Von Mülsenern wird viel Geduld erwartet

15 Kilometer der Mülsener Hauptstraße gehören der Gemeinde. Die denkt aber gar nicht daran, die vom Freistaat vernachlässigte Straße auf eigene Kosten zu reparieren.

Mülsen.

Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul, sagt der Volksmund. Doch wenn es sich nicht um ein Pferd, sondern um eine Straße handelt, lohnt es sich schon, genau hinzusehen.

Im Mülsener Rathaus hat man genau hingesehen, als der Freistaat dem Dorf 15 Kilometer Hauptstraße vermacht hatte. Mit dem Neubau der Freitagstraße im Jahr 2008 hatte das Straßenstück von der Klatschschänke bis zur Schmutzlerbrücke seine überregionale Funktion verloren. Doch der Zustand der Straße war schon damals an vielen Ecken und Enden mies. Mülsen wehrte sich gegen dieses Geschenk, zog sogar bis vors Chemnitzer Verwaltungs- und Bautzener Oberverwaltungsgericht, verlor jedoch. Zähneknirschend akzeptierte die Gemeinde, forderte jedoch, dass der Freistaat für seinen Reparaturrückstau Geld zahlt. Dass die Straße baufällig ist, räumten selbst die Oberverwaltungsrichter aus Bautzen in ihrem Urteil im Jahr 2015 ein. In ihren Augen sei die Hauptstraße eine verbesserungswürdige Straße, zu schmal, seitlich nicht befestigt, streckenweise fehlen Bürgersteige. Mülsens Bürgermeister ging schon 2014 von einem zweistelligen Millionenbetrag aus, den die Reparatur kostet. Fünf Jahre später ist die Straße bis auf die neuen Abschnitte in Jacob nicht besser geworden. Ortmannsdorfer haben zur 800-Jahr-Feier des Ortsteils mit dem Gerippe "Mülsi" auf die miese Straße hingewiesen und tun es noch immer.


Freund ist nicht glücklich über dieses Hickhack, sieht aber nach wie vor den Freistaat in der Pflicht. Warum der nicht zahlt, dazu gab das Landesstraßenbauamt bis Donnerstagabend keine Antwort.

Indes haben Gemeinde und Landkreis Zwickau vor wenigen Tagen für die Abschnitte der Neuschönburger Straße zwischen Schmutzlerbrücke und Hausteich Vereinbarungen zum Ausbau abgeschlossen. Dieses Teilstück der ehemaligen Staatsstraße war von einer Kreisstraße überlagert, die nun dem Landkreis gehört. In der Vereinbarung geht es darum, dass Abschnitte der Ortsdurchfahrt Neuschönburg und Ortmannsdorf als Gemeinschaftsmaßnahme ausgebaut werden sollen. Diese Vereinbarung ist Grundlage, damit der Landkreis weiter planen kann, auch Medienleitungen, Stützbauwerke und Gehwegarbeiten beauftragen sowie erforderliche Fördermittel beantragen kann. Zeitlich festgelegt wurde noch nichts, erklärte Freund. Es sei aber festgeschrieben worden, dass der Ausbau in mehreren Abschnitten erfolgen wird. Beim ersten und zweiten Bauabschnitt handelt es sich um die Neuschönburger Straße zwischen den Hausnummern 1 (etwa 50 Meter nach der Schmutzlerbrücke) und 126 (Abzweig nach Heinrichsort). Die Grenze zwischen dem ersten und zweiten Bauabschnitt bildet der Hegebach bei Hausnummer 19. Der im Zuge des Stütz- mauerbaus bereits ausgebaute Abschnitt ist nicht Bestandteil dieser Vereinbarung. Beim dritten Bauabschnitt handelt es sich um die Neuschönburger Straße zwischen der Hausnummer 126 (nahe Abzweig nach Heinrichsort) und dem Parkplatz am ehemaligen Badeteich.

Der Landkreis bekennt sich zu seiner Pflicht: "Ohne Frage müssen noch weitere Bauabschnitte folgen, bis eine durchgängige Befahrbarkeit der genannten Strecke in angemessener Verkehrsqualität möglich sein wird", sagt Landkreissprecherin Ilona Schilk. Allerdings sei seit der Übernahme der Straßenbaulast durch den Landkreis Zwickau 2011 schon einiges getan worden. Die demnächst beginnende Erneuerung der Schmutzlerbrücke ist das fünfte Straßenbau-Teilvorhaben in Ortmannsdorf und Neuschönburg in Landkreis-Zuständigkeit.

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