Wassersportler baut sich sein eigenes Boot

Ein Mitglied des Kanu- und Freizeitsportvereins an der Koberbachtalsperre hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. Der Crimmitschauer setzt damit die Traditionen im Club fort.

Crimmitschau.

Heiko Wildenauer ist begeisterter Wassersportler. Wenn es die Freizeit des 46-Jährigen erlaubt, erkundet er gemeinsam mit seiner Frau Simone die Gewässer der Region mit dem eigenen Kanu. Seit 1987 gehört der Crimmitschauer zu den Mitgliedern des Kanu- und Freizeitsportvereins Pleißental. Die Organisation, 1948 gegründet, gehört heute zu den ältesten an der Koberbachtalsperre ansässigen Vereinen.

Begonnen hat einst alles mit Faltbooten. In den 1970er-Jahren waren Boote aus Polyester gefragt. Die waren bedeutend stabiler, leichter und auch haltbarer. Heute sind Boote in allen Formen, Varianten, aus den verschiedensten Materialen und in allen Preisklassen erhältlich. Dass noch vor ein paar Jahren Vereinsmitglieder Boote selber bauten, war keine Seltenheit. Zuletzt war das 1986 der Fall, weiß Heiko Wildenauer. Seit Jahren träumt auch er von einem selbst gebauten Kanu aus Holz. Boote aus dem Material findet der gelernte Tischler schon aus beruflichen Gründen besonders edel.


Bis Anfang des Jahres der Zufall eine Rolle spielte. Der Handwerker saß mit den Kollegen beim Frühstück zusammen. Plötzlich holte Andreas Bayer, einer der beiden Firmenchefs einer Tischlerei in Crimmitschau und ebenfalls begeisterter Wassersportler, eine Zeitschrift aus dem Schrank. Beim Durchblättern stieß er auf einen Bericht über ein Holzleistenkanu. "Das wäre doch was für dich. Warum willst du nicht mal so ein Boot selber bauen", fragte der 56-Jährige seinen Mitarbeiter und stieß auf offene Ohren. Heiko Wildenauer begann sich intensiv mit dem Thema zu befassen, recherchierte im Internet, kaufte sich Fachliteratur und beschaffte sich Baupläne. Über das nötige handwerkliche Können verfügt der erfahrene Tischler, auch wenn er bisher hauptsächlich Möbel angefertigt hat. Hinzu kamen seine Kenntnisse über den Kanusport, die er im Laufe der Jahre gesammelt hat.

Heiko Wildenauer besprach die Pläne mit seinem Chef. Gemeinsam machten sich die beiden Männer nach Feierabend an die Umsetzung der Pläne. Sie beschafften sich das benötigte Holz: West Red Zeder, Esche, Mahagoni. "Das war alles gar nicht so einfach zu bekommen", blickt Heiko Wildenauer zurück. Dabei kamen den Männern die beruflichen Kontakte zu Gute. Doch damit war das Boot noch nicht fertig. "Heute findet man im Internet zu fast allem eine Bauanleitung. Der Rest ist dann nur noch handwerkliches Können", sagt der Tischler. Inzwischen ist das Kanu, 4,60Meter lang und 90 Zentimeter breit, fast fertig. Entstanden ist ein echter Hingucker. "Es fehlen noch ein paar Kleinigkeiten. Das Kanu muss noch komplett lackiert werden, damit das Holz dann auch richtig zur Geltung kommt. Außerdem müssen noch die Sitze eingebaut werden. Bisschen was ist schon noch zu machen", sagt Heiko Wildenauer. Wie viele Stunden die beiden mit dem Bau bisher beschäftigt war, haben sie nicht gezählt.

Bis zu den geplanten Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen der Talsperre am letzten Augustwochenende wird das Kanu allerdings noch nicht fertig sein. "Der Stapellauf ist aber noch im Herbst geplant. Ich stehe nicht unter Zeitdruck", sagt der 46-Jährige und freut sich schon jetzt auf die möglicherweise neidischen Blicke der Vereinsmitglieder, wenn er sein Kanu an der Talsperre zu Wasser lässt und seinen Mitstreitern das erste Mal präsentiert.

Inzwischen hat auch sein Chef Gefallen an dem edlen Kanu gefunden. Ist das gute Stück in ein paar Wochen fertig, wird das gleiche Modell noch einmal gebaut, dann für Andreas Bayer. "Ich bin auch gern mit dem Boot auf dem Wasser unterwegs, aber nicht ganz so verrückt wie Heiko", sagt der Chef, wobei "verrückt" liebenswert gemeint ist.

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