Wein, Weib und Gesang

Grüner wird's nicht Vögel, Käfer und Menschen lassen sich vom derzeitigen Überfluss in der Natur begeistern. Wie gut, dass es auch öffent- liche Gärten gibt.

Zwickau.

Es soll ja der sinnesfreudige Martin Luther gewesen sein, der gesagt hat: "Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang." Nun wollen wir niemanden zum Trinken oder Flirten verführen - aber wer sich mit offenen Augen in der Natur umsieht, der findet Wein, Weib und Gesang in schönster Reife.

Ein gleichmäßiges, typisches Blubbern verriet schon früher, dass es irgendwo einen Glasballon geben muss, in dem sich aus Früchten, Wasser und Hefe etwas Höherprozentiges zusammenbraut. Inzwischen gibt es selbst gezogene Heidelbeer- und andere Obstweine auf fast jedem Markt zu kaufen. Aber es geht ja nicht nur ums Trinken, sondern auch um das Erfolgserlebnis. Und dazu braucht man gute Früchte: Derzeit reifen Schlehen und Wildkirschen, die beide einen ungewöhnlichen Geschmack liefern. Allerdings sagt man, dass Schlehen am besten nach dem ersten Frost geerntet werden. Bei Wildkirschen gilt das nicht. Man findet sie unter anderem im Tast-, Duft- und Erlebnisgarten in Planitz. Je reifer sie sind, desto dunkler werden sie. Die auch Vogelkirsche genannten Früchte sind süß und schmecken ein wenig bitter. Sie werden nicht nur vergoren, sondern geben auch eine gute Marmelade ab - wenn man den Geschmack mag.


Und die Sache mit der Weiblichkeit? Auch die treibt Blüten. Gelb blüht beispielsweise der Frauenmantel. Der Bodendecker, auch Alchemilla genannt, wird gern unter roten Rosen gepflanzt, als farbenprächtiger Kontrast. Die Alchemilla gehört zu den Pflanzen, die als Medizin Verwendung finden. Aber Vorsicht: Es gibt mehr als 1000 Arten, als Heilkraut wird der Gemeine Frauenmantel bezeichnet. Er wurde schon vor Jahrhunderten zur Entkrampfung bei Frauenleiden eingesetzt. In der Apotheke bekommt man Frauenmantel-Tee allerdings eher gegen leichten Durchfall. Äußerlich kann das Kraut wegen seiner Gerbstoffe kleine Wunden heilen helfen. In der Küche kann man junge, frische Blätter in Wildkräutersalaten verwenden, die Blüten dienen als essbare Dekoration.

Das Mädesüßkraut hat übrigens nichts mit Mädchen zu tun - sondern mit der Mahd, da es oft auf Wiesen zu finden ist. Die süßlich duftenden Dolden haben aber sicher so manchem Mädchen schon einen Gefallen getan, wirkt der Tee doch lindernd bei Erkältungen mit Gliederschmerzen. Verantwortlich dafür ist die Salicylsäure, die man vom Aspirin kennt. Verwendung findet Mädesüß auch als Würzkraut. Durch seine süßlich-bittere Note gibt es Kompotts oder Gelees ebenso einen besonderen Pfiff wie Wildgerichten. Wenn man die Blüten über Nacht in Sahne ziehen lässt, nimmt diese das Aroma an und soll als Nachspeise helfen, Sodbrennen zu vermeiden.

Kommen wir zum Gesang. Natürlich wird die Natur seit jeher gern besungen. Nicht nur zu Weihnachten. Manches Lied gibt uns sogar Rätsel auf. Wie das vom Männlein, das im Walde steht. Es gibt auch dann noch Rätsel auf, wenn man weiß, dass die Hagebutte gemeint ist. Denn nicht alle Früchte von Heckenrosen haben ein Mäntelchen von lauter Purpur um. Die Dünen-Rosen, wie man sie zuhauf entlang der Zwickauer Mulde findet, bringen nahezu schwarze Früchte hervor. Für sie wie für alle roten Arten gilt: Die Schale schmeckt süßlich und steckt voller Vitamine und anderer Stoffe, die die Abwehr stärken. Verwendet werden die entkernten Schalen als Tee oder als appetitfördernde Marmelade. Dabei gilt: Der Genuss entschädigt für den relativ großen Aufwand. Längst gibt es die Früchte auch als Pulver zur Nahrungsergänzung - vom Strauch naschen ist natürlich einfacher.

Auch die Früchte des Baumes, der laut Volkslied der allerschönste ist, werden nicht nur besungen, sondern auch getrunken. Die Vogelbeeren gehören zu den Früchten, die erst Frost brauchen, um einen Teil ihrer Bitterstoffe zu verlieren. Vorher sollte man sie nicht roh essen. Die Beeren der Eberesche sind herb-süß, vitaminreich und eine gute Grundlage für Säfte oder Gelees. Aufgrund ihres relativ hohen Zuckergehaltes kann man aus ihnen auch einen aromatischen Schnaps brennen - wobei das eher eine Aufgabe für Profis ist.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...