VW kassiert Straße ein und schlägt neue Brücken im Werk

Auf einer Versammlung im Zwickauer Stadtteil Mosel hat der Autokonzern erstmals öffentlich über sein Vorhaben gesprochen. Einwohner sind besorgt.

Zwickau.

Es ist das erste und einzige Mal an diesem Abend, dass der Saal applaudiert. Der Beifall gilt nicht etwa der Zwickauer Stadtspitze oder den Vertretern von Volkswagen, die gerade ihre Anbaupläne vorgestellt haben, sondern Martin Fischer. Fischer ist Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Mosel, doch gesprochen hat er als Anwohner. "Ich möchte anregen, dass man in Mosel nicht immer nur den Industriestandort sieht", sagt er. "Hier wohnen auch viele Menschen, und sie wohnen hier gern. Wenn Mosel Lebensqualität verliert, wenn Einzelhändler weggehen würden, dann wäre das schade. Dann würden Leute wegziehen."

Die Teilnehmer, die am Mittwochabend zur Einwohnerversammlung in die Moseler Sporthalle gekommen sind, nehmen den geplanten VW-Ausbau mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. Einerseits sehen sie ein, dass die Werkserweiterung dem Standort hilft, andererseits sorgen sie sich um die Zukunft ihrer Ortschaft. Denn der VW-Konzern strebt offenbar einen Ausbau in recht erheblichem Ausmaß an.

Der Autobauer will die nierenförmige Grünfläche zwischen den Gleisen und der Bundesstraße (siehe Foto) in das bestehende Werk integrieren. Den Platz brauche man für die Umstellung auf Elektromobilität. Laut den VW-Vertretern ist noch nicht entschieden, welcher Anteil der neuen, 220.000 Quadratmeter großen Fläche bebaut werden soll. Man strebe aber ein Baurecht auf 90Prozent des Areals an, theoretisch könnten somit Gebäude unmittelbar an die Bundesstraße 175 angrenzen.

Die Erweiterung hat für Anwohner und Pendler allerdings den Wegfall der Glauchauer Straße zur Folge. Die Kreisstraße verläuft mitten durch die Erweiterungsfläche und ist die direkte Verbindung zwischen Mosel und der Bundesstraße. Schon seit dem Umbau des Knotens können Autofahrer aus Richtung Glauchau nicht mehr links nach Mosel abbiegen. In Zukunft soll die Straße komplett wegfallen, weil sie dann auf Werksgelände liegt.

Anwohner sehen darin ein großes Problem. Der Ortschaftsrat hat zwar einstimmig der Erweiterung seinen Segen gegeben, warnt aber vor Nachteilen für den Einzelhandel. Man sei in Sorge, dass die Norma-Kaufhalle verloren gehen könnte, hieß es. Der Lebensmittelhändler liegt direkt an der Glauchauer Straße und kann nur noch aus südlicher Richtung angefahren werden. Es gibt noch keine Aussagen darüber, ob dadurch die Kunden weniger geworden sind. Die VW-Pläne hätten zur Folge, dass die Glauchauer Straße zur Sackgasse wird und kurz hinter dem Norma-Markt an der Brücke endet.

Unklar ist bisher, wie viele und welche Gebäude VW auf dem neuen Areal errichten will. In jedem Fall ein Problem wird der Werksverkehr. Die Erweiterungsfläche und das bestehende Werk sind durch die Bahnlinie getrennt. Die Schienen werden nicht verlegt, daher muss eine andere Lösung her, um die verschiedenen Teile des Werkes miteinander zu verbinden. Nach Angaben eines VW-Vertreters ist eine Brückenkonstruktion zwischen den Gebäuden auf beiden Seiten der Bahnlinie geplant. Diese soll jeweils innerhalb der Gebäude im zweiten Stockwerk andocken. Damit wäre innerbetrieblicher Verkehr möglich. Durchgeplant ist das Vorhaben aber offenbar noch nicht, unter anderem weil auf der Erweiterungsfläche ein Höhenunterschied von zehn Metern auftritt und man deshalb die Baumöglichkeiten genau prüfen müsse.

Die Zwickauer Stadtverwaltung steht hinter den Ausbauplänen. "Die Entwicklung von VW wird von uns positiv gesehen", sagt Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). Sie hält die Glauchauer Straße für entbehrlich. Zum Zeitrahmen, wann der Bebauungsplan stehen soll und VW mit dem Neubau beginnen will, machte niemand Angaben. Man stehe erst am Anfang des Prozesses, hieß es.

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