Was Sachverstand das Rathaus kostet

Ämter der Bauverwaltung haben 2019 insgesamt 93 Aufträge für Gutachten vergeben. Auch zum Schutz von Linden.

Zwickau.

Die Zwickauer Stadtverwaltung hat im vergangenen Jahr wieder mehr Geld für Gutachten, Studien und Beratungsleistungen ausgegeben. Wie aus einer Informationsvorlage hervorgeht, die in dieser Woche den Mitgliedern des Bau- und Verkehrsausschusse vorgelegt wurde, wurden 660.842 Euro hauptsächlich an Ingenieurbüros überwiesen. Ein Jahr zuvor waren es 591.186 Euro.

Einmal im Jahr ist die Verwaltung verpflichtet, den Stadträten eine Übersicht über alle Aufträge bis 12.500 Euro vorzulegen. Bis zu diesem Betrag können die Ämter selbst Aufträge vergeben. Dazu bedarf es keiner Zustimmung eines Ausschusses oder des Stadtrates.

Demnach wurden durch die Verwaltung 93 Aufträge erteilt, davon gingen nur 43 an Zwickauer Unternehmen. Die Verwaltung erklärte das unter anderem damit, dass für einzelne Gutachten Fachbüros eingesetzt werden müssen, die es in Zwickau nicht gibt. Die meisten Aufträge, insgesamt 40, wurden durch das Tiefbauamt vergeben. Die Kosten dafür: 296.279 Euro. Eine Berliner Ingenieurgesellschaft hat für vier Aufträge 29.735 Euro kassiert. Die Fachleute hatten an drei Einmündungen in die Reichenbacher Straße den Verkehr gezählt, anschließend eine dieser Einmündungen "verkehrstechnisch betrachtet" und schließlich für zwei Einmündungen "verkehrstechnische Unterlagen erstellt". Die inzwischen jährlich wiederkehrende Sonderprüfung der Cainsdorfer Brücke kostete den Steuerzahler 6708 Euro.

Mit insgesamt 224.694 Euro an Ausgaben landete das Liegenschafts- und Hochbauamt auf Platz zwei der Hitliste. 31-mal hatte das Amt Beratungsleistungen, Studien, Planungen und Brandschutzkonzepte beauftragt. Kurios: Für den sachverständigen Schutz von fünf Linden in unmittelbarer Nähe der Baustelle der Sprachheilschule "Anne Frank" erhielt ein Büro aus Schlettau allein 3600 Euro.

Das Garten- und Friedhofsamt hat für 21 Aufträge 139.868 Euro ausgegeben. Dort scheint man sich sehr für die Fontäne im Schwanenteich zu interessieren. Zunächst wurde eine Machbarkeitsstudie zu deren Umbau in Auftrag gegeben, danach für unterschiedliche Leistungsstufen zwei Planungsaufträge. Bevor überhaupt etwas an der Fontäne verändert wurde, hatte das schon 18.603 Euro gekostet.

Der teuerste Einzelauftrag lag mit 12.423 Euro knapp unter dem Schwellenwert und kam aus dem Tiefbauamt. Er betraf "Erneuerung Freiheitssiedlung in Zwickau". Was sich genau dahinter verbirgt, konnte am Donnerstag in der Verwaltung niemand erklären. Es handele sich um ein Vorhaben in Vorbereitung, hieß es. Im Gegensatz zu den Vorjahren haben weder das Stadtplanungsamt noch das Bauordnungsamt Aufträge in eigener Regie vergeben.


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