Westsachse des Jahres: Wer macht das Rennen 2020?

Landkreis.

Es ist schon ein verrücktes Jahr, das gerade zu Ende geht. Vor einem Jahr um diese Zeit gab es vielleicht vereinzelt Meldungen über eine neue Krankheit aus China, aber dass diese unser gesamtes Leben in nur wenigen Monaten völlig auf den Kopf stellen würde, daran hätten damals nur die wenigsten geglaubt. Inzwischen sind mehr als 11.000 Menschen im Landkreis Zwickau positiv auf das Virus getestet worden und mehr als 300 verstorben. Natürlich wird der Eindruck, den Corona im Jahr 2020 hinterlassen hat, alles andere in den Hintergrund rücken lassen.

Aber das Leben ist nicht stillgestanden. Auch im Jahr 2020 haben die Menschen im Landkreis Zwickau unzählige kleine und große Geschichten geschrieben, die Mut machen, die von Erfolgen erzählen oder die einfach nur ein gutes Gefühl hinterlassen. Es hat sich auch 2020 gelohnt, für seine Ziele zu arbeiten und für seine Überzeugungen einzustehen. Es hat auch 2020 wieder Freunde gemacht, im Landkreis zu leben und ihn jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Davon erzählen die Geschichten unserer zehn Nominierten, die wir in diesem Jahr für den Preis "Westsachse des Jahres" vorschlagen.

Ob jemals wer dem Reifenstecher von Lichtenstein auf die Schliche gekommen wäre, wenn nicht ein Kriminalkommissar hartnäckig an dem Fall dran geblieben wäre? Ob sich das Coronavirus noch viel weiter ausgebreitet hätte, wenn es nicht mutige Helfer wie das Team der Wasserwacht gegeben hätte, das freiwillig und unter großem Einsatz Tests an Orten durchgeführt hätte, an die sich andere gar nicht mehr getraut haben? Ob die Kulturszene nicht noch verzweifelter durch das Jahr geschritten wäre, wenn nicht ein Verein auf die Idee gekommen wäre, Dankeskonzerte im Netz auszustrahlen? Ob Zwickau jemals einen weiteren Schritt in Richtung eines urbanen Zentrums gegangen wäre, wenn es nicht eine Handvoll Enthusiasten gegeben hätte, die einen Carsharing-Anbieter überredet haben, Leih-Autos in die Muldestadt zu bringen, obwohl sich das Geschäft voraussichtlich nicht lohnen wird? - um nur einige zu nennen.

2020 hatte viele spannende Geschichten zu erzählen. Wählen Sie Ihren Favoriten. Ab dem heutigen Montag, 6 Uhr, bis 3. Januar, 18 Uhr, sind die Telefonleitungen und die Online-Abstimmung geschaltet. 


Marco Wolf

Dass der berühmt-berüchtigte Reifenstecher von Lichtenstein im zurückliegenden Jahr auf der Anklagebank im Amtsgericht Hohenstein-Ernstthal gelandet ist und zu einer Haftstrafe verurteilt worden ist, dafür haben Kriminaloberkommissar Marco Wolf von der Polizeidirektion Zwickau und sein Ermittler-Team gesorgt. Wolf war bei den jahrelangen Ermittlungen federführend. Zeitweise gestalteten die sich aber als sehr schwierig. "Es gab keine Zeugen. Niemand hat den Täter beobachtet", erinnert sich Wolf an den Fall. Im September 2019 wurde der Täter vorerst als Tatverdächtiger ermittelt. Aber der Mann machte keine Angaben, sodass die Ermittlungen weitergeführt werden mussten. Schließlich konnte Wolf dem Reifenstecher, dem er jahrelang auf der Spur war, nicht nur einige Taten, sondern über 200 Angriffe auf Fahrzeuge nachweisen. Wolf: "Das war aber der Verdienst unseres gesamten Teams." (erki)   

Telefon 0137 6100180


Gabriele Malik

Die Wasserwacht-Helferin hat in ihrer Freizeit an Corona-Teststationen in ganz Westsachsen geholfen. Im Verlauf des Jahres war sie ungefähr 20-mal im Einsatz - vor allem bei Reihentests in Senioreneinrichtungen. "Pro Termin führen wir 50 bis 150 Tests durch", sagt die Frau, die bei einem Pflegedienst in Neukirchen/Pleiße beschäftigt ist. Die Erfahrungen, die sie im Berufsalltag sammelt, wären auch eine Motivation für das ehrenamtliche Engagement. "Wir müssen die ältere Generation, die in Senioreneinrichtungen wohnt, schützen", sagt Gabriele Malik, die stellvertretend für die vielen Helfer aus der Gesundheits- und Pflegebranche nominiert ist. Die 61-Jährige, die in Ponitz wohnt, trägt bei den Reihentests stets eine Schutzausrüstung. Gabriela Malik gehört zur Wasserwacht-Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit Sitz an der Koberbachtalsperre bei Werdau. (hof)

Telefon 0137 6100182


Patrick Bochmann

Weit mehr als 24 Stunden scheint der Tag bei Hausarzt Patrick Bochmann aus Lichtenstein zu haben. Wie die meisten Kollegen war er im Corona-Jahr schwer gefordert. Hinzu kommt, dass in Bochmanns Praxis 20 Prozent mehr Patienten als im sächsischen Schnitt kommen. Dennoch macht er Hausbesuche, acht bis zehn an manchen Tagen. 120 Patienten betreut Bochmann in Heimen. Bei bettlägerigen Patienten trägt er auch mal den Müll raus. Manchmal stört ihn aber eine gewisse Anspruchshaltung. Wenn Bochmann sich nicht um Patienten kümmert, ist der Familienvater Stadtchronist und Vorsitzender des Geschichtsvereins. Anfang 2020 veröffentlichte er eine 640-Seiten-Biografie über den Historiker Hugo Colditz. Bei zahlreichen Rödlitzern saß er daheim und sammelte Material für
eine Ortschronik. An einem historischen Film wirkte er mit und rekonstruierte die letzte Hinrichtung in Lichtenstein. (akli)   

Telefon 0137 6100184


Mirko Hummel

Mit dem Kauf der ehemaligen Glauchauer Kammerlichtspiele hat Mirko Hummel nicht nur für einen Paukenschlag in seiner Heimatstadt gesorgt, sondern auch ein Zeichen der Hoffnung gesetzt. Er ersteigerte das altehrwürdige Gebäude mitten in der Glauchauer Innenstadt - wegen der Corona-Pandemie geschah dies am Telefon. Mirko Hummel, der das Kino nicht dem Verfall preisgeben lassen will, sondern sich eine Art Begegnungsort für Kultur, Gastronomie und Einzelhandel vorstellt, hat bereits begonnen, das alte Kino zu beräumen. Dabei wird er häufig von Glauchauern besucht, die sich noch gut und lebhaft an die Zeiten der Kammerlichtspiele - sie wurden von 1925 bis in die 90er Jahre betrieben - erinnern können, berichtet er. Um diese Erinnerungen wach zu halten, hat Hommel dazu aufgerufen, ihm Erlebnisberichte, Dokumente und ähnliches über das Kino zu schicken. (sto)

Telefon 0137 6100186


Dominik Jahre und Jenny Hauser

Sie gehören zu Zwickaus größten Carsharing-Fans: Dominik Jahre und Jenny Hauser. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass die Einwohner seit November drei Flitzer des Carsharing-Anbieters Teilauto stunden- oder tageweise nutzen können. Hauser, die die gemeinschaftliche Nutzung von Autos aus Dresden kannte und nach ihrem Umzug nach Zwickau vermisste, holte sich deshalb weitere Mitstreiter ins Boot. "Wir haben den Bedarf abgeklopft", sagt die 33-Jährige. Danach hatten sich die Fans mit der Wirtschaftsförderung und dem Anbieter in Verbindung gesetzt. In beiden Fällen seien sie auf offene Ohren gestoßen. "Man kann ein Auto auch stundenweise mieten, ohne den ganzen Schreibkram", fügt der 54-Jährige an, der sich vor zwei Jahren von seinem Auto trennte. Wer ein Fahrzeug möchte, kann sich zwischen drei Typen und drei Tarifen entscheiden. Die Wagen parken unter anderem am Bahnhof. (jwa)  

Telefon 0137 6100188


Jörn Hinze

Der Inhaber des Sportshops "Running Man" in Crimmitschau hat in der Adventszeit wieder einmal für strahlende Augen bei den Bewohnern des Kinder- und Jugendheimes gesorgt. Obwohl der 57-Jährige sein eigenes Geschäft an der Friedrich-August-Straße aufgrund des Lockdowns schließen musste, zog er die Wunschzettel-Aktion durch. Im Eingangsbereich des Sportshops war seit Ende November ein besonderer Weihnachtsbaum aufgestellt. Daran befanden sich 25 Wunschzettel von Kindern und Jugendlichen. Zudem durften sich einige Gruppen aus der Einrichtung freuen: Sie bekamen beispielsweise neue Waffeleisen oder eine 300-Euro-Spende für einen Ausflug in das Freizeitbad "Riff" in Bad Lausick. Die Wunschzettel-Aktion läuft bereits seit 2007. Kunden, Privatpersonen und Sponsoren lassen die kleinen und großen Wünsche im Kinder- und Jugendheim in Erfüllung gehen. (hof)   

Telefon 0137 6100181


Matthias Gerth

Der Vorsitzende des ETC Crimmitschau hat gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen ein ehrgeiziges Projekt in Angriff genommen: Der Bau einer Trainingseishalle am Kunsteisstadion im Sahnpark. Die "Canada-Life-Kids-Arena" verfügt über eine rund 600 Quadratmeter große Eisfläche für die Nachwuchs-Cracks. Im Juni fand der erste Spatenstich statt. Sobald die Kinder und Jugendlichen wieder trainieren können, soll die Kühltechnik angeworfen werden. "Es ist phänomenal, wie viele Leute bei dem Projekt mitziehen", sagt Matthias Gerth. Damit bereiten sich die Puckjäger anlässlich 100 Jahre Eishockey in Crimmitschau selbst ein tolles Geschenk. Die Kosten für den Bau belaufen sich auf 990.000 Euro. Freistaat (495.000 Euro) und Stadtverwaltung (245.000 Euro) unterstützen das Projekt. Seit mehr als zwei Jahren trieben Gerth und seine Mitstreiter die Vorbereitungen für die Investition voran. (hof)   

Telefon 0137 6100183




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