Wegen SS-Rune: Stadtrat zeigt Bürgermeister an

Weil das Rathaus Nazi-Symbole an einem leer stehenden Gebäude nicht entfernen will, platzt dem früheren Ordnungsamtschef jetzt der Kragen.

Zwickau.

Karl-Ernst Müller (CDU) ist zwar seit elf Jahren nicht mehr Chef des Zwickauer Ordnungsamts, aber auch in seiner jetzigen Rolle als Stadtrat lässt ihn das Bedürfnis nach einer ordentlichen Stadt nicht los. Da hat er auch keine Hemmungen, kräftig auszuteilen. Aktuell treibt ihn eine Schmiererei derart auf die Palme, dass er bei der Polizei Anzeige gegen Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke) erstattet hat. Wegen Duldung einer Straftat, wie er sagt.

Es geht um das Grafitto an einer Hauswand eines leerstehenden Gebäudes zwischen der Peter-Breuer-Straße und dem Ring, in dem früher die Hansa Handelsschule einquartiert war. An die Fassade hat jemand das Wort "rechts" geschmiert, den letzten Buchstaben in Form einer Siegrune. Das einst von der SS benutzte Symbol ist in Deutschland verboten, selbst dann, wenn es einzeln auftaucht.


Müller stört sich ohnehin an Schmierereien, aber speziell verbotene Nazi-Symbole dürfe man überhaupt nicht tolerieren, findet er. Erst gab er Hinweise ans Rathaus, aber als sich nichts tat, sprach er die Rune während Sitzungen an, bei denen er als Stadtrat zugegen war. Schließlich kam eine Antwort aus dem Rathaus, die dafür sorgte, dass Müller der Kragen platzte. Finanzbürgermeister Bernd Meyer (Linke) argumentiert darin: "Da die Graffiti keine strafrechtlich relevanten Inhalte besitzen, bitte ich um Verständnis, dass die Verwaltung Ihrer Bitte nach kurzfristiger Beseitigung nicht nachkommen wird."

Müller sieht darin einen Skandal. "Das ist eine Rune, die ist verboten. Gerade von einem Linken-Politiker hätte ich anderes erwartet", schimpft er. Darüber hinaus hatte Meyer ihm mitgeteilt, dass das Ordnungsamt kein Budget für das Entfernen von Schmierereien zur Verfügung habe. "Das", sagt Karl-Ernst Müller, "ist eine bodenlose Frechheit!" In seiner Beschwerde-Mail an Meyer macht er dem Finanzbürgermeister bei der Gelegenheit noch eine ganze Reihe an persönlichen Vorwürfen, unter anderem als FDJ-Sekretär ein System unterstützt zu haben, das Müllers Vater "ins Zuchthaus bringen wollte." Und weiter: "Schämen sollten Sie sich, aber das Wort gab es vielleicht auf den höheren Bildungsanstalten, die Sie besuchten, nicht."

Anschließend zeigte er Meyer an. Das bestätigt die Zwickauer Staatsanwaltschaft, die derzeit die Anzeige prüft. Der Finanzbürgermeister will über die ganze Angelegenheit indes nicht allzu viele Worte verlieren. "Eine Anzeige von Herrn Müller bei der Polizei liegt mir nicht vor", ist das einzige, was er zu dem Sachverhalt sagt. Allzu lange dürfte die Rune ohnehin nicht mehr bleiben. Der Freistaat Sachsen als Eigentümer hat vor, in dem Gebäude Labore und Seminarräume für die Westsächsische Hochschule einzurichten. Nach Auskunft des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements steht aber noch kein Baubeginn fest. Immerhin: Die Schmierereien verschwinden dann samt und sonders, sagt Sprecherin Andrea Krieger.

Das betrifft auch eine weitere Verunstaltung. Unmittelbar über dem Runen-S malte jemand den Namen "Adolf" an die Wand. Den Versuch, darunter ein Hakenkreuz zu sprühen, brach der Übeltäter offenbar selbst ab. Er hatte sich in der Richtung vertan.

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    5
    maxmeiner
    01.12.2016

    Da lebt wohl jemand seine Profilneurose aus. Ob der auch gegen geschmierte Hammer und Sichel Zeichen oder Kommunistensterne genauso riguros vorgeht?

  • 8
    4
    1953866
    01.12.2016

    Manometer, dieser ehemalige Ordnungsamtschef sollte eigentlich wissen, dass in einem bestimmten Zusammenhang verbotene Symbole erlaubt sind. So z.B. ein durchgestrichenes Hakenkreuz. Das heißt aber nicht, dass ich Graffitis toll finde. Und wenn ich an das typische Markenzeichen der Elektriker denke, da hat der Blitz nicht immer unten eine Pfeilspitze...

  • 10
    5
    Freigeist14
    01.12.2016

    Was für ein ausgemachter Blödsinn.Es heißt nicht umsonst SS-Rune ,wenn auch zwei Buchstaben aufgeführt sind.So geht das als flapsig geschriebenes "S"durch.Der übermotivierte ehemalige Ordnungs-
    amtsleiter will nur den Finanzbürgermeister "einen´rein drehen".



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