Von den Folgen des jahrelangen Jammerns

Welche Werte strahlen Unternehmen aus? Sind Kunden, Maschinen oder Mitarbeiter in den nächsten zehn Jahren das kostbarste Gut? Und was ist mit Profit? Antworten darauf gab das 14. Wirtschaftsforum.

Zwickau.

Von trockenen Vorträgen mit vielen Zahlen hält Cay von Fournier gar nichts. Am liebsten vermittelt der Experte auf dem Gebiet der Unternehmensführung sein Wissen und seine Erfahrungen pointiert. Das konnten gestern die etwa 130 Gäste des 14. Wirtschaftsforums im Bürgersaal des Zwickauer Rathauses erleben. Sie durften aufstehen, die Augen schließen und sich dann mit dem Gesicht nach Norden ausrichten. Das Ergebnis war keinesfalls eine einheitlich ausgerichtete Formation. "Sie standen kreuz und quer, manche Rücken an Rücken und andere wiederum sich gegenüber", schmunzelte Fournier. Er wollte verdeutlichen: Wissen, Werte, Gemeinschaft und damit eine ganzheitliche Unternehmensführung gehören zu den Grundlagen für den Erfolg.

Fournier zählt bundesweit zu den Topreferenten. Der 51-Jährige gründete bereits mit 22 eine Softwarefirma und promovierte später sowohl in Medizin als auch in Wirtschaftswissenschaften. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Schmidt Colleg, die Unternehmer und deren leitende Mitarbeiter weiterbildet.

Im Fokus stehen bei ihm Visionen, Menschen und Werte. Wie oft, so fragt er in das Auditorium, kommen Unternehmer nach Hause und jammern - über Mitarbeiter, Kunden, Dienstleister, jahrelang. Wenn dann Sohn oder Tochter mit Mitte 20 die Unternehmensnachfolge ablehnen, sei die Ratlosigkeit in den meisten Unternehmerfamilien groß. Es sei in diesen Fällen versäumt worden, den Kindern den Spaß am Unternehmersein, den Mut zu Visionen und Werte an sich zu vermitteln.

Im gleichen Fokus sieht er auch die Mitarbeiter einer Firma. Sie seien jedoch betriebswirtschaftlich negativ behaftet: "Wir sprechen von Anlagevermögen und Personalkosten - ist das nicht lachhaft?" Etwas, das jährlich an Wert verliert und abgeschrieben wird, sei positiver besetzt als der Mensch, der im Normalfall durch Wissen und Erfahrung immer besser wird. Fournier appellierte deshalb an die Gäste, die Mitarbeiter mit in den Fokus unternehmerischer Entscheidungen zu stellen. Viele Firmen klagten mittlerweile über Personal- und Fachkräftemangel. Ein Wunder? Schließlich sei die Wirtschaft viele Jahre lang nicht zimperlich mit Belegschaften umgegangen. Schnelles Geldverdienen und tolle Börsenkurse seien wichtiger gewesen als gut ausgebildete Frauen und Männer. Nun habe sich die Situation geändert. Mitarbeiter seien heute in der Situation, sich ihre Arbeitsstätte auszusuchen. "Und sie gehen garantiert nicht dahin, wo es in der Vergangenheit schlechte Nachrichten gab und Belegschaften schlecht behandelt wurden", meinte Fournier. Mit einem schlechten Image kämpft beispielsweise noch heute die ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie, wo in den 1990er-Jahren viele Mitarbeiter entlassen und Betriebe geschlossen wurden. Heute ist es für die mittlerweile erfolgreiche Branche oft schwer, Lehrlinge zu gewinnen.

Eine Ausbildung in Unternehmensführung bietet übrigens auch die Westsächsische Hochschule an. Dabei werden unter anderem Führungskompetenz und strategisches Management gelehrt. Die Studenten sollen neben Managerwissen auch fachliche und soziale Kompetenz erwerben.

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