Was alte Reifen mit Schloss-Sanierung zu tun haben

In dem Wahrzeichen von Wildenfels laufen derzeit umfangreiche Bauarbeiten. Jetzt ist den Handwerkern zwar kein roter, aber immerhin ein schwarzer Teppich ausgelegt worden.

Wildenfels.

Bauhofleiter Uwe Merkel fährt mit dem Traktor zum Eingang des Wildenfelser Schlosses hinauf. Das Gefährt mit seinen breiten Reifen passt zwar nicht durch den Torbogen, aber die Gummimatten, die er vorn auf der Palettengabel geladen hat, rangiert er passgenau hinein. Mitarbeiter der Firma Landschafts- und Wasserbau Bischoff aus dem Ortsteil Schönau transportieren die schwarze Fracht dann mit einem Palettenwagen leicht bergan in den Schlosshof. Dort verzahnen sie die zwei mal einen Meter großen Matten, die wie Puzzleteile aussehen, miteinander. Das ist bei der gegenwärtigen Hitze auch morgens kurz nach 6 Uhr eine schweißtreibende Arbeit.

Warum der gerade neu gepflasterte Schlosshof jetzt unter einem schwarzen Teppich verschwinden muss, erklärt der Wildenfelser Bürgermeister Tino Kögler (parteilos): "Bei der Sanierung des Nord- und Westflügels vom Schloss müssen die Handwerker mit Radlader, Kleintransporter und Stapler anrücken, auch mal Material im Hof ablagern. Deshalb bringen wir diesen Schutz auf." Kögler berichtet, dass eigentlich sogenannte Seekieferplatten und eine zehn Zentimeter dicke Frostschutzschicht geplant waren. "Doch dann habe ich in der ,Freien Presse' vom Besuch des sächsischen Umweltministers in einem Unternehmen gleich hier nebenan in Mülsen gelesen und erfahren, dass dort aus alten Lkw-Reifen Gummiplatten für verschiedenste Zwecke hergestellt werden. Da dachte ich mir, vielleicht ist das auch eine Lösung für den Hof."

Der Bürgermeister sagt, dass er die Firma besucht und sich informiert habe. Schnell habe sich herausgestellt, dass die Platten, die unter großem Druck aus Gummigranulat gepresst werden, sich besser für die Abdeckung des Hofes eignen. Kögler sprach mit Firmenchef Jens Bischoff, an den der Auftrag zum Hofabdecken schon mit Holz und Frostschutz als Material vergeben war, und man einigte sich auf die neue Variante.

"Diese Matten sind zwar erst einmal teurer, aber das Holz müsste ich entsorgen, wenn der Schutz wegkommt. Die Matten kann die Stadt einlagern und immer wieder verwenden", sagt Bischoff. Weiterer Vorteil: Die Gummiplatten sind viel besser begehbar als Frostschutz. Das ist beispielsweise für Bräute wichtig, die in ihren Absatzschuhen die Baustelle passieren müssen, um in den Festsaal zur Trauung zu schreiten.

Jörg Plöttner, Betriebsleiter der Polymer Technik Mülsen, freut sich, dass das Geschäft zustande gekommen ist. "Wir haben viel positive Resonanz auf den Zeitungsbeitrag vom Besuch des Umweltministers erhalten. Er hat Interesse geweckt", sagt Plöttner und versichert, dass die Platten zu 100 Prozent aus recyceltem Material sind, auch immer wieder recycelt werden können, was gut für die Umwelt sei. Je nach Kundenwunsch würden sie in jeder Farbe geliefert. Laut Betriebsleiter halten die Platten 400 Tonnen auf den Quadratmeter aus, könnten sogar mit einem Raupenkran befahren werden. Eingesetzt werden sie auch im Garten- und Landschaftsbau. So sei das Produkt als Uferbefestigung am Chemnitzer Schlossteich verlegt worden. Zum Schutz von Waren würden die Platten darüber hinaus ebenfalls im Transport- und Logistikbereich verwendet.

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