fahrzeuge, sondern um die Gebäude, in denen sie gefertigt wurden. Zehn Monate war der Berliner Fotograf Stefan Warter unterwegs, um die Bauten der Auto-Union und deren Vorgängerfirmen zu fotografieren. Sein Fazit: "Von der Auto-Union sind die meisten Gebäude erhalten". Dabei gab es klare Vorgaben. Matthias Kaluza sammelte viele alte Fotografien der Werkhallen. Warter hat, sofern das möglich war, aus dem gleichen Blickwinkel den jetzigen Zustand im Bild festgehalten. Entstanden ist ein Buch mit 160 Seiten und 240 Fotos. Die erklärenden Texte hatte Martin Kukowski im Jahr 2007 verfasst, lange bevor die Idee zum Buch entstand. Etwa 30 Fotos aus dem Buch werden im Großformat im Horch-Museum gezeigt.

1940er-Jahre und später: Das Wort Smartphone ist im Haus der Entdecker im Reinsdorfer Ortsteil Friedrichsgrün am Samstag immer wieder zu hören. Denn da ist der Taschenrechner inklusive. Daher ist es für den zehnjährigen Steven nur schwer zu verstehen, dass es sich bei den vergleichsweise riesigen Kästen mit den großen Tasten um Rechenmaschinen handeln soll. "Mitnehmen konnte man die nirgendwohin", umschreibt er das Problem. Noch schlimmer: Die ersten Geräte konnten nur addieren und subtrahieren. "Das ist viel zu wenig Leistung." Regelrecht erschrocken ist Steven über die Geräuschkulisse, die alte Registrierkassen erzeugen. "Das ist ganz schön laut", sagt er. Dass man ganz frühe Modelle noch mit einer Handkurbel betreiben musste, findet er hingegen schon wieder spannend, auch wenn er sich nicht so recht erklären kann, wie da ein Ergebnis zustande kommen kann. Die Ausstellung von alten Rechenmaschinen ist dauerhaft im Haus der Entdecker zu sehen.

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