VW fährt in Zwickau elektrisch: Letzter Verbrenner gefertigt

Der Konzern sieht den Standort nun ganz im Zeichen der Elektromobilität.

Zwickau (dpa) - Ende und Anfang zugleich: Im Zwickauer Werk des Autobauers Volkswagen ist am Freitag das letzte Fahrzeug mit Verbrennungsmotor vom Band gelaufen. Während der weiße Golf Variant nach 116 Jahren eine Ära in der Automobilstadt beendet, soll der vollelektrische ID.3 eine neue begründen.

«Ab jetzt steht der Standort Zwickau ganz im Zeichen der Elektromobilität», sagte Reinhard de Vries, Geschäftsführer Technik und Logistik bei Volkswagen Sachsen. Am Montag beginnt demnach der Umbau, damit bis Ende des Jahres eine zweite Montagelinie für E-Autos steht.

Trotz des Blicks nach vorn sei bei den Mitarbeitern an diesem Tag auch eine Menge Wehmut dabei, sagte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jens Rothe. Zwickaus Tradition als Wiege des Automobilbaus nahm 1904 seinen Anfang mit August Horch.

Rückblick: Die automobile Tradition Zwickaus

116 Jahre lang wurden in der westsächsischen Stadt Autos mit Verbrennungsmotor gefertigt. "Der Horch 14-17 PS war 1904 das erste Fahrzeug und damit auch der erste Verbrenner, der in Zwickau gebaut wurde", erklärt Bernd Czekalla vom Förderverein des Zwickauer August Horch Museums.

Gemessen an der Stückzahl nahmen sich die Anfänge der Zwickauer Automobilproduktion bescheiden aus: Gerade einmal 21 Wagen wurden 1904 gefertigt, 31 Fahrzeuge waren es 1905. Im Vergleich dazu baut VW in Zwickau derzeit 270 E-Autos pro Tag. Perspektivisch sollen es rund 330 000 im Jahr sein. Neben Volkswagen hat die Marke Audi ihre Wurzeln in Zwickau: 1909 von Automobilpionier August Horch gegründet, wurden bis 1940 rund 11 000 Autos mit den vier Ringen in Zwickau gebaut.

Seit 1990 liefen in der westsächsischen Stadt mehr als sechs Millionen Volkswagen vom Band und damit knapp doppelt so viele wie vom DDR-Kultauto Trabant, das von 1957 bis 1991 im VEB Sachsenring produziert wurde - dem Nachfolger der zu DDR-Zeiten zwangsvereinten Werke von Horch und Audi.

Der letzte Trabi - in knallpink und schon mit VW-Motor ausgerüstet - rollte am 30. April 1991 vom Band direkt ins Museum, während Volkswagen bereits ab 21. Mai 1990 den VW Polo in Zwickau produzierte. Das Werk, in dem der Autobauer mitten in der Wendezeit die Fertigung aufnahm, war ab Mitte der 80er eigentlich für die Erweiterung der Trabant-Produktion errichtet worden, erläutert Auto-Enthusiast Czekalla. Dazu kam es allerdings nie. Stattdessen wurden im Stadtteil Mosel ab 1993 der Golf und ab 1996 der Passat gefertigt. In Summe wurden in Zwickau seit den Anfängen bis heute 9,5 Millionen Autos gebaut.

 

 

10Kommentare
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  • 2
    1
    Pixelghost
    27.06.2020

    Ich fahre mein Leben lang keinen Verbrenner aus Zwickau und das wir auch so bleiben.

    Die extrem lange Nutzungsdauer hat meiner auch.

  • 1
    7
    an33dy
    27.06.2020

    So, jetzt mal ein optimistischer Kommentar. Wem das zu blöd ist mit dem Laden, ist ja auch eine Zumutung 2x die Woche über Nacht den Stecker reinzustecken und die Reichweite zu kurz, schrecklich der Gedanke auf dem Weg an die Ostsee 2 Pausen zu machen, der bleibt halt bei seinem alten Fahrzeug und behält sein Halbwissen für sich. Hier hängen ne Menge Arbeitsplätze dran. Ich bin zuversichtlich das die neue Technik funktioniert und auch gut angenommen wird.
    Her mit den roten Daumen.

  • 1
    5
    klapa
    26.06.2020

    So wird die First Edition mit 58 kWh Batteriekapazität für 420 Kilometer keine 32.000 Euro mehr kosten. Und wenn später das Basismodell mit 45 kWh und einem Aktionsradius von 330 Kilometern kommt, gibt’s das Ticket ins Elektrozeitalter schon in Richtung 20.000 Euro.

    Was allerdings so gar nicht zum selbst erklärten Qualitätsweltmeister passen will, ist die Materialauswahl im Innenraum, die von oben nach unten und von vorn nach hinten mit jedem Zentimeter ärmlicher wird. – ADAC

    Marktforschung ist ein Kernelement jeder Form von Konzernpolitik. Wieviele Bestellungen liegen, nicht nur in Sachsen an, dass sich die Produktion lohnt? Wie sehen die technischen Vergleiche mit der Konkurrenz aus?

    Ist dieses E-Auto bereits in einem halbwegs strengen Winter getestet worden, oder vertraut man auf den Klimawandel?

    Ich gratuliere jedem Käufer, der seinen herkömmlichen Wagen gegen dieses 'Ticket in die Zukunft' eintauscht.

  • 6
    4
    Deluxe
    26.06.2020

    Ich fahre mein Leben lang nur Verbrenner aus Zwickau und so wird das auch bleiben.

    Nachhaltig und umweltschonend durch extrem lange Nutzungsdauer.

  • 9
    4
    Tauchsieder
    26.06.2020

    Na dann, gute Nacht und Prost Mahlzeit!

  • 12
    5
    Einspruch
    26.06.2020

    lax123, ich glaube, Sie sehen das zu optimistisch. Wir steuern auf unsichere Zeiten zu, viele fallen in die Kurzarbeit oder verlieren ihren Job. Wir sind und bleiben Niedriglohnland. Wieso soll man ein Auto kaufen, dass für viel Geld weniger bietet und einen zwingt, mehrere Stunden in der Woche für das Aufladen einzuplanen, um dann ein paar kilometer zu fahren. Nur aus Technikbegeisterung und wegen der bunten Mäusekinos im Cockpit sicher nicht. Anwendungsmöglichkeiten sehe ich allenfalls bei Behörden, wo es nur um Steuergelder geht, oder Firmen mit kurzen innerstädtischen Wegen, oder Carsharing Unternehmen, wo das Fahrzeug nach Gebrauch regelmäßig an einer Ladestation stehen kann. Auf dem Carsharing Markt ziehen sich manche Anbieter aber auch zurück, weil es nicht so angenommen wird wie erhofft.

  • 13
    4
    mops0106
    26.06.2020

    Damit ist wahrscheinlich die nächste Pleite für unsere Region besiegelt.

  • 13
    4
    Lesemuffel
    26.06.2020

    Wieso eine große Chance für ab die Region. Die für die nächsten Jahre zu produzierenden Ladenhüter , den damit ab einhergehenden Personalabbau, folgerichtige Kurzarbeit wollten andere Standorte nicht haben. Der Testfall darf in Sachsen erfolgen.

  • 12
    4
    Mathias11
    26.06.2020

    ID3 ist und bleibt ein Nischenprodukt, 40.000 € und kommst kaum aus Zwickau raus, dis Fabrik wird bald schließen, kein Absatz.

  • 5
    18
    lax123
    26.06.2020

    Endlich! Das ist eine große Chance für die Region.