Warum es für Zwickauer Bergbau nicht zum Welterbe gereicht hat

Die Stadt war Vorreiter beim Steinkohlebergbau. Dass das nicht genügend gewürdigt wird, gefällt nicht allen Zwickauern.

Zwickau.

Die Freude über den Unesco-Welterbetitel ist im Erzgebirge derzeit riesig. Unter der Bezeichnung Montanregion sind darin 17 sächsische Standorte zusammengefasst, die sich maßgeblich auf den Bergbau beziehen. Sie dürfen künftig auf Touristen aus aller Welt und auf Fördermittel hoffen.

In Zwickau sieht man den Welterbetitel jedoch eher skeptisch bis kritisch. Das Problem: Zwickau, als einer der ersten Orte Sachsens, in dem Bergbau betrieben wurde, kommt im neuen Unesco-Titel gar nicht erst vor und kann folglich davon auch nicht profitieren. "Ich habe wenig Verständnis dafür, dass Zwickau mit einer erstklassigen Bergbautradition und mehreren Gedenkstätten überhaupt keine Rolle spielt", sagt der Pölbitzer Eberhard Wenke, der früher als Bergbauingenieur gearbeitet hat. Er sieht ein Versagen im Rathaus, wo man sich weder für die Tradition noch für den Tourismus interessiere.


Auch der Fraktionsvorsitzende der CDU im Zwickauer Stadtrat, Thomas Beierlein, hätte es lieber gesehen, wenn die Stadt nicht am Welterbetitel vorbeigeschrammt wäre. "Als ich diese Woche in der Zeitung die Doppelseite mit der Übersicht aller Standorte sah, habe ich mich sehr geärgert, weil Zwickau dort nicht mal am Rande vorkam", sagt er. Immerhin hatte die CDU die Weichen entsprechend stellen wollen. Im Dezember 2011 hatte der Stadtrat einem CDU-Antrag zugestimmt, der die Stadt verpflichtete, sich um eine Beteiligung an dem Vorhaben zu bemühen.

Tatsächlich hat das Kulturamt Orte, Gebäude und Ereignisse zur Geschichte des Zwickauer Steinkohlenreviers in einer Liste erfasst und auch umfangreich begründet, warum diese es wert wären, in das Welterbe aufgenommen zu werden. "Die Unterlagen wurden an das Vorbereitungskomitee geschickt", sagt Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses. Das Komitee entschied sich, offenbar auch nach Hinweisen aus der Unesco dafür, die Montanregion enger zu fassen. Damit wurde auf Zwickau als Standort verzichtet. Das hat man im Zwickauer Rathaus offenbar klaglos hingenommen, ohne die Ablehnung nach außen zu kommunizieren.

Thomas Beierlein sieht die Tatenlosigkeit heute selbstkritisch. "Wir hätten damals öfter nachfragen und auch Druck machen müssen", sagte er. Dass im Rathaus keiner reagierte, hat einen einfachen Grund: Eine Beteiligung war offenbar nicht gewollt. Bereits im September 2011, also noch vor dem CDU-Antrag, hatte sich Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) ablehnend geäußert. "Wir haben uns in der Verwaltung bereits damit beschäftigt und sind zu dem Schluss gekommen, dass sich Zwickau nicht am Weltkulturerbe beteiligt", sagte sie damals auf eine Stadtratsanfrage. Da kam der Antrag alles andere als gelegen.

Im Steinkohlenbergbauverein Zwickau hat man hingegen kein Problem mit dem fehlenden Titel. "Am Samstag haben wir zum 69.Mal den Tag des Bergmanns begangen", sagte der Vorsitzende Karl-Heinz Baraniak. "Dabei haben wir auch die Aufnahme in das Welterbe gefeiert." Aus Sicht des Vereins steht Zwickau in Sachen Bergbau nicht abseits. "Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit Oelsnitz im Erzgebirge und sind an vielen Beratungen beteiligt", sagte Baraniak. Unter anderem sei der Rat der Zwickauer Bergleute bei der Neugestaltung des Bergbaumuseums in Oelsnitz sehr gefragt. Künftig, so Baraniak, wolle man sich auch in laufende Projekte noch stärker einbringen. Das betreffe vor allem die geplante Sächsische Kohlenstraße. Die Bergbautradion in Zwickau sieht Baraniak nicht gefährdet. "Das beweist ja allein schon die jährliche große Bergparade", sagt er.

Für Thomas Beierlein ist das Thema noch nicht vom Tisch. Er will seiner Fraktion vorschlagen, im neuen Stadtrat nach Ideen zu suchen, um die Bergbautradition zu stärken und zu vermarkten.

Auch der Zwickauer Wolfgang Stiehler, der sich unter anderem im Erzgebirgszweigverein engagiert, glaubt, dass der Bergbau mit einigen Einschränkungen in der letzten Zeit etwas stiefmütterlich behandelt wurde. Vor allem hätte die Ratsschulbibliothek ins Welterbe gehört. Seine Anregung: "Man sollte sich überlegen, ob es eine Möglichkeit gibt, ohne den Begriff Montanregion zu verwenden, das ursprüngliche Anliegen Zwickaus in die Öffentlichkeitsarbeit einzubeziehen."

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2Kommentare
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  • 1
    1
    LuRei
    11.07.2019

    2011 hatte die Stadt Zwickau auch damit zu tun, das Wesa abzuwickeln und sich um einen Riesenknast zu bewerben. Da ist ein Weltkulturerbe eher nebensächlich.
    Lutz Reinhold, Marienthal

  • 4
    1
    Freigeist14
    11.07.2019

    Wenn man konsequent alle baulichen Zeugen des Steinkohlenbergbaus abgerissen hat und sich in der Touristikwerbung nur noch auf Robert Schumann und August Horch beruft , braucht man sich auch nicht wundern .



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