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Weltreisende auf Heimatbesuch in Zwickau

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Alles hinter sich lassen und auf Weltreise gehen - den Traum hegen insgeheim bestimmt viele. Aber nur die wenigsten trauen sich, ihn wirklich zu leben.

Zwickau.

Constanze Kühnel und Thomas Lehn leben seit fast zehn Jahren in ihrem Expeditions-Lkw und bereisen die Welt. 2012 tauschten sie 120 gegen zwölf Quadratmeter und bekamen dafür den grenzenlosen Horizont geschenkt.

Zurzeit ist das Paar samt rollendem Wohnhaus auf Familienbesuch in Zwickau. Constanze Kühnel, die die Maxim-Gorki-Schule besuchte, verspürte bereits als Teenager Fernweh und pinnte sich exotische Postkarten an die Wand ihrer Wohnung an der Lessingstraße. Nach dem Mauerfall stand ihr plötzlich die Welt offen. Besonders das südliche Afrika hat es ihr angetan. "Es zog mich immer wieder dort hin", erzählt die 49-Jährige. In Thomas Lehn, der sich speziell für Nordafrika begeisterte und eine Handelsagentur für Bodenbeläge in Sauerlach (Landkreis München) betrieb, fand sie 2005 einen Gleichgesinnten. Gemeinsam ging es auf Tour.

"Während des Urlaubs in Namibia 2009 ist unsere Entscheidung gefallen: Wir müssen in unserem Leben was ändern", berichtet Kühnel. "Wir wollten nicht mehr jeden Tag nur stur arbeiten. Und jeder Urlaub war auch immer zu kurz für das, was wir uns erträumt haben. Unsere Idee war, ohne Zeitlimit einfach auf Reise zu gehen." Also wurde alles verkauft, die Wohnung aufgelöst. Der "Manni" getaufte MAN LE 10.220 ist seitdem ihr Zuhause. Egal wo sie gerade sind. "Das was wir besitzen, ist immer bei uns", betont Kühnel.

Die Idee, sich ein Fahrzeug zuzulegen und die Welt zu bereisen, hatte Thomas Lehn schon mit Mitte 20. "Wobei ich damals noch keine Ahnung hatte, mit wem und wie", verrät der 61-Jährige. "Aber als sich unsere Lebenswege gekreuzt hatten, war das eigentlich die logische Konsequenz, den Traum umzusetzen." Ende März 2012 sind die beiden in den Laster gezogen und für ein Jahr unter dem Motto ,Wir üben Weltreise' in den Nahen und Mittleren Osten gefahren. "Im Mai 2014 sind wir endgültig gestartet. Seitdem sind wir permanent unterwegs." Ohne Gedanken daran zu verschwenden, sich irgendwo niederzulassen. "Damit beschäftigen wir uns gar nicht. Das ist jetzt unsere Lebensreise", unterstreicht Thomas Lehn.

Über Südwesteuropa ging es nach Marokko und dann kreuz und quer durch Afrika. Das erforderte eine gründliche Recherche und logistische Vorbereitung. "Man muss ja informiert sein, was ist los in dem Land. Wo empfiehlt es sich nicht durchzufahren", erklärt Constanze Kühnel. Von Kriegen, Unruhen und terroristischen Umtrieben von Boko Haram oder Al-Qaida blieb das Paar unterwegs verschont, doch der Ebola-Ausbruch in Westafrika zwang zu einer Routenänderung. "Ein paar Länder, wo es ganz schlimm war, haben wir weglassen müssen", bedauert die gebürtige Zwickauerin.

"Manni" kutschierte sie durch einsame Wüsten und schlammige Regenwälder, über schroffe Gebirge und entlang endlos erscheinender Ozeane. Dabei suchte man immer Kontakt zu den Einheimischen, um mehr über Land und Leute zu erfahren. Die Reisenden sehen unterwegs viel Armut. Und tun auch etwas dagegen. Sie unterstützen kleine Dorfschulen, besorgen Unterrichtsmaterialien und Spielzeug, schreiben im Internet über diese Projekte und haben ein Spendenkonto eingerichtet. "Mit unseren Mitteln können wir Afrika nicht retten. Das ist leider so", gesteht Constanze Kühnel. "Aber wir schenken den Kindern ein Lächeln und machen sie für den Moment glücklich."

Die 49-Jährige genießt den Besuch in ihrer Geburtsstadt. Obwohl die Reisepause auch pandemiebedingt ist. "Außerhalb der EU sind alle Landesgrenzen geschlossen. Man kommt über die Türkei nicht hinaus", sagt Thomas Lehn. Nächstes Jahr soll es wieder losgehen. Mit einem neuen Geschäftsmodell: Guiden für Selbstfahrer. "Für Leute, die einen Lkw, Zeit und das finanzielle Polster haben, aber keine Erfahrung", schildert Lehn. "Wir machen die gesamte Routenplanung. Wir kennen die Streckenprofile und die Übernachtungsplätze, wir wissen, wie man mit den Behörden umgeht. Es soll jeder für sich individuell unterwegs sein. Wir fahren hinterher, um den Rücken freizuhalten." Das Konzept fand großen Anklang. Die angebotenen Reisen durch Zentralasien und Afrika sind komplett ausgebucht, mit langer Warteliste. Danach stehen erstmal Indien, Pakistan und Nepal auf dem Programm. Und anschließend für vier, fünf Jahre Südamerika. "Wir lieben diese Art zu leben und die Welt kennenzulernen", strahlt Constanze Kühnel.

Ihre Erlebnisse und Begegnungen aus viereinhalb Jahren Afrika haben Constanze Kühnel und Thomas Lehn im Buch "Sehnsucht Afrika" festgehalten. "Wie der Titel schon sagt, ist es ein Werk der Liebe und Leidenschaft", erklärt Constanze Kühnel. Eine Übersichtskarte zeigt die komplette Reiseroute mit 117.000 Kilometern durch 31 Länder. Jedes Kapitel startet auf einer farbenprächtigen Doppelseite mit einem historischen Exkurs in Dialogform als Einführung, dazu eine Länderkarte mit der jeweiligen Route in diesem Land. Das zwei Kilogramm schwere Buch (432 Seiten, 540 Farbfotografien, Format 210 x 280 mm, 35 Euro) wurde in der Druckerei Zschiesche Wilkau-Haßlau gedruckt. "Wir haben das bewusst ohne einen Verlag gemacht, weil wir unsere eigenen Ideen umsetzen wollten", erklärt Thomas Lehn.

Signierstunde

Eine gute Gelegenheit, die Weltenbummler persönlich kennenzulernen, besteht am Samstag ab 10.30 Uhr bei einer zweistündigen Buchvorstellung und -signierung in der Zwickauer Thalia-Buchhandlung, Innere Plauensche Straße 31.

www.mantoco.com

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