Warum die Stadt einen Pflegedienst kauft

Die Aufsichtsräte haben schon zugestimmt, jetzt soll das Geschäft auf der nächsten Stadtratssitzung besiegelt werden.

Zwickau.

189.000 Euro möchte die Stadt Zwickau aus ihrem Haushalt investieren, um sich in ein Unternehmen einzukaufen. Die Verwaltung schlägt dem Stadtrat vor, knapp 80 Prozent des bisher privaten Äskulap-Pflegediensts zu kaufen und einer städtischen Tochtergesellschaft, der gemeinnützigen Senioren- und Seniorenpflegeheim GmbH (SSH), einzuverleiben. Der restliche Anteil im Wert von 51.000 Euro soll zunächst bei den beiden bisherigen Gesellschaftern bleiben.

Derzeitige Betreiber des 60-Mann-Unternehmens sind Eva Dürr und die JK Holding. Eva Dürr, die auch für die Linke im Zwickauer Stadtrat sitzt, soll nach den Plänen der Verwaltung nach dem Verkauf der Mehrheitsanteile Geschäftsführerin bleiben, jedoch dem SSH-Geschäftsführer Jens Geigenmüller unterstellt sein. Letzterer soll auch bei Meinungsverschiedenheiten das letzte Wort bekommen.

Was ist der Grund für das Geschäft? Den Angaben zufolge bereiten sich sowohl Dürr als auch der andere bisherige Gesellschafter auf den Ruhestand vor. Um den Betrieb geordnet zu übergeben und Kontinuität für Mitarbeiter und die rund 250 Patienten zu gewährleisten, wolle man sich in die Hände der Stadt begeben. Dürr geht 2023 in Rente.

Für die städtische SSH soll sich durch das Geschäft ein zusätzlicher Markt erschließen. Das städtische Amt für Finanzen, das den Beschlussvorschlag ausgearbeitet hat, spricht von einer "raschen Schaffung eines leistungsstarken pflegerischen Angebots mit wirtschaftlichen Strukturen". Denn bisher betreibt die SSH zwar mehrere stationäre Pflegeeinrichtungen und Wohnheime mit insgesamt mehr als 720 Plätzen, doch sie bietet keine ambulante Pflege an - also keine Betreuung der Patienten in deren eigenem Zuhause. Da die SSH in Zwickau bei Weitem nicht der einzige Anbieter ist, will sich die städtische Tochter nun attraktiver machen. Oder wie das Amt für Finanzen es formuliert: "Es sind daher zwingend strategische und organisatorische Maßnahmen zur Aufrechterhaltung und Stärkung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der SSH erforderlich."

Ein Angebot an ambulanter Pflege könne neue Kundengruppen erschließen. Man schaut dabei auf Patienten, die aus dem Krankenhaus als austherapiert entlassen werden, die aber auf eine intensive Pflege - auch im häuslichen Umfeld - angewiesen sind. Die Angestellten der SSH können das nicht leisten, die Äskulap-Mitarbeiter aber schon. Allerdings wird sich das angleichen, denn mit der Reform des Pflegeberufegesetzes sollen ab Januar alle Azubis in der Kranken-, der Kinderkranken- und der Altenpflege zunächst eine zwei Jahre dauernde, alle Felder umfassende Ausbildung bekommen. Mit der Übernahme der 60Mitarbeiter des Äskulap-Pflegedienstes bekäme die Belegschaft der SSH quasi einen Vorsprung.

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