Wenn alte Hasen gern Nachwuchs hätten

Manchmal wollen beide, finden aber nicht zueinander. Bei der Firmenkontaktbörse kamen sich gestern Suchende und Suchende näher.

Zwickau.

Sind die Erwartungen zu hoch? Ist die Bezahlung zu niedrig? Sind die jungen Leute das Arbeiten nicht mehr gewohnt? Einfache Antworten gibt es kaum. Ebenso wenig wie die Aussicht darauf, dass jede Ausbildungsstelle vergeben werden kann oder jeder einen Job bekommt. Miriam Sobe von der Agentur für Arbeit ist skeptisch, dass sich diese Lücke jemals ganz schließt. Dabei blickten ausgerechnet gestern die meisten Menschen in der Stadthalle optimistisch drein.

Dort fand die Zwickauer Wirtschafts- und Firmenkontaktbörse, kurz Zwik, statt. Die richtete sich vor allem an Absolventen und Abiturienten. Möglicherweise auch deswegen gaben sich die Aussteller optimistisch. Unter ihnen auch Mathias Weber, Chef einer Wärmetechnik-Firma aus Wilkau-Haßlau. 15 Azubis hat das 90-Mann-Unternehmen, die Auswahl wird zwar schwerer, aber bislang konnten alle Plätze besetzt werden. Einen guten Willen und eine gewisse Grundintelligenz - das ist das, was der Handwerker von seinen Leuten verlangt, und zwar nicht nur von Abiturienten. Er stellt auch Haupt- und Realschüler ein. Weber gibt aber zu, dass längst nicht alle Bewerber die Zensuren mitbringen, die er für nötig hält. Ein Grund dafür ist seiner Ansicht nach, dass die Weichen für Realschule oder Gymnasium für viele Spätentwickler zu früh gestellt werden.


Doch nicht nur die Schulen haben eine Verantwortung, sagt Heinz Steinbach. Der Chef einer Firma für Automatisierungstechnik fasst sich an die eigene Nase. Jahrelang sei er der Veranstaltung fern geblieben, jetzt stellt er sich wieder vor. Denn er sucht Praktikanten, die gern auch als Angestellte zurückkommen dürfen. Gerade hat er zwei von der Westsächsischen Hochschule unter seine Fittiche genommen und ist begeistert. Nun sucht er nach weiteren jungen Köpfen, auch wenn er mit Blick auf den Stand gegenüber sagt: "Klar zahlt Siemens mehr." Dafür bietet er ein familiäres Umfeld und ein direktes Feedback für ihre Arbeit, und seine Firma hat das Salär für Praktika bereits aufgestockt, fügt Steinbach noch an.

Einige Arbeitgeber sagen tatsächlich, dass sie sich mehr von den Bewerbern erwarten. Und sie sagen, dass sie keinen zweiten Blick in ein schlechtes Zeugnis werfen - am Ende funktioniere es doch nicht. Andere tun genau das - und fahren einigermaßen gut damit. Dennoch kommt es manchmal auch besonders auf den ersten Eindruck an: Deswegen begutachteten gestern Fachleute der Arbeitsagentur unzählige Bewerbungsmappen. Stefan Auerbach schildert seinen Eindruck: "Hier ist alles spitzenmäßig. Wenn nur alle so wären ..."

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