Wanderer wollen Aussichtsturm umsetzen

Der Turm am Fernblick in Zwickau bot mehr als 80 Jahre den Blick bis ins Erzgebirge. Jetzt steht der Koloss auf Privatgelände und ist nicht zugänglich. Lässt sich das ändern?

Zwickau.

Heinz Sievers ist genervt. Immer wenn er mit seinem Enkel am Fernblick in Marienthal vorbeikommt, will der Junge auf den Aussichtsturm klettern. "Doch das geht ja nun nicht mehr", sagt der Rentner sichtlich enttäuscht. Das Gelände ist abgesperrt. Der Turm steht auf privatem Gelände. Sievers erinnert sich noch an andere Zeiten. "An der gut gehenden Ausflugsgaststätte gab es schon zu DDR-Zeiten Bockwurst und Kuchen", sagt er. "Jetzt geht hier alles den Bach runter". Vor allem jedoch hatte man vom Aussichtsturm einen Ausblick, der bei gutem Wetter bis in das Erzgebirge reichte. "Das war nahezu einmalig in Zwickau", sagt der Rentner. Vor allem zu Silvester sei das ein beliebter Treffpunkt gewesen. "Doch das ist alles Geschichte", sagt Sievers.

Die Gaststätte ist längst geschlossen. Öffnen wird sie nie wieder. Das Grundstück wurde samt Gebäude und Aussichtsturm Anfang 2018 an eine Privatperson verkauft. Aus der ehemaligen Gaststätte soll ein Wohnhaus werden. Dem Turm droht der Abriss. Das jedenfalls wollen Anwohner gehört haben. Der Eigentümer will sich dazu nicht äußern. "Das ist eine private Angelegenheit, und das soll auch so bleiben", sagt er.

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Ob der Turm abgerissen wird oder nicht: Für die Öffentlichkeit ist das 1996 zuletzt sanierte Bauwerk in jedem Fall verloren. Der Eigentümer könnte den Turm ohne Genehmigung abreißen, sagt Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses. Er ist kleiner als zehn Meter und steht auch nicht unter Denkmalschutz. Der Besitzer müsse sein Vorhaben nur mindestens einen Monat zuvor dem zuständigen Amt melden. Derzeit liege noch keine Anzeige zur Beseitigung des Turmes vor.

Anwohner und Wanderer haben inzwischen eine andere Idee. Wenn sie schon nicht mehr an den Turm herankommen, dann soll der Turm eben zu ihnen kommen. "Es wäre doch einfach, den Aussichtsturm außerhalb des privaten Grundstückes aufzustellen", schlägt Werner Gottschald vor. "Auf jeden Fall sollte der nahezu einmalige Ausblick erhalten bleiben." Gottschald wohnt zwar in Pölbitz, ist auf seinen Wanderungen aber häufig am Fernblick unterwegs. "Man müsste den Turm nur an einen Kranhaken hängen und 20 Meter versetzen", sagt er.

Tatsächlich ist die Wiese zwischen der Werdauer Straße und dem Fernblick-Grundstück städtisches Eigentum. Das sieht auch Annelie Wagner so. Sie hatte bereits im Kulturausschuss des Stadtrates, dem sie als beratendes Mitglied angehört, nachgefragt. "Ich weiß ja nicht, in welchem Zustand der Turm ist", sagt sie.

Denkbar wäre auch ein Neubau. Ob das die Stadtverwaltung für möglich hält, war bis Donnerstag nicht zu erfahren. Heike Reinke verweist auf die kommende Woche. Auch Annelie Wagner hat auf ihre Anfrage nur eine ausweichende Antwort erhalten. Bürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU) verweist auf andere Aussichtspunkte, die zwischen 500 Metern und zwei Kilometern vom Fernblick entfernt liegen.

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