VW-Werk: Zulieferverkehr soll leiser und sicherer werden

Ein zukunftsweisendes Projekt steht in der Region an. Zwischen Mosel und der Firma Schnellecke pendelt künftig ein E-Lkw. Das Vorhaben soll zeigen, was sächsische Entwickler können.

Zwickau/Dresden.

Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei Tempo 85, die Reichweite bei maximal 70 Kilometern: Von Mai an soll eine elektrisch angetriebene Sattelzugmaschine in Zwickau zwischen dem Außenlager des Logistik-Dienstleisters Schnellecke in Pölbitz und dem Volkswagen-Werk im Stadtteil Mosel im genau getakteten Lieferverkehr mitfahren. Das Vorhaben ist Teil eines groß angelegten Forschungsprojekts: Ein Konsortium aus Autoentwicklern und Dienstleistern, Herstellern und einem Logistikunternehmen unter Führung des Netzwerkes der Automobilzulieferer Sachsens (AMZ) testet bis 2018 elektrisch betriebene Laster auf den Werksgeländen von Volkswagen in Zwickau und Porsche in Leipzig sowie auf öffentlichen Straßen.

Die Elektro-Laster des sogenannten "eJIT-Projekts" sollen im März der Öffentlichkeit präsentiert werden, sagte AMZ-Manager Andreas Wächtler. Die Buchstaben JIT stehen dabei für Just-in-Time, ein Verfahren, bei dem Zulieferer das Material und die Teile in genau der Stückzahl und zu dem Zeitpunkt bereitstellen, zu dem sie auch tatsächlich benötigen werden.


Die Partner wollen eine Vorreiterrolle einnehmen, indem sie den bisher für Lastwagen noch nicht üblichen Elektroantrieb testweise auf die Straße bringen und ihn weiterentwickeln für den Einsatz in der Praxis. Langfristig könnten dank der E-Lastwagen Abgase und Lärm im Straßenverkehr reduziert werden.

Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Es soll auch ausloten, welche Marktchancen die E-Lkw in der Logistik haben. Das Vorhaben ist am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt angesiedelt.

Der E-Laster wird vorwiegend in Sachsen erdacht und hergestellt. "Mit dem Projekt zeigen wir, dass die Partner und die sächsischen Automobilstandorte Champions League spielen und nicht Kreisklasse", sagt AMZ-Netzwerker Andreas Wächtler. Auch VW ist an Bord. "Wir unterstützen die E-Mobilitätsstrategie von Volkswagen im Bereich Logistik", sagt Tobias Raspe, Projektleiter von VW Sachsen. Nächster Meilenstein sei der Aufbau einer Schnellladesäule mit 150 Kilowatt Leistung im Fahrzeugwerk Zwickau.

Während im Rahmen der Studie auf einer etwa drei Kilometer langen Strecke im Leipziger Porsche-Werk der autonome Werksverkehr getestet werden soll, steht in Zwickau neben der Elektrifizierbarkeit der Sattelzugmaschine auch eine Vielzahl von Assistenzsystemen im Fokus der Entwickler und Nutzer. "Das Cockpit wird immer mehr von Hochtechnologie geprägt", sagt Schnellecke-Sprecher Cersten Hellmich. "Wir setzen auch weiterhin auf unsere Fahrer als Spezialisten in den Fahrzeugen, sie gehören immer dazu."www.e-jit.de


Was soll erforscht werden?

Die Mischung aus autonomem Fahrtest bei Porsche in Leipzig und dem Test auf öffentlicher Straße bei Volkswagen in Zwickau soll wertvolle Erkenntnisse bringen, ob die Elektromobilität für große Sattelzugmaschinen Sinn ergibt.

Gerade die Autohersteller gelten mit ihren hoch komplexen Abläufen und relativ kurzen Lieferwegen einiger Partner im direkten Umfeld als wie geschaffen für diesen Praxistest. Zugleich muss sich die Infrastruktur aus Assistenzsystemen (automatisches Rangieren) und den Hochleistungs-Ladesäulen bewähren.

Das Gelingen des Praxistests wäre Nachweis, dass der Elektroantrieb neben dem Pkw in anderen Teilbereichen der Mobilität funktionieren kann. Eine Aussage über den langfristigen Erfolg ist eher unwahrscheinlich, denn Fragen rund um Infrastruktur, Kosten und die Verfügbarkeit von Batterie-Rohstoffen werden nicht nur in Sachsen entschieden. (kru)

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