Was von der Nicolaikirche blieb

Am Objekt des Monats April gehen Besucher des Museums in den Priesterhäusern oft schnell vorbei. Dabei ist es ein sehr alter Zeuge der Stadtgeschichte.

Zwickau.

Im Raum zur Frühgeschichte gleich neben dem Kassenraum in den Zwickauer Priesterhäusern gibt es das Fragment eines Kirchenfensters aus Sandstein, an dem wohl so mancher achtlos vorübergeht. Als Objekt des Monats April hat das Museum das sogenannte gotische Maßwerkfenster aus dem 15.Jahrhundert jetzt in den Mittelpunkt gerückt.

Der Historiker Matteo Rebeggiani, der Museumspädagoge und wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Priesterhäusern ist, berichtet, dass das Fragment höchstwahrscheinlich zur früheren Nicolaikirche gehörte und damit ein stiller Zeuge der alten Zwickauer Stadtgeschichte ist. Wer die Teile des Fensters wann geborgen und aufbewahrt hat, sei heute nicht mehr nachvollziehbar. Genauso wenig wie sie in den Museumsbestand gelangt sind. Wahrscheinlich sei, dass sie irgendwann bei Erdarbeiten in dem Bereich, in dem die Nicolaikirche einmal stand, gefunden und gesichert wurden.

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Rebeggiani informiert, dass besagtes Gotteshaus etwa um 1170 erbaut worden ist, als die Kaufmannssiedlung aus dem Dorf Osterweih an die Mulde in den Bereich der heutigen Nicolaistraße zog. "Es handelte sich zwar nur um eine schlichte Saalkirche, aber sie entstand weit vor der Katharinenkirche und dem Mariendom", sagt der Museumsmitarbeiter. Das in den Priesterhäusern ausgestellte Fensterfragment stamme allerdings nicht aus dieser frühen Zeit, sondern von einem späteren Umbau und ist auf das 15. Jahrhundert datiert.

Heute erinnert an die Kirche, die im Nicolai-Viertel stand, noch der Straßenname Nicolaistraße. Auch die Grundschule dort ist danach benannt. Und wer genau hinsieht, der erkennt gleich neben der Schule links vor einem Plattenbau an der Nicolaistraße eine schwarze Steintafel, die an die Kirche erinnert, allerdings schon etwas zugewuchert ist. Wenn man die Zweige zur Seite schiebt, kann man darauf den früheren Grundriss und ein Bild des Gotteshauses sehen. Zu lesen ist, dass an dieser Stelle um 1170 die Nicolaikirche als romanische Saalkirche mit Chorturm und Apsis erbaut wurde, die 1682 bis auf den Grund abgetragen wurde. "Dass ein Teil eines Fensters aus vermutlich diesem Bauwerk 337 Jahre später noch vorhanden ist, macht es zu einem sehr wertvollen Exponat in unserem Museum", sagt Matteo Rebeggiani.

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