Weihnachtszirkus: "So etwas haben wir noch nicht erlebt"

Am letzten Zirkustag durften Kinder und Jugendliche aus sozialen Einrichtungen gratis ins Zirkuszelt. Nach dem letzten Vorhang beginnen bereits die Vorbereitungen für die neue Saison.

Zwickau.

Der letzte Vorstellungstag gehörte den Kindern. Nicht denjenigen, die normalerweise gemeinsam mit Eltern, Großeltern und Geschwistern kommen. Er gehörte den Kindern, für die solche Erlebnisse nicht alltäglich sind, weil sie keine Eltern haben oder diese sich solch einen Besuch in Familie nicht leisten können. Zirkuschef Norbert Friedrich und sein Team hatten Kinder und Erzieher des SOS-Kinderdorfes und des Zwickauer Kinderhaus-Vereins kostenlos in die Vormittagsvorstellung eingeladen. Etwa 110 Zuschauer, für die dieser Vormittag etwas ganz besonderes war. "Wir schätzen diese Einladung sehr", sagte Erzieher Tobias Edler.

Dass er einmal sozial benachteiligte Kinder kostenlos in seinen Weihnachtszirkus einladen wird, stand für Zirkusdirektor Norbert Friedrich schon vor mehr als 20 Jahren fest. Solange hat er bereits diesen Traum. Damals war er noch aktiver Artist und präsentierte zunächst mit seiner Schwester, dann gemeinsam mit seiner Frau atemberaubende Kraftakrobatik. Bis solche Nummern bühnenreif sind, braucht es jahrelanges tägliches Training. "Für eine dieser Nummern haben wir sieben Jahre täglich trainiert", erinnert er sich. Nach dem Ausstieg aus dem Zirkus gründete Friedrich einen Baumaschinenhandel und lebt seit mehr als 20 Jahren in Meerane. Warum genau er hier geblieben ist, vermag er nicht mehr zu sagen: "Meerane hat mich einfach gefangen."

Mit dem Weihnachtszirkus und der Einladung für sozial Benachteiligte haben er und seine Frau sich nun einen lang gehegten Traum erfüllt. "Es war von Anfang an unsere gemeinsame Idee", sagt Jaqueline Friedrich, die ansonsten auch im Baumaschinenhandel arbeitet. Seit Juni vergangenen Jahres haben beide mit Unterstützung der ganzen Familie das Megaprojekt organisiert und dafür die Firma Sachsenpalast gegründet. Die Spannung vor der Premiere ist längst verflogen. In den zwei Wochen mit Vorstellungen am Platz der Völkerfreundschaft hat das ganze Team viel Zuspruch, Lob und Begeisterung erfahren. "Bei 25 von 28 Vorstellungen gab es Standing Ovations. So etwas haben wir noch nicht erlebt und selbst Künstler, die bereits Jahrzehnte im Geschäft sind, nicht", meinte Friedrich. Nicht wenige Gäste hätten mehrfach die Vorstellung besucht.

In den kommenden Tagen wird das Zelt abgebaut. Nach den vielen Monaten mit Organisieren und Aufbauen wird die Familie nun erst einmal Urlaub machen. Doch eigentlich beginnen schon jetzt die Vorbereitungen für den nächsten Weihnachtszirkus. Der Platz der Völkerfreundschaft wurde für die Weihnachtszeit für insgesamt fünf Jahre gepachtet. Auch für die Darbietungen gibt es konkrete Vorstellungen. "Wir möchten den Zuschauern etwas bieten, was sie so noch nicht gesehen haben", sagte Sachsenpalast-Sprecher Stefan Hein und Friedrichs Schwager. "Für uns Neulinge ist das aber nicht einfach, denn die richtig guten Artisten sind kurzfristig nicht verfügbar, sondern Jahre im voraus vertraglich gebunden", ergänzt der Zirkusdirektor.

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