Westsachsen holen sich Reiselust

Besucheransturm am Wochenende in der Zwickauer Stadthalle: Mehr als 100Veranstalter warben um Kunden, 11.600 kamen.

Zwickau.

Schlange stehen war zeitweise auch am zweiten Tag der Reisemesse am Samstag vor der Zwickauer Stadthalle angesagt. Bereits am Morgen strömten die Gäste in die Halle an der Bergmannstraße, um sich unter den zahlreichen Angeboten von mehr als 100 Reiseveranstaltern umzuschauen. Messechefin Annett Krupp zufolge ist es wohl dem Wetter zu verdanken, dass in diesem Jahr so viele den Weg in die Ausstellung fanden. Bis Sonntagabend zählte sie rund 11.600 Besucher bei der diesjährigen Reisemesse, die vom Zwickauer Veranstalter Kultour Z. organisiert wurde.

Wer gern wandert, fand reichlich Auswahl: vom Aufstieg zur Zwickauer Hütte bis hin zum Jakobsweg in Santiago de Compostela. Der Lichtensteiner Gil Bretschneider warb selbst für seine Grenzenlos-Expeditionen mit und ohne Rad, das passende Fahrrad dazu hatte er gleich mitgebracht. Auch zahlreiche Busunternehmer stellten ihre Programme vor, darunter der Mülsener Nicolas Beier, Sachsens vermutlich jüngster Busunternehmer. Der 36-Jährige hatte sein Geschäft Nictours, das heute 15Mitarbeiter zählt, vor 15 Jahren eröffnet. Wenngleich sein Fuhrpark sehr jung ist, fahren alle Busse mit Diesel. "Das wird wohl auch in den nächsten Jahren noch so bleiben", prophezeite der Mülsener. Kein Gast wolle zwei Stunden an einer Raststätte warten, bis der Akku wieder voll ist. Neu aufgelegt hat er in diesem Jahr ein ähnlich der Schweiz beliebtes Ziel seiner Gäste: Slowenien. Das aber nun für in die Jahre Gekommene: eine Slowenien-Wanderreise mit Wellness und Bewegung.

Ganz ohne Diesel kommt das Angebot des Chemnitzer Reisebüros Weber aus, bei dem Bernd Klaube schon rund 70-mal als Reiseleiter mitfuhr. Und seekrank wird man auch nicht, in der Transsibirischen Eisenbahn. 13 Tage ist man unterwegs mit bis zu 25 Personen, von Moskau nach Irkutsk mit Abstecher zum Baikalsee und zurück. Wer mag, kann schon bis Moskau mit dem Zug fahren, so Klaube. Früher seien für die Tour 36 Stunden nötig gewesen. Wer heute in den Paris-Moskau-Express steigt, schafft es in 25 Stunden. "Da fängt das Abenteuer schon an. Der Zug ist das modernste, was die russische Eisenbahn zu bieten hat", schwärmte der Russland-Experte. Die Nachfrage nach den Touren auf der vollelektrifizierten Strecke sei schon lange da, seit etwa fünf Jahren aber werden es deutlich mehr Interessenten, sagte Reisebürochefin Elke Weber. Gleiches trifft auf "Zarengold" zu: eine Fahrt mit der Transsibirischen von Moskau nach Peking, auf Wunsch in Abteilen mit eigenem Bad.

An einigen Ständen konnte man sich zudem wortwörtlich Appetit auf die Region holen: bei einem guten Tropfen Wein, Schweizer Käse, Tiroler Schinken oder italienischen Nudeln.


Warum in die Ferne schweifen

Claudia Schmidt und Dagmar Hamann haben einen Freundinnenausflug mit einem Messerundgang verbunden. Die Lichtensteinerinnen wurden fündig: Lehrerin Hamann (r.) fand ein Projekt in Waldenburg für ihre Schüler. Miniwelt-Sprecherin Schmidt holte sich Lust aufs Muldepaddeln. Für Hamann spielt seit Jahren der ökologische Aspekt beim Reisen eine Rolle. "Flugreisen machen wir schon lange nicht mehr, dafür viel Urlaub in Deutschland." Schmidt lachend: "Mir liegt die Welt eh jeden Tag zu Füßen."


Bella Italia oder Türkei?

Vater und Sohn sind sich noch uneins, wohin die erste große Alles-inklusive-Reise der Familie gehen soll: Der zehnjährige Michl Bilgett liebäugelt wegen der Aquaparks eher mit der Türkei, Vater Ronny zieht es nach Italien. Die Dennheritzer haben bisher Urlaub an Nord- und Ostsee verbracht, Mutti musste sich aber immer ums Essen kümmern. Beim nächsten Mal soll auch sie sich verwöhnen lassen dürfen. Der Vater schließt da eine Kreuzfahrt auch nicht aus. "Wichtig ist, warm muss es sein."


An der schönen blauen Donau

Helga und Dietmar Weiß sind bislang immer mit demselben Reiseveranstalter unterwegs gewesen. Da der aber Veränderungen angekündigt hat, suchen sie einen neuen. Die Rentner aus Meerane unternehmen gern Tagestouren. "Ins ferne Ausland wollen wir nicht mehr, das hat gesundheitliche Gründe", sagt die Frau. Speziell sind sie am Samstag auf der Suche nach einem Anbieter für eine Donau-Flussreise gewesen und haben sich einige Kataloge zum Schmökern mitgenommen. (upa)

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...